Jahresversammlung der Mitglieder

Seit 20 Jahren ist der Dorfladen Mittergars im alten Schulhaus ein Erfolgsmodell

Steht selbst hinter der Ladentheke: die Vorsitzende Irmi Strauß (rechts).
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Steht selbst hinter der Ladentheke: die Vorsitzende Irmi Strauß (rechts).
  • vonMarianne Fill
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Eier vom Bauenhof um die Ecke, Gemüse und Obst aus der Region, selbstgekochte Marmelade, Bauernbrot und Milchprodukte – Vieles in den Dorfläden kommt aus der Heimat. Und das wissen die Kunden zu schätzen, wie etwa im Dorfladen Mittergars, der seinen Umsatz im Jahr 2019 steigern konnte.

Gars – Er ist ein Erfolgsmodell: Der Dorfladen Mittergars kommt so gut an, dass 2019 der Umsatz gesteigert werden konnte.

Die Auflagen der Corona-Pandemie hatten dafür gesorgt, dass die Jahresversammlung des Dorfladens vom Frühjahr in den Herbst verschoben werden musste. Jetzt trafen sich die Mitglieder im Dorfsaal, um das Jahr 2019 abzuschließen.

Schwarzen Zahlen geschrieben

Seit 20 Jahren schreibt der Laden im ehemaligen Schulhaus nun Erfolgsgeschichte. Wie es dazu kam? In Mittergars gab es in den 1990ern schon seit einigen Jahren keinen Dorfladen mehr. Dies war vor allem für ganz junge und für ältere Menschen ohne Fahrzeug ein Problem.

Fast alle Haushalte haben Anteile gezeichnet

Deshalb wurde ein Arbeitskreis Dorfladen gegründet, der Vorstellungen zum Warenangebot, zur Finanzierbarkeit und zum zukünftigen Betrieb des Ladens erarbeitete. Das Ergebnis fand breite Zustimmung in der Bevölkerung und die Mittergarser wagten die Umsetzung.

Die Gemeinde vermietete einen Teil des alten renovierten Schulhauses zur Nutzung als Dorfladen. Für den Betrieb wurde eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechtes mit beschränkter Haftung (GbRmbh) gegründet. Fast alle Mittergarser Haushalte haben Anteile gezeichnet und aus ihrer Mitte einen Beirat gewählt. Seit dem 27. September 2000 kann man in Mittergars wieder einkaufen.

Leitbild „Ein Dorf zum Leben“

Das Leitbild „ein Dorf zum Leben“ spiegelte sich in den „schwarzen Zahlen“ wider, die nun in der Hauptversammlung bekannt wurden. Sie sind vor allem eine Folge des freundlichen Personals und einer zufriedenen Kundschaft, die voll hinter dem Dorfladen steht, so das Fazit. Die Vorsitzende der GmbH, Irmi Strauß, berichtete über eine Umsatzsteigerung im Jahr 2019 von rund zehn Prozent. Die Erlöse hätten bei 289.790 Euro gelegen, einem täglichen durchschnittlichen Umsatz von 965 Euro. Der Reingewinn habe bei 3925 Euro gelegen.

Kassenprüferin Renate Grill sprach von einer zufriedenstellenden Ertragslage. Bürgermeister Robert Otter dankte der Dorfladen-Führung für 20 Jahre Dienst.

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Bei den Beirats-Wahlen wurde Irmgard Greißl einstimmig in ihrem Amt bestätigt, ebenso die Kassenprüfer Renate Grill und Max Voglmaier. Auch die Satzungsänderung wurde im Rahmen der Einberufungsfrist der Jahresversammlung dahin geändert, dass in Zukunft schriftlich und als Aushang in den Geschäftsräumen acht Tage vor der Versammlung eingeladen wird. Außerdem gab Strauß bekannt, dass das Darlehen für den Schützenheimbau der Räuberschützen in Höhe von 1000 Euro zu einer Spende umgewandelt worden sei. Als „Dividende“ für das Geschäftskapital gab es in diesem Jahr Öl von der Ölmühle in Schnaitsee an alle Mitglieder.

Vorausschauend informierte Strauß zur geplante Feier anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Dorfladens finde ein Fest „20 + 1“ im kommenden Jahr statt. Auch der Kindernachmittag mit „Sternschnuppe“ wird vermutlich im 2021 – voraussichtlich im Juni – stattfinden.

Unterstützung für den Bauernmarkt

Der Dorfladen wird den neuen Garser Bauernmarkt tatkräftig unterstützen. Adventskränze können in diesem Jahr nur auf Bestellung erworben werden.

Renate Grill informierte über das Jahr 2019. Über 130 Veranstaltungen und Stammtische wurden im Dorfsaal, die vom Dorfladen aus versorgt wurden, abgehalten. Dazu kamen noch das Kaffeekränzchen, der Kinderfasching, das Klick-Klack-Theater und der Abend mit Zauberer Frank Otto. So konnten 1650 Euro als Mieteinnahmen an die Gemeinde weitergeleitet werden. Die Spende aus den Rabattheften betrug 280 Euro für das Adalbert-Stifter-Wohnheim in Waldkraiburg. Auch das Projekt Heimladen in diesem Wohnheim läuft gut, so Grill. So kann ein Motto dieser Nahversorgung durch den Dorfladen „Wer weiter denkt, kauft näher ein“ mit den guten Zahlen bestätigt werden.

Dorfläden in Waldhausen und Evenhausen neu eröffnet

Auch in Waldhausen bei Schnaitsee freuen sich die Bürger, dass die Nahversorgung gesichert ist. Nachdem der Schnaitseer Einzelhandelsunternehmer Georg Scherer seinen Edeka-Laden aufgegebn hatte, hat sich die „Dorfladen Frabertsham UG“ ins Spiel gebracht und das Geschäft übernommen.

In Sanierung 80.000 Euro gesteckt

In Evenhausen bei Amerang wird gerade der Dorfladen saniert. 80.000 Euro steckt der Betreiber Helmut Kristen eigenen Angaben zufolge in sein Geschäft. Neueröffnung ist am Freitag, 16. Oktober.

Auch Nahversorgung am Stadtplatz Mühldorf ist gefährdet

Generell ist Nahversorgung ein Thema, das Bürger bewegt. So auch in Mühldorf/Inn. Denn auch in der 20.000-Einwohner-Stadt ist die Lebensmittelnahversorgung in der Altstadt schwierig. Mit dem Norma-Markt schloss im August der einzige Supermarkt im Innenstadtbereich. Neben Metzgereien gab es dann lediglich einen kleinen syrischen Lebensmittelmarkt und Naturkost Geuder am Stadtplatz. Eine Genossenschaft hat sich dieses Ladens angenommen, weil seine Existenz auf dem Spiel stand.

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Conny Geuder, die das Geschäft 30 Jahre betrieb, hatte längst angekündigt, dass sie sich zurückziehen wolle. Das hätte das Aus für den Laden bedeutet. Darum hat sich die Genossenschaft „Milamü“ – „Mitmachladen Mühldorf“ gegründet.

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