In Schlicht bei Soyen gibt es nur einen Ort, an dem das Handynetz stabil ist - das „Störungsbankerl“

Dr. Birgit Kollarczik und Ehemann Jürgen sind froh, dass sie das Störungsbankerl haben. Hier klappt es sichermit dem Telefonieren.
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Dr. Birgit Kollarczik und Ehemann Jürgen sind froh, dass sie das Störungsbankerl haben. Hier klappt es sichermit dem Telefonieren.
  • Heike Duczek
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  • Winfried Weithofer
    Winfried Weithofer
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Hier hat es gefunkt: Auf dem „Störungsbankerl“ in Soyens Ortsteil Schlicht sitzen die Bürger nicht, weil sie von hier die Landschaft genießen wollen, sondern weil hier die Telefonverbindung am besten ist – etwa, wenn es gilt, die Störungshotline anzurufen. Das müssen die Anlieger oft.

Soyen – In Soyens Ortsteil Schlicht gibt es ein „Funkloch-Bankerl“. Es steht an der einzigen Stelle mit gutem Handy-Empfang. Hier nehmen die Bürger Platz, wenn sie in der Warteschleife der Beschwerdehotline ihres Telefonanbieters festhängen. Denn Störungen sind in Schlicht an der Tagesordnung.

Beruflich auf das Handy angewiesen

Dr. Birgit Kollarczik ist beruflich von einer guten Telefonverbindung abhängig. Die Wissenschaftlerin arbeitet im Homeoffice. Eines Tages wurde sie von einer Nachricht überrascht: Die Telekom hatte eine technische Umstellung vorgenommen und damit ihr Angebot verschlechtert. So musste die Anliegerin zur Telekommunikationsfirma Pyur wechseln, der auch das Netz gehört.

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Probleme seit Rückzug der Telekom

Kollarczik schwante nichts Gutes: „Ich war ja total zufrieden mit der Telekom, es war alles wunderbar, Störungen waren nur ganz selten.“ Der Telekom-Rückzug hatte nach ihren Einschätzungen damit zu tun, dass sich in Schlicht das Geschäft vielleicht nicht lohne. Ein Wohnblock mit 500 Menschen hätte vielleicht ein Einlenken bewirkt, „für uns paar Hanseln rentiert sich das aber wohl nicht.“

Häufige Ausfälle

Doch seit Pyur ihr Anbieter ist – seit März 2019 -, kommt es nach Angaben der Kundin häufiger zu Ausfällen, die auch schon mal länger andauern. „Einmal war das Telefon den ganzen Tag weg, zwei Mal einen halben Tag.“ In diesen Fällen musste sie zu ihrer Schwester nach Eiselfing fahren: „Dann habe ich von dort aus gearbeitet.“ Eine Nachbarin berichtet von noch häufigeren Störungen. „Das Festnetz bricht ein oder zwei Mal im Monat zusammen. Das nervt.“

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Die Störungsmeldungen gibt Kollarzcik in der Regel per Firmenhandy an Pyur durch, allerdings kann sie – doppeltes Pech – das nicht von zu Hause aus tun, weil es dort keinen Empfang gibt. Sie muss ein paar Schritte in Richtung Straße gehen. „Da stehe ich eine halbe Stunde, auch mal ein Stunde, oft im Regen, bis ich zur Störungsstelle durchkomme.“ Pyur sei eben schlecht erreichbar.

Ihr Mann Jürgen habe dann die Idee gehabt, eine Bank aufzustellen, damit die Wartezeit bequemer überbrückt werden könne. Auf dem Verteilerkasten hinter der Sitzgelegenheit klebt eine Aufschrift mit grünen Großbuchstaben: „Funkloch Bankerl“. „Bei den in Schlicht immer wieder auftretenden Störungen im Telefonnetz/Internet ist hier die einzige Stelle, die Handy-Empfang ermöglicht, um die Störung zu melden.“ Ein deutlicher Hinweis, der auf die technischen Mängel im Dorf aufmerksam macht.

„Hotline nicht kompetent besetzt“

Hilfe wurde den Kollarcziks auch von der Gemeinde zuteil, die ihr eine Nummer eines in Nürnberg wohnhaften Technikers zugeleitet hat. Bei Problemen reist er extra an. Und ein Nachbar sei bei der Telekom beschäftigt, „der hat auch ganz gute Kontakte“.

Dieser Nachbar („Leidtragender wäre untertrieben“, sagt er) berichtete bei der Ortsbesichtigung in Schlicht, dass die Hilfe durch die Hotline von Pyur zu wünschen übrig lasse. „Da wird herumgedruckst.“ Auch die Gemeinde Soyen beklagt, dass die Pyur-Hotline „meist nicht kompetent besetzt ist“.

Das sagt Pyur zum Fall Soyen-Schlicht

Der Sprecher von Pyur, Rudolph Attlfellner, hat auf Bitten der Wasserburger Zeitung nachgeforscht, was die Gründe für die Probleme in Schlicht sind. Ein Blick in die Störungshistorie der vergangenen sechs Monate habe gezeigt, dass es die Kunden im März leider gleich doppelt getroffen habe: „Mit wenigen Tagen Abstand hatten wir an seinem lokalen Versorgungspunkt erst einen Serverausfall und dann einen Blitzschaden (5. und 19. März).

Das ist für den Kunden doppelt ärgerlich und wir bedauern die Umstände, die er und seine Nachbarn dadurch hatten. Zuvor gab es im November noch eine kurze Unterbrechung, hier konnte ich die Ursache nicht ermitteln.“

Bis auf den Doppelschlag im März ergebe sich für Schlicht jedoch keine besondere Störungsanfälligkeit. Im Moment lägen auch keine offenen Kundenanfragen vor.

„Kunden werden informiert“

Der Pyur-Sprecher räumt jedoch ein: „Vollständig vermeiden lassen sich kurze Versorgungsunterbrechungen leider nie – sei es wegen äußerer Einflüsse oder wegen notwendiger Wartungsarbeiten an Netzkomponenten.“ Die Kunden würden aber sofort über Ursachen und voraussichtliche Dauer informiert. Seine Empfehlung: In der „Mein PŸUR“-App für Android-Smartphones und für iPhones gebe es adressgenaue Störungsinformationen, die auch den Anruf bei der Hotline ersparen würden.

Spezielle Hotline für Soyen

Wer doch die Hotline nutze, für den stehe im Soyener Netz eine spezielle Nummer (030 25 777 499) zu Verfügung – mit einem Team, das besonders auf die technische Infrastruktur im dortigen Netz geschult sei, betont der Pressesprecher. Bei komplexeren Themen übergäben die Kollegen die Bearbeitung an die Projektleitung in Unterföhring, berichtet Attlfellner.

Die durchschnittliche Wartezeit bei der Hotline liege bei rund zwei Minuten, das gelte als akzeptabel. „Dass jeder Anruf für die Kunden in Schlicht besonderen Aufwand bedeutet, bedauern wir aber.“

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