Sondengeher entdecken über 300 Jahre alte Fähnlein-Ringe: Erinnerung an das Haager Regiment

Wer genau hinschaut, erkennt auf den Ringen das Haager Wappentier: den Schimmel. Bauer
+
Wer genau hinschaut, erkennt auf den Ringen das Haager Wappentier: den Schimmel. Bauer
  • vonLudwig Meindl
    schließen

Um zwei historische Fundstücke sind Haag und der Geschichtsverein reicher geworden. Es handelt sich um „Fähnlein-Ringe“ aus dem 17. Jahrhundert. Beide ziert als zentrales Motive der Haager Schimmel.

Haag – Ein Fähnlein ist eine Unterformation eines Landsknechtregiments. In Haag wurde unter anderem im Dreißigjährigen Krieg eineigenes Regiment aufgestellt.

Sondengeher wurden wieder fündig

„Inzwischen sind die Haager Schimmelringe auch bei den Sondengehern bekannt“, berichtet Gerhard Kramer, Vorsitzender des Geschichtsvereins „Reichsgrafschaft Haag“ bei der Vorstellung der neuen Errungenschaft in der „Casa Tropea“. So wurde ein Exemplar mit etlichen Silbermünzen aus dem Jahr 1624 bei Zorneding gefunden, ein weiteres nach 1685 datierbares in Pastetten. Der frühere beinhaltet den eher stehenden Haager Schimmel mit dem Dreieck als Auge Gottes darüber, der andere den galoppierenden Schimmel. Da sie aus Bronze sind, dürften sie Unterführern gehört haben.

Beim Ackern zu Tage gekommen

Die älteste Darstellung eines „Fähnleinrings“ findet sich auf einem Gemälde von Hans Holbein dem Älteren aus dem Jahre 1504. Es stellt den Haager Grafen Sigmund dar, der einen goldenen Ring mit Schimmel als Einlage aus Rubin trägt. Das Gemälde befindet sich im Privatbesitz der Fürsten von Liechtenstein. Die ersten Funde stammten aus der Umgebung von Haag: Starnhöllmühle, Hof, Eibach, Hochhaus und Winden. Der Älteste aus der Starnhöllmühle war beim Ackern zutage gekommen. Drei Ringe, die Privatleute gefunden hatten, waren aus Eisen. Experte Rudolf Münch vermutete damals, dass diese eisernen Exemplare die Mannschaften des Haager Militärs getragen hätten. Die der Offiziere seien stets aus Bronze gewesen, die der Haager Grafen aus Gold.

Gerhard Kramer ist stolz auf die Fundstücke.

Das „Haager Fähnlein“ ist ab 1245 als militärische Formation erwähnt. 1566 nach dem Tod des Grafen Ladislaus wurde es aufgelöst, 1630 unter Freiherrn von Seebach wieder ins Leben gerufen. Damals plünderten die Haager Reichertsheim und handelten sich eine Beschwerde beim Kaiser ein. Der versetzte die Truppe nach Spanien. 1795 fand es eine neue Organisation im „Haager Regiment“. 1804 wurde daraus das Landwehrbataillon.

Inspriationen für Haager Tracht

Einen interessanten Bezug vom Haager Militär zur Bevölkerung stellt Gerhard Kramer mit dem Hinweis her, dass die ausgedienten Soldaten ihre Uniform nach Hause mitnehmen durften, wohl auch den Ring. Dort kürzten sie die langen blauen Röcke und zogen an Feiertagen darunter die roten Westen, Leibchen, an. Das wurde die Haager Tracht, die heute unter anderem noch der Geschichtsverein trägt.

Insgesamt wurden bisher 27 „Fähnleinringe“ gefunden. Sie werden seit längerem schon als Repliken von Haagern wieder getragen. 1978 hatte sich der Schützenmeister der Feuerschützen einen goldenen Fähnleinring anfertigen lassen. Die Mitglieder des Geschichtsvereins hatten silberne und bronzene „Fähnleinringe“ mit Haager Schimmel. Neuauflagen ließ der Haager Juwelier Alfons Reiter anfertigen.

Schwarzpulverein in rot-blauer Uniform

Die letzte Kreation, die mit ihren Emblemen auf historische Vorbilder zurückgreift, stammte 2006 von Schützenmeister Ludwig Meindl. Er entwarf für die Paradeabteilung des Schwarzpulververeins, die in der rotblauen Uniform als „Haager Regiment“ mit Musketen auftrat, den „Regimentsring“. Er zeigt die Kaiserkrone des Wittelsbachers Karls VII. aus dem 18. Jahrhundert und die Devise der Haager Grafen und des „Haager Regiments“: „Cum deo iuvante“ (mit Gottes Hilfe).

Die neuen Fundstücke gehen nun in den Tresor. Lieber hätte sie der Geschichtsverein ausgestellt, wie Vorsitzender Gerhard Kramer betont: „Wir würden sie gerne im Museum zeigen. Leider ist die Verhandlungssituation für das Museum im Schlossturm festgefahren.“

Kommentare