AUS DEM STADTRAT

Sozial, nachhaltig, wirtschaftlich

23 Wohnungen für Singles, Kinderlose und Familien entstehen auf diesem Grundstück an der Ponschabaustraße. Für alle Bewohner gemeinsam zu nutzende Flächen sind ebenso geplant, wie die Koppelung der Heizung mit der dahinter liegenden Seniorenwohnanlage Stadler Garten. John Cater
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23 Wohnungen für Singles, Kinderlose und Familien entstehen auf diesem Grundstück an der Ponschabaustraße. Für alle Bewohner gemeinsam zu nutzende Flächen sind ebenso geplant, wie die Koppelung der Heizung mit der dahinter liegenden Seniorenwohnanlage Stadler Garten. John Cater

Beschlossene Sache: Das Mehrfamilienhaus an der Ponschabaustraße wird gebaut. Für 4,6 Millionen Euro entstehen dort 23 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Der Kostenbremse zum Opfer fiel das begrünte Dach samt Fotovoltaikanlage.

Wasserburg – Weniger als acht Euro pro Quadratmeter Miete, das war das erklärte Ziel des Liegenschaftsverwalters der Stadt, Robert Mayerhofer. Was sich mit den Vorstellungen der Planer gelegentlich etwas biss. Also steckten Mayerhofer und Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann in den letzten Wochen und Monaten ganz oft die Köpfe zusammen, suchten Kompromisse. So wurde aus dem Gründach ein Kiesdach, aus der Fotovoltaik-anlage eine Luft-Wasser-Wärme-Pumpe und aus der Lüftungsanlage eine Nachströmlüftung im Fenster – alles unterhalts- oder wartungsfreundlicher als die ursprüngliche Planung.

Aber nicht nur Mechtild Herrmann und Mayerhofer arbeiteten eng und gut zusammen, auch die Planer Ulrich Farthofer und Christoph Scheithauer sowie Stadträte und -verwaltung zogen mit am selben Strang, wie Mayerhofer berichtete. Und: Seine Wirtschaftlichkeitsberechnung ging auf, die Miete wird unter acht Euro pro Quadratmeter liegen. „Wir haben Wert gelegt auf Langlebigkeit, auf Wartungsarmut und wir wollen einen Mietermix, damit erst gar keine sozialen Spannungen aufkommen“, so die Stadtbaumeisterin.

Das ganze Gebäude ist barrierefrei erschlossen, nicht wie ursprünglich geplant mittels Rampe im Erdgeschoss, sondern nun komplett im Untergeschoss, was sich anbietet, da das Erdgeschoss ohnehin etwa zwei Meter über Straßenniveau liegt. Aus dem Gründach wurde ein Kiesdach, die Fotovoltaikanlage wurde gestrichen – was etliche Stadtratsmitglieder bedauerten. „Wenn man keinen Kostendeckel hat, kann man vieles machen. Bei einem Kostendeckel von 4,6 Millionen Euro fällt dann eben das eine oder andere hinten runter“, so die Stadtbaumeisterin.

Christian Stadler (Die Grünen) wollte wissen, ob die Statik das Gebäudes so ausgelegt sei, dass eine Fotovoltaikanlage – zum Beispiel als Bürgersolarkraftwerk– installiert werden könnte, was Mechtild Herrmann mit einem trockenen „Klar haben wir statische Reserven“ beantwortete. Robert Mayerhofer meinte genauso trocken, er verpachte das Dach auch gerne an die Stadtwerke, sollten die dort eine Fotovoltaikanlage bauen wollen.

Das Holz-Hybrid-Gebäude ist sehr energiesparend gebaut, entspricht dem KfW55- Standard. Was unter anderem dazu führte, dass die Architekten eine Lüftungsanlage einplanten, was Mayerhofer von Anfang an gegen den Strich ging. Da in allen 23 Wohnungen das Bad gefangen ist, muss dort ohnehin eine Belüftung eingebaut werden. Diese wurde jetzt mit einer Nachströmlüftung im Fenster kombiniert, eventueller Schimmelprobleme vorgebeugt.

„Unter 100 Jahren bauen wir nicht“ Bürgermeister Michael Kölbl

Unruhe kam im Stadtrat auf, als einer der Architekten meinte, außer dem Betonkern sei das Haus aus Holz, könne also in 50 Jahren problemlos recycelt werden. „Unter 100 Jahren bauen wir nicht“, verkündete Bürgermeister Michael Kölbl amüsiert und schon kehrte wieder Ruhe ein.

Gar nicht mehr amüsiert war Kölbl, als das x-te Stadtratsmitglied bei seiner Wortmeldung betonte, zufrieden zu sein – bevor das „aber“ kam: Wenn Stadträte sich bei ihrer Arbeit nach Leserbriefschreibern richteten, habe das mit Demokratie und selbstbestimmten Handeln eher wenig zu tun.

Der Beschluss der Räte, das Mehrfamilienhaus mit 23 Wohnungen an der Ponschabaustraße für 4,6 Millionen Euro zu bauen, fiel einstimmig.

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