Seit 30 Jahren aktiv für das Haager Land

Eine Ausstellung mit historischen Wahlplakaten haben (von links) Richard Pointl, Vorsitzender der WGW, Josef Schöberl, stellvertretender Vorsitzender, und Dr. Bernhard Grabmeyer, Initiator und langjähriger Vorsitzender der WGW, ins Leben gerufen. Manzinger

Kirchdorf/Haag – „Die Ortsliste für den westlichen Landkreis Mühldorf“ – so lautete umgangssprachlich die Bezeichnung für die am 25. Januar 1990 gegründete Extra-Liste für die Kreistagswahl 1990 im Landkreis Mühldorf.

Das war und ist etwas Besonderes. Dies wurde bei der Jubiläumsfeier „30 Jahre WGW“ im Kirchdorfer Gasthaus Hacklthal deutlich, wie Vorsitzender Richard Pointl feststellte. Vor zahlreichen Bürgermeistern und Altbürgermeistern blickte Egon Barlog auf die bewegte Gründungsphase zurück. Er sitzt von der ersten Stunde an für die WGW im Kreistag.

Der Teil des Altlandkreises Wasserburg, der bei der Gebietsreform 1972 dem Landkreis Mühldorf zugeschlagen wurde, fühlte sich nicht vertreten von den großen Parteien im Landkreis. Um die eigene parteiunabhängige Liste zu gründen, mussten 240 Bürger aus dem Landkreis innerhalb von zehn Arbeitstagen persönlich im Mühldorfer Landratsamt erscheinen. Kurz davor gaben die Behörden noch den persönlichen und gut gemeinten Hinweis, „man könne ja noch zurückziehen, um eine Blamage zu vermeiden“, erinnerten sich die Frauen und Männer der ersten Stunden.

Es wurde ein eigenes „Unterschriftenzimmer“ eingerichtet im Mühldorfer Landratsamt. Und statt der erforderlichen 240 Unterzeichner kamen sogar 500 Bürger. Die WGW war damit gegründet.

Mit zwei Kreisräten war man anfangs vertreten, danach und bis heute waren es meist fünf Kreisräte. Wie notwendig und wichtig dies war, wurde bei der beabsichtigten Schließung des Krankenhauses Haag deutlich. Erfolgreich setzte sich die WGW dagegen ein.

Besonders geehrt wurde bei der Jubilarfeier Dr. Bernhard Grabmeyer, der seit 30 Jahren „anschiebt“, wie Zweiter Vorsitzender Josef Schöberl verdeutlichte. Vor allem dem Engagement von Grabmeyer sei es zu verdanken, dass es das Krankenhaus Haag noch gebe, so Schöberl. Der von der WGW initiierte Bürgerentscheid wurde 1999 gewonnen, denn die Mehrheit der Bürger aus dem gesamten Landkreis Mühldorf stimmten für den Erhalt des Haager Krankenhauses. Heute sei es das Krankenhaus des neuen Verbundes Inn-Kliniken Altötting-Mühldorf, das als einziges schwarze Zahlen schreibe.

Thomas Kitzeder berichtete über den Ablauf der Klinikfusion, die betriebswirtschaftlich und auch medizinisch sinnvoll sei. Auch der erste Anstoß zur Schaffung der Realschule Haag kam über Grabmeyer von der WGW. Er sprach mit den „Englischen Fräulein“ als Besitzerinnnen des Haager Klosters.

Die geplante autobahnähnliche B 15  neu ist dank der Bemühungen vieler nicht in den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans eingeordnet worden, so Franz Manzinger. CSU und SPD stimmten 2015 für einen breiten Korridor der B 15 neu und damit wurde der von der WGW initiierte einstimmige Beschluss gegen diese Trasse von 2014 aufgeweicht.

Der Garser Bürgermeister Norbert Strahllechner betonte den Neubau des Gymnasiums, für den sich die WGW stark eingesetzt habe. Viel Überzeugungsarbeit musste die WGW bei der geplanten Überhöhung der Mülldeponie Anfang der 1990er-Jahre in Haag leisten. Letztlich habe es sich gelohnt, so die Verantwortlichen.

Der WGW geht es neben den speziellen Themen des westlichen Landkreises vor allem auch um eine Senkung der Kreisumlage, so Schöberl. Derzeit aktuelle Themen für den westlichen Landkreis seien ein wirksamer und dauerhafter Lärmschutz für die Anwohner der A 94, sanfte Ortsumfahrungen der B15 im Gegensatz zu einem autobahnähnlichen Neubau, eine gute ÖPNV-Anbindung des westlichen Landkreises und die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung inklusive des dauerhaften Erhalts des Haager Krankenhauses. Besonders erfreulich ist, dass sechs Bürgermeister und Altbürgermeister des „West-Gebietes“ die WGW unterstützen oder unterstützt haben.

Das Motto war und ist: „Für das Haager Land am besten, ist eine Liste aus dem Westen“, hieß es beim Festakt. Das Neukirchner Sextett unterhielt die Gäste im gut gefüllten Saal des Gasthauses Hacklthal in Kirchdorf zwischen den Infoblöcken und Gastbeiträgen der Redner.

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