Kein Internet, kein Telefon!

Homeoffice am Kabel-Ende: Soyener Familie wartet ein Jahr auf Breitbandanschluss

Ihren Humor hat Theresa (20) nicht verloren, auch wenn sie durch den versprochenen Breitbandausbau derzeit noch im Regen sitzt: Sie demonstriert Homeoffice an der Stelle, wo das Telefonkabel derzeit kurz vor ihrem Elternhaus bei Soyen im Boden endet.
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Ihren Humor hat Theresa (20) nicht verloren, auch wenn sie durch den versprochenen Breitbandausbau derzeit noch im Regen sitzt: Sie demonstriert Homeoffice an der Stelle, wo das Telefonkabel derzeit kurz vor ihrem Elternhaus bei Soyen im Boden endet.
  • Winfried Weithofer
    vonWinfried Weithofer
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„Das ist doch wirklich schon fast eine Posse“, ärgert sich Christine Aigner aus Soyen. Seit genau einem Jahr, seit November 2019, hat ihre Familie in Soyen kein Telefon mehr und kein Internet.

Soyen– „Meine Töchter sind beide in der Ausbildung, da brauchen sie das Internet wirklich dringend für ihre Facharbeit beziehungsweise das Homeschooling“, betont die Mutter. Breitbandversorgung wird angekündigt, eigentlich perfekt, doch dann wird das Telefonkabel verlegt – und endet 100 Meter vor der Haustür, dem Gehöft bei Soyen.

Ziemlich sperrige Geschichte

„Es ist doch zum Verzweifeln“, so die Bewohner des Anwesens. Tochter Theresa (20) und Johanna (18) weichen seit Monaten zu Freunden aus, bei denen das Internet funktioniert.

Mutter Christine ist erst verärgert, dann, nach Monaten ohne Anschluss, zunehmend verzweifelt. Sie wendet sich an unsere Zeitung, der empörende Fall müsse der Öffentlichkeit bekannt werden. Und tatsächlich kommt Bewegung in die Sache:

Im Lauf der Recherche mit einem Dutzend Telefonaten wird deutlich, dass es sich hier um eine ziemlich sperrige Geschichte handelt. Die Zahl der Akteure ist groß: Da ist erstens die Geschädigte, zweitens der Gasversorger, drittens der Kabelverleger und viertens die Gemeinde.

Gasleitung war im Weg

Kurz zusammengefasst: Das Kabel konnte nicht weiter verlegt werden, weil eine Gasleitung im Weg war. Das Energieversorgungsunternehmen Energienetze Bayern musste erst einmal abklären, ob die Querung mit Glasfasern ohne Risiko möglich ist. So was kann dauern, dafür muss man Verständnis haben.

„Die Komplexität bei der Kabelverlegung ist eben groß“, sagt der Geschäftsleiter der Gemeinde Soyen, Georg Machl.

Gemeinde wehrt sich

Herausfinden, ob da was verbockt wurde und wenn ja, wer dafür gerade zu stehen hat, lässt sich im Nachhinein kaum mehr. Immerhin, inzwischen hat die Bewohnerin die Zusage erhalten, dass ihr Haus noch im November ans Netz angeschlossen wird.

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Die Gemeindeverwaltung wehrt sich dagegen, sich in der Angelegenheit den Schwarzen Peter zuschieben zu lassen, die Gemeinde, sagt Machl, wolle auch sonst nicht für Pannen bei der Breitbandversorgung verantwortlich gemacht werden.

Klar ist: Das Leben abseits von größeren Siedlungen hat eben seine Nachteile. Die Versorgung mit Energie, mit Wasser, der Anschluss ans Telefonnetz, erfordert lange Leitungen – und das hat eben seinen Preis. Eine ernüchternde Erkenntnis, der leider die Possenhaftigkeit fehlt. Christine Aigner zumindest kann darüber nicht lachen. Sie hofft, dass sich diesen Monat alles zum Guten wendet und das Telefon im Hause Aigner endlich wieder klingelt.

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