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Schon Erstklässler können süchtig werden

Sozialarbeiterin an der Grundschule Edling warnt: Handy gehört nicht in die Schultüte

In eine andere Welt taucht dieser Junge gerade mit seinem Handyspiel ein. Seine Spielsachen im Kinderzimmer nimmt er jetzt nicht mehr wahr.
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In eine andere Welt taucht dieser Junge gerade mit seinem Handyspiel ein. Seine Spielsachen im Kinderzimmer nimmt er jetzt nicht mehr wahr.
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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Sarah Miebach weiß aus ihrer Arbeit an der Franziska-Lechner-Schule in Edling, dass heute oft schon Kinder in der Grundschule ein Handy besitzen. Sie warnt eindringlich vor „Nebenwirkungen“. Bestätigt wird diese Erfahrung von Suchtpräventionsfachkraft Martin Seidl vom Gesundheitsamt Rosenheim.

Edling – Eine Schultüte ist etwas Feines. Sie soll dem Erstklässler seinen Schulstart versüßen. Früher fanden die Kinder darin ihr erstes Federmapperl und Süßigkeiten. Heute packen manche Eltern lieber ein Smartphone ein. Zocken, daddeln, surfen, chatten – das war vor einigen Jahren noch das Privileg von Schülern der weiterführenden Schulen. Doch Sarah Miebach, Jugendsozialarbeiterin von Startklar Soziale Arbeit Oberbayern an der Grundschule Edling weiß: „Mittlerweile haben wir bereits viele Kinder in der Grundschule mit eigenem Handy oder Smartphone.“

Im Elternhaus muss früh agiert werden

Sie warnt: „Je früher Kinder mit digitalen Medien in Berührung kommen, desto mehr nehmen die sogenannten Nebenwirkungen – trotz aller Vorteile der Mediennutzung – zu.“ Dabei seien doch gerade Erfahrungen mit allen Sinnen, mit herkömmlichen Spielen und echten Menschen für die Kindesentwicklung und fürs Lernen ein fundamentaler Baustein.

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Dem kann Suchtpräventionsfachkraft Martin Seidl vom Gesundheitsamt Rosenheim nur zustimmen. Der Referent war einer der ersten in Bayern, die das Thema Smartphone, digitale Medien und Prävention aufgriffen. Der Sozialpädagoge macht deutlich: „Vor allem im Elternhaus muss früh agiert werden.“ Ein sinnvoller Umgang mit digitalen Medien beginne mit dem Schwerpunkt Medienabstinenz, vertraten die beiden Sozialarbeiter auch bei einem gemeinsamen Elternvortrag in der Edlinger Schule.

Kinder sollten früh erlernen, Freude und Begeisterung von innen her zu erleben – unabhängig von äußeren Mitteln. Kinder sollten ihre Kreativität leben, statt zu konsumieren. Ein wunderbares Mittel sei dazu das freie analoge Spielen, wie es seit Jahrtausenden existiert, wirbt Seidl.

Dabei würden viele Lebenskompetenzen entwickelt. Kinder sollten sich seiner Meinung nach nicht daran gewöhnen bei Langeweile zum digitalen Gerät zu greifen, denn das könnte ein erster Schritt in eine Konsumhaltung führen, die letzten Endes sogar zur Sucht und Lustlosigkeit führen kann.

Er verweist dabei unter anderem auf eine Studie der Universität Lübeck, die besagt: „Kinder, die viel Zeit an digitalen Medien verbringen, haben weniger Lust aufs echte Leben!“ Kinder, die viel am Computer spielen, seien im wirklichen Leben zwar physisch anwesend, aber geistig abwesend, weil sie an das Onlinespiel und oder an die Social Media Dienste denken. „Diese ständige Ablenkung kann wiederum zur inneren Unruhe und Unzufriedenheit führen“, warnt Martin Seidl.

Software will die User binden

Ziel der meisten Apps und Anwendungen sei, ihre Kunden für immer längere Sequenzen zu binden, beziehungsweise, ihre Zugriffe zu vermehren. „Dazu analysieren die Softwareentwickler über die Jahre viele Daten der User, mit dem Ziel deren Verhalten besser zu verstehen und entsprechend ‚nachzubessern‘“, erklärt Seidl. Dadurch steige die Suchtgefahr.

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Um Kinder aus dieser Falle herauszuholen, empfiehlt der zweifache Vater, die Persönlichkeit der Kinder zu stärken, die Verfügbarkeit der Geräte und Apps zu reduzieren und das Umfeld der Kinder sinnvoll mit zu gestalten.

Ein Schwerpunkt stelle hier die Begrenzung der Geräte dar, denn die Forschung betont, dass dies leichter sei, als den Willen der Kinder zu schulen. Das heißt im Alltag: Geräte sollten entweder durch ein Passwort geschützt sein oder, noch besser, vollkommen aus dem Sichtfeld der Kinder genommen werden, rät Seidl. Dann würden ganz automatisch bei den Kindern wieder viele Ideen entstehen, denn sie seien von Natur aus gerne kreativ und würden gern all ihre Sinne beim Spielen einsetzen.

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Also gar keine digitalen Spiele mehr? „Nein“, macht Seidl deutlich. Gelegentlich könnten die digitalen Medien unter der Begleitung der Eltern auch sinnvolle Ergänzungen oder Unterhaltung bieten. Die Vorbildfunktion der Eltern spiele dabei natürlich, wie sonst auch so oft, eine große Rolle.

Dreimal tief durchatmen – dann erst das Handy einschalten

Auf der Internetseite www.phonesmart-share.de hat Sozialpädagoge Martin Seidl aus dem Rosenheimer Landratsamt (Abteilung Öffentliches Gesundheitswesen) zahlreiche Informationen rund um das Thema Smartphone und digitale Medien zusammengestellt.

Darunter auch viele Tipps von Schülern für Schüler – wie diesen: „Bevor du auf dein Smartphone schaust, atme dreimal tief durch oder wiederhole Sätze, die zu Dir passen (zum Beispiel „Ich bin stark“, „Das Leben ist cool!“, „Heute ist ein schöner Tag - danke!“). Anschließend überlege genau, ob der folgende Zugriff auf das Handy wirklich notwendig ist oder ob es sich nur um einen automatisierten Reflex ohne viel Sinn dahinter handelt, ob er Spaß macht oder ob es nur darum geht, die Zeit totzuschlagen. Überlege auch, was du statt dessen machen könntest. Dann erst entscheide, ob du zum Handy greifst oder nicht!“

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