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Auch Hollywood ruft ihn an

Vom Verfuger zum TV-Komponisten: Wahl-Wasserburger Selcuk Torun arbeitet hart an seinem Erfolg

Der Wasserburger Komponist Selcuk Torun in seinem Studio: Er hat es geschafft und sich seinen Berufstraum erfüllt.
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Der Wasserburger Komponist Selcuk Torun in seinem Studio: Er hat es geschafft und sich seinen Berufstraum erfüllt.
  • VonRegine Falk
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Bilder musikalisch untermalen, das ist seine Leidenschaft: Selcuk Torun hat daraus einen Beruf gemacht. Er ist Komponist. Ein bekannter sogar. Sogar Hollywood ruft, wenn es darum geht, eine Filmmusik zu kreieren. Die Geschichte eines Mannes, der sich die Erfüllung seines Traums hart erarbeitet hat und in Wasserburg lebt.

Wasserburg – „Eigentlich wollte ich ja vor zehn Jahren in die USA auswandern“, sagt Selcuk Torun (52) – und dann ist doch Wasserburg sein Lebensmittelpunkt geblieben. Nahe des Penzinger Sees steht sein Heim. Privates Zuhause und Kreativzentrum seines Schaffens: Ein paar Treppenstufen runter ins Souterrain und schon findet man sich in einem großräumigen, hellen Tonstudio wieder: Mischpult, Flügel, Gitarren, Keyboard, PC und Flatscreen – alles da.

Seine Musikkompositionen sind mittlerweile nahezu allgegenwärtig in deutschen TV-Produktionen ebenso wie in Hollywood-Filmen. Doch angefangen hat der Sohn einer türkischstämmigen Familie, in München geboren, im Wasserburger Burgerfeld aufgewachsen, komplett anders – als gelernter Handwerker.

Als Jugendlicher bekommt er den ersten Auftrag

Nach dem Hauptschulabschluss wünscht sich der Vater eine „bodenständige“ Ausbildung für den Sohn. Also geht es zunächst zurück in die Türkei, auf Drängen des Teenagers aber doch wieder nach Wasserburg. Dort macht der damals 15-Jährige eine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur bei der Firma Karl Göpfert. Und er beginnt, in einer Band zu spielen. „Wir waren echt schlecht“, sagt Torun heute lachend.

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In seiner Freizeit damals ist er überwiegend im Probenraum, testet Melodien am Keyboard. „Da hatte ich keine Zeit und keinen Kopf für was anderes, für Mädchen erst recht nicht“. Ein erster Auftrag, eine 30-teilige ARD-Serie über den menschlichen Körper zu vertonen, zahlt sich finanziell nicht aus. „Aber ich habe absolut Blut geleckt. Als ich das im Fernsehen sah und meinen Namen dazu, da wusste ich: Das ist es, was ich machen will“.

Und doch sollten zehn Jahre vergehen, bis er seinem Traum näher kam.

Zunächst baut sich Torun eine Existenz auf: Er heiratet, zwei Töchter kommen zur Welt. Parallel gründet er eine Bau-Firma und verfugt für einen Fliesenleger. Expandiert schnell, hat Mitarbeiter und Aufträge in ganz Deutschland. „Wir haben ein dreiviertel Jahr das Dach des Olympiastadions in München verfugt – zu zweit“, erinnert sich der heutige Komponist.

Tagsüber auf dem Bau, abends im Studio

Doch irgendetwas stimmt nicht. „Eines Tages, es war Weihnachten, saß ich in meinem nagelneuen Auto, und fühlte mich todunglücklich – einfach unerfüllt.“ Also schrieb er einen Brief. „Fasziniert“ vom Sound- und Audiodesign der Pro 7 Media AG bat er um ein Vorstellungsgespräch - das in eine mittlerweile 20-jährige Zusammenarbeit münden sollte. Der Weg dorthin war natürlich nicht einfach für den anfänglichen Autodidakten.

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Zunächst soll Torun verschiedene Titel vertonen, also sprachlichen Motiven „ihren“ Sound geben. So findet er seinen individuellen Stil. Er arbeitet zwei Monate hart an einem neuen Pilotprojekt, komponiert Opener, Unterleger für Anmoderationen, Werbebrecher – alles Neuland. Der Druck ist enorm hoch, auch das Budget. „Ich habe da tagsüber noch auf dem Bau gearbeitet. Mein Studio war eher halbprofessionell eingerichtet.

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Aber ich wusste, das ist meine Chance, und das darf ich nicht versauen.“ Zwei Wochen nach Abgabe seiner Arbeit offenbart ihm ProSieben über die Ankündigung der neuen Serie „Galileo“ – mit Start am 30. November 1998 - ziemlich öffentlich, dass er den Job hatte. Und damit war er auch drin, im Business.

Tonmeister von Prince ist heute einer seiner besten Freunde

Im Jahr 2000 entscheidet er sich ganz für die Kunst. „Ich war da plötzlich die Top-Adresse und habe ganz Deutschland mit Titelmusiken versorgt.“ Denn 2002 war seine Komposition für „Galileo“ mit dem „Promax BDA. Winner for Best AudioDesign“ ausgezeichnet worden. Er macht viele Produktionen, auch für Popstars – „Dienstleistung für den Mainstream“, sagt er.

Aber Torun will etwas anderes, er will „Bilder musikalisch untermalen“.

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Das Vertonen liegt ihm. „Ich habe ein Gefühl dafür. So, wie ein Karl Lagerfeld ‚wusste‘, welche Farben gehen und welche nicht. Aber das kann man nicht erlernen.“ Trotz seines Erfolgs begegnet man dem Nicht-Akademiker auch mit Respektlosigkeit – was ihn eher anspornt. Er nimmt Klavierunterricht, mit 35 Jahren, studiert später auch Orchestration und Komposition. Und er lernt von anderen, etwa von Hans Martin Buff, dem früheren Tonmeister des Popstars Prince, heute Toruns Toningenieur und einer seiner besten Freunde.

Vom Blockbuster in Hollywood bis zur Multimedia-Show

Mittlerweile hat Selcuk Torun rund 500 Produktionen gemacht mit Titelmusiken und Audio Design-Paketen für zahlreiche TV-Sender, Kurzfilme, Dokumentationen, Imagefilme und Multimedia-Shows für Auftraggeber in Los Angeles, in der Türkei oder Ukraine. Sein Job ist es, die Wünsche der Regisseure umzusetzen: „Das kann mal nach Blockbuster klingen, mal nach Mozart“. Für ihn lief es 2020 bestens: Er erhielt zwei Aufträge aus Hollywood, einer davon wurde mit dem „American Addy Award“ ausgezeichnet.

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Aktuell komponiert er die Musik für eine Mulitmedia-Show in Armenien, „für eine Art Disneyland mit Wasser, Feuer, Licht“. Für die Orchesteraufnahme wird er nach Prag reisen. Selcuk Torun hat es geschafft. Er hat sich den Traum, als Künstler zu arbeiten, hart erarbeitet und selbst erfüllt.

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