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Interview mit Koordinatorinnen der Hilfe

Sicher in Wasserburg, Angst um die Heimat: „Situation für Flüchtlinge sehr anstrengend“

Koordinatorin Monika Rieger (rechts) bei einer Spendenübergabe, begleitet von Maryna und Lydia (von links) aus der Ukraine.
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Koordinatorin Monika Rieger (rechts) bei einer Spendenübergabe, begleitet von Maryna und Lydia (von links) aus der Ukraine.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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„Unsere Seelen sind nach wie vor in der Ukraine“, sagen Maryna und Lydia, die in Wasserburg Zuflucht gefunden haben. Was sie und ihre Familien jetzt brauchen und wie Bürgerinnen und Bürger sie unterstützen können, erläutern die Koordinatorinnen der Hilfsaktionen, Monika Rieger und Ethel D. Kafka.

Wasserburg – 2015 hat sie die ersten Erfahrungen als Koordinatorin von Hilfsaktionen für Geflüchtete gesammelt. Jetzt ist Monika Rieger erneut Ansprechpartnerin des Patenprojektes Asyl, das sich um die Gäste aus der Ukraine kümmert. Gemeinsam mit Koordinatorin Ethel D. Kafka, Leiterin des Bürgerbahnhofs, und vielen weiteren Organisationen eines runden Tisches sorgt Rieger dafür, dass die Hilfsaktionen gut organisiert ablaufen und sich die Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet in Wasserburg wohl fühlen. Im Interview mit der Wasserburger Zeitung erklären die Stadträtin und Kafka, wie es den Gästen geht und wie die Wasserburger helfen können.

Was brauchen die Flüchtlinge aus der Ukraine derzeit vor allem?

Ethel D. Kafka: Für die Flüchtlinge ist die momentane Situation sehr anstrengend, weil sie plötzlich ihr Heimatland und die gewohnte Struktur verlassen haben und nun in einem neuen Land ankommen und sie erst einmal die Systeme verstehen müssen. Auch die Schrift und die Sprache sind ein großes Problem. Wer ist für was Ansprechpartner? Woher bekomme ich Geld? Wie läuft das mit Arbeit, Führerschein, Krankenversicherung und vor allem mit der Schule und mit Sprachkursen? Und darüber hinaus fragen sie sich, wie lange die Unterkunft in der Halle oder in Privathaushalten geplant ist.

Monika Rieger: Die Security-Mitarbeiter in der Halle versuchen, alle Fragen zu beantworten. Auch die Ehrenamtlichen sind (teilweise mit Dolmetschern) im Gespräch. Wir sammeln Kleidung und Geld. Alle Kinder (etwa 60 im Moment) dürfen sich ein paar neue Schuhe in einem Wasserburger Schuhgeschäft holen. Ehrenamtliche der evangelischen Kirche bieten zweimal wöchentlich ein Kinderprogramm an. Immer montags und donnerstags um 15 Uhr sind alle Kinde, auch einheimische, eingeladen zum Spielen und Singen. Es wird viel Orientierungsarbeit geleistet, aber manche Prozesse brauchen auch Geduld, weil vor Ort nicht alles bereits vorbereitet werden konnte, bevor die Flüchtlinge kamen. Aber wir sind auf einem guten Weg – dank eines tollen Netzwerkes an Ehren – und Hauptamtlichen.

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Wie läuft der Alltag in der Unterkunft der Realschulturnhalle?

Rieger: Strukturiert ist der Alltag in der Halle durch die Mahlzeiten. Abends um 22 Uhr wird das Licht ausgeschaltet, damit alle zur Ruhe finden können. Grundschulkinder dürfen nach den Ferien Willkommensklassen besuchen. Die älteren Kinder gehen bereits in Willkommensklassen der Realschule. Verschiedene Ansprechpartner und Ehrenamtliche kommen in die Halle. Aktivitäten laufen an.

Wie ist nach Ihren Eindrücken die Gefühlslage bei den Frauen und Kindern angesichts der Tatsache, dass ihre Männer, Partner und die Väter sowie Großväter ihr Land verteidigen müssen und großen Gefahren ausgesetzt sind?

Kafka: Ich würde sagen, dass diese Gefühlslage bei uns momentan noch nicht thematisiert wird und vielleicht auch etwas überlagert ist durch die Klärung des Alltags.

Rieger: Ich persönlich habe noch niemanden darauf angesprochen. Eine Frau hat erzählt, dass sie fünf Tage im Auto unterwegs waren und wie froh sie ist, dass ihre Familie hier in Sicherheit ist. Diese Menschen hatten ein ganz normales Leben, hatten Geschäfte oder waren in gehobenen Positionen in Firmen. Das alles haben sie aus Angst vor dem Krieg zurücklassen müssen. Ich erlebe große Dankbarkeit für die Hilfe, die ihnen hier zuteilwird. Die Leute, die offen sind, die vielleicht Englisch oder sogar ein bisschen Deutsch sprechen, tun sich leichter, Kontakte zu knüpfen. Eine Familie hat sich beispielsweise der bestehenden Mutter-Kind-Gruppe, die sich in unserer Kirchengemeinde trifft, angeschlossen.

Ethel D. Kafka

Wie können die Wasserburger konkret helfen?

Rieger: Über eigene Netzwerke haben wir zu einer Spendenaktion aufgerufen. Am Mittwoch wurde unsere Christuskirche mit Sachspenden gefüllt. Danke an Peter Fichter und sein Wunschbaum-Team, die uns viele neue Sachen, wie etwa. Schulranzen gebracht haben.

An wen können sich diejenigen wenden, die spenden oder sogar aktiv mithelfen wollen?

Kafka: Über den Bürgerbahnhof werden die Ehrenamtlichen eingesetzt. Ihre Aufgaben unter anderem: Kleidung sortieren und ausgeben, die Leute zur Kontoeröffnung zur Bank begleiten, für jemanden, der Geburtstag hat, ein kleines Fest organisieren. . Das sind einige Dinge, die bisher gemacht wurden. Wir wissen nie genau, was als nächstes gebraucht wird, deshalb nutzen wir soziale Netzwerke, wenn wir schnelle Hilfe brauchen.

Ziel: Zurück in die Ukraine

Bei einer Spendenübergabe in der Söchtenauer Grundschule, an die Vertreter des dabei begünstigten Patenprojekts Wasserburg, teilnahmen erzählten – mit Hilfe des Google-Übersetzers – Maryna und Lydia aus der Ukraine den Kindern, wie es ihnen geht. Sie ließen die Beiden keinen Zweifel daran, dass sie unbedingt wieder zurück in die Ukraine wollen. Deutschland sei zwar ein schönes Land und sie würden sich herzlich und liebevoll aufgenommen fühlen, „aber unsere Seelen sind immer noch in der Heimat Ukraine“, betonten sie.

Zu spüren war jbei der Spendenübergabe jedoch auch, dass durch zu persönliche Fragen die negativen Erinnerungen an die Flucht hochkommen. Lydia beispielsweise hat schon bei den Kriegshandlungen 2014 aus ihrer damaligen Ukrainischen Heimat fliehen müssen.

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