CORONA-IMPFUNG

Senioren im Wasserburger Land bekommen bald Post, doch es gibt noch viele Fragen

Schauspieler, Kabarettist und Komiker Dieter Hallervorden (85) hat sie schon bekommen, die begehrte Spritze.
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Er will ein Vorbild für andere Senioren sein: Der Schauspieler, Kabarettist und Komiker Dieter Hallervorden (85) hat sie schon bekommen, die begehrte Spritze.
  • Heike Duczek
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Die Impfbereitschaft bei den Wasserburger Senioren ist groß, stellt die Beauftragte des Stadtrates für ältere Bürger, Friederike Kayser-Büker, fest. Doch es gebe nach wie vor viele offene Fragen zur Anmeldung und zum Ablauf. Außerdem übt Kayser-Büker scharfe Kritik an Lücken im Impfkonzept.

Wasserburg – Wann geht es los und wie läuft es ab? Die wichtigsten Fragen zur Impfaktion beantwortet auf Anfrage der Wasserburger Zeitung das Landratsamt Rosenheim.

Wie werden die Senioren im Landkreis über Impfmöglichkeiten informiert?

Landratsamt: Per Brief, welcher voraussichtlich in der Kalenderwoche 3 zugehen wird.

Wie können Berechtigte sich anmelden – per E-Mail, auch schriftlich oder per Telefonanruf – oder nur online?

Landratsamt: Die impfwilligen Personen können sich online für die Impfung registrieren unter https://impfzentren.bayern. Sollte jemand über keinen Internetzugang verfügen und keine Freunde oder Angehörige haben, die bei der Registrierung helfen können, ist eine Registrierung auch telefonisch unter 08031/3658899 möglich. Auf mögliche Wartezeiten bei der telefonischen Anmeldung wird hingewiesen. Eine Terminvereinbarung per E-Mail ist nicht möglich.

Wer impft Senioren, die daheim von Angehörigen gepflegt werden? Der Hausarzt?

Landratsamt: Nach unseren Informationen erarbeitet das Bayerische Gesundheitsministerium hierfür ein Konzept. Der Inhalt ist uns noch nicht bekannt, daher können wir hierzu noch keine nähere Aussage treffen. Eine Impfung durch den Hausarzt ist mit den derzeit verfügbaren Impfstoffen nicht möglich.

Müssen Senioren zum Impfteam fahren oder kommen die Impfärzte auch ins Haus zu älteren Menschen, die daheim leben?

Landratsamt: Die Senioren müssen derzeit ins Impfzentrum kommen. Für bettlägerige Personen, wird derzeit ein Konzept erarbeitet.

Wenn die Senioren kein eigenes Auto haben oder nicht mehr Auto fahren können, dürfen sie ein Taxi nehmen? Wer zahlt die Fahrt?

Landratsamt: Meines Wissens nach spricht nichts dagegen, mit dem Taxi, Bus oder der Bahn zu kommen. Wir haben ja extra einen zentralen Ort für das Impfzentrum ausgesucht, damit dieses möglichst auch öffentlich gut erreichbar ist. Die Kosten hat die impfwillige Person zu tragen, andere Informationen sind uns nicht bekannt.

Darf der Fahrdienst der Stadt diese Fahrten übernehmen?

Landratsamt: Diese Frage müsste mit den Kommunen geklärt werden.

Welche Unterlagen sollen zur Impfung mitgebracht werden?

Landratsamt:Ein gültiges Ausweisdokument, ein Impfpass (falls vorhanden) und gegebenenfalls Diabetikerpass, Herzpass oder Medikamentenliste.

Hilft im Impfzentrum jemand, wenn eine Person mit den Formularen nicht zurechtkommt?

Landratsamt: Bei der Anmeldung zur Impfung sitzt jeweils pro Impfstraße eine Verwaltungskraft, die bei Bedarf helfen kann, die Anmeldungsformulare zu verstehen. Sollte das Aufklärungsmerkblatt nicht verstanden worden sein, besteht die Möglichkeit einer Einzelaufklärung durch den Impfarzt.

Wenn ein Mann mit 81 Jahren im Impfzentrum geimpft wird und seine 78 Jahre alte Frau ihn begleitet, kann sie dann auch gleich geimpft werden?

Landratsamt: Derzeit ist dies rechtlich nicht möglich. Momentan können nur solche Personen geimpft werden, welche nach § 2 CoronaImpfV Anspruch nach der höchsten Priorität auf eine Impfung haben, die 78-jährige Frau fällt nicht darunter.

Die große Zahl der hochbetagten Menschen in Wasserburg und Umgebung wird nach Erfahrungen der Seniorenbeauftragten des Stadtrates daheim betreut und gepflegt. Deshalb übt Friederike Kayser-Büker Kritik an der Tatsache, dass derzeit noch immer an einem Konzept gearbeitet werde. „Wie ich aus der Recherche des OVB entnehme, ist es noch nicht geklärt, wie die Gruppe der Menschen mit Immobilität oder Pflegebedürftigkeit an eine Impfung kommen. Ich verstehe ja, dass der Impfstoff noch nicht da ist, aber jetzt noch keinen Plan zu haben, wenn er kommt? Ich kann es einfach nicht glauben“, ärgert sich die Stadträtin.

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Der über 80-jährige Bürger in einer ländlichen Region wie Wasserburg lebe schließlich überwiegend daheim – oft versorgt, unterstützt oder gepflegt von Ehepartnern, Töchtern und Schwiegertöchtern. Je nach Pflegegrad komme bis zu drei Mal am Tag ein Pflegedienst mit wechselndem Personal ins Haus. Diese hochbetagten Menschen seien vulnerable Personen, die ebenfalls dringend eine Impfung benötigen würden. Transporte ins Impfzentrum Rosenheim seien bei immobilen , oft durchgehend bettlägerigen Menschen schlichtweg unmöglich durch Angehörige zu organisieren. „Kommt der Prophet zum Berg oder der Berg zum Propheten?“, so Kayser-Büker. Es sei sehr irritierend, dass ein Impfkonzept noch keine Lösung für diese große Gruppe von daheim lebenden, pflegebedürftigen Menschen aufweise.

„Ohnmacht derzeit das vorherrschende Gefühl“

Die Seniorenbeauftragte kritisiert außerdem die Tatsache, dass sich die Senioren in erster Linie online registrieren sollen. Viele Betroffene hätten weder einen Internetzugang, noch einen Laptop oder Computer und oft auch keine Angehörige, die ihnen helfen könnten. Diese Gruppe von Menschen sei deshalb überfordert und verunsichert. „Ohmacht“ sei derzeit das vorherrschende Gefühl bei vielen hoch betagten Seniorinnen und Senioren. „Dabei muss sich keiner schämen und klein fühlen, wenn er die Online-Registrierung nicht schafft“, macht die Seniorenbeauftragten den älteren Menschen Mut. „Wir kriegen die Schule digital doch auch nicht richtig auf die Reihe, obwohl wir den ganzen Sommer hindurch Zeit hatten, uns darauf einzustellen. Doch über 80-Jährige sollen sich jetzt durch ein Online-Registrierungsverfahren kämpfen – das kann doch nicht wahr sein.“

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Die Beauftragte fordert einen umfangreichen personellen Ausbau der Telefonanmeldung. „Es muss doch möglich sein, auf einfache Art und Weise impfbereite ältere Menschen zu erreichen und ihnen den Zugang zu ermöglichen.“ Es gehe hier um ein Anliegen der Bürgerinnen und Bürger mit höchster Priorität und nicht um die praktikabelste Lösung für eine Verwaltung. Für Menschen im hohen Alter sei die Impfung die einzige reale Chance, aus der Zwangsisolation herauszukommen und wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

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