Seine Spritzen darf jeder sehen

Trotz Diabetes wurde Martijn Verschoor (links), der bei der Bayernrundfahrt Station in Waldkraiburg machte, ein erfolgreicher Radprofi. Der Mühldorfer Diabetologe Dr. Martin Prohaska besuchte den jungen Mann und seine Teamkollegen von "Novo Nordisk", die alle an Typ-1-Diabetes leiden. Foto bas
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Trotz Diabetes wurde Martijn Verschoor (links), der bei der Bayernrundfahrt Station in Waldkraiburg machte, ein erfolgreicher Radprofi. Der Mühldorfer Diabetologe Dr. Martin Prohaska besuchte den jungen Mann und seine Teamkollegen von "Novo Nordisk", die alle an Typ-1-Diabetes leiden. Foto bas

Der 28-jährige Martijn Verschoor ist ein erfolgreicher niederländischer Radsportler, der mit dem US-Team "Novo Nordisk" an der Bayernrundfahrt teilnimmt. Martijn und seine Teamkollegen erregen oft Aufsehen bei ihren Radrennen, denn sie setzen sich regelmäßig Spritzen - alle Fahrer des Team Novo Nordisk haben nämlich Typ-1-Diabetes. Im BFZ Peters stand er Rede und Antwort.

Waldkraiburg/Mühldorf - Wenn der Körper von dieser Autoimmunerkrankung betroffen ist, kann er das Hormon Insulin, das den Blutzuckerspiegel reguliert, nicht mehr produzieren. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann es zu schweren Organschäden kommen; deshalb müssen die Betroffenen das Insulin von außen zuführen. Vor und nach dem Essen, zu festgesetzten Tageszeiten, bei körperlicher Anstrengung, aber zum Beispiel auch abhängig vom Wetter muss der Blutzucker gemessen und eine entsprechende Menge an Insulin gespritzt werden.

Als Martijn die Diagnose "Diabetes" bekam, war er 13 Jahre alt. Als sehr aktiver Jugendlicher wollte er nicht akzeptieren, dass ihm seine Ärzte rieten, lieber auf Sport zu verzichten. Den Blutzuckerspiegel bei sportlicher Betätigung konstant zu halten, ist nicht einfach, denn die Muskeln werden empfindlicher für Insulin, wenn sie in Bewegung sind. Da heißt es genau aufpassen; bei zu wenig Zucker im Blut droht Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma. "Ich habe dauernd gemessen", erzählte Martijn in Waldkraiburg dem Mühldorfer Diabetologen Dr. Martin Prohaska, der ihn auf dieser Etappe der Bayernrundfahrt im BFZ Peters besuchte, wo die Sportler nächtigten.

Seit acht Jahren ist der junge Mann nun Radrennfahrer. Seinen früheren Sport, Eisschnelllauf, hat er aufgegeben - es war ihm zu wenig Abwechslung auf den immer gleichen Strecken, da genießt er lieber die Landschaften auf den Radtouren, wie er erzählte. Er ist in jedem Land Europas zu Rennen angetreten, hat sich in Südafrika, China und Indien mit seinen Konkurrenten gemessen.

Die Krankheit hat er inzwischen gut im Griff, auch dank neuester Entwicklungen in der medizinischen Forschung. Am Rücken trägt der Sportler ein Pflaster, unter dem ein Sensor in seiner Haut steckt. Er misst den Blutzuckerspiegel und sendet die Daten auf ein Display von der Größe eines Handys, das genau anzeigt, wie sich Martijns Werte entwickeln. So weiß er immer genau, wie er gerade auf die Anforderungen seines Körpers eingehen kann.

In Martijns Radsportteam Novo Nordisk fahren 17 Profis aus zehn verschiedenen Ländern, die alle erfolgreich mit ihrem Typ-1-Diabetes leben. "Changing Diabetes", also "Diabetes verändern", ist das Motto der Sportler, die sich für Aufklärung und Forschung zu dieser Krankheit einsetzen. Sie zeigen ihre Injektoren offen bei den Rennen und setzen sich die Spritzen mit dem lebenswichtigen Hormon nie versteckt und heimlich - alle sollen sehen, dass sie trotz Diabetes erfolgreich sein können.

Sein persönliches Motto lautet: "Alles ist möglich und ich bin am Leben." Er könne ja auch eine lebensgefährliche Krankheit haben wie zum Beispiel Krebs, aber zum Glück sei es nur Diabetes." Seine Nachricht an alle, bei denen Diabetes diagnostiziert wird: "Probiert alles aus, was euch Spaß macht! Ihr könnt eure Träume erfüllen. Fühlt euch nicht schlecht, wenn ihr einen Fehler macht - jeder hat mal einen schlechten Tag, auch gesunde Menschen." bas

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