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Nachruf

Sein Leben war die Gemeinde – Unterreit trauert um Altbürgermeister Gerhard Forstmeier

Gerhard „Gerd“ Forstmeier
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Gerhard „Gerd“ Forstmeier
  • Kirsten Seitz
    VonKirsten Seitz
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Sein Leben war die Gemeinde. So stand es auch in der Traueranzeige von Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Unterreit, Gerhard Forstmeier. Am 25. Juli ist er nach langer Krankheit verstorben. In seiner Heimat kannte und schätzte man den „Forstmeier Gerd“, dessen Leben und Wirken genauso beeindruckend war wie er selbst.

Unterreit– – Forstmeier wurde am 30. April 1945 als das Älteste von drei Kindern geboren. Seine Mutter verstarb schon recht früh, sodass auf ihm und seinen zwei Geschwistern schon in jungen Jahren viel Verantwortung und Arbeit lastete. Er heiratete nie, doch im Herzen war er mit seiner Gemeinde verheiratet. Forstmeier hatte eine Tochter, Alexandra Seidlinger. Eine tiefe Verbundenheit hatte er zu seiner drei Jahre jüngeren Schwester Marianna und seinem Neffen Alfons Bruckmaier junior.

„Mein Onkel kam immer zum Mittagessen zu uns. Als ich 1972 geboren wurde, war er schon im Gemeinderat. Seit 1971 war er dort aktiv. Ich erinnere mich noch gut daran, dass es bei ihm immer nur um die Gemeinde ging“, erzählt sein Neffe junior.

Zahlengenie mit unglaublichem Gedächtnis

1979 übernahm Forstmeier den elterlichen Hof. Etwa 20 Jahre führte er diesen ganz alleine. Sein Hof, seine Gemeinde und seine Herzensmenschen waren für ihn das Allerwichtigste. Im Jahr 2000 hatte er einen schweren Autounfall und lag vier Wochen im Koma. Das war ein schwerer Einschnitt in seinem Leben. Die Motivation, schnell wieder auf die Beine zu kommen, war seine Gemeinde.

Der fleißige Bürgermeister und Landwirt ging in seinem ganzen Leben niemals in Urlaub. Wenn er mal nicht in der Gemeinde anwesend war, war er beim Holz machen. „Er war ein Zahlengenie, hatte ein unglaubliches Gedächtnis und kannte den Haushaltsplan seiner Gemeinde in- und auswendig“, erinnert sich Lieselotte Oberbauer, die seit 1990 im Rathaus arbeitet und den „Forstmeier Gerd“ mit all seinen Ecken und Kanten erlebte und schätzte.

„Der Gerd war immer sehr korrekt“

Als gute Seele gilt auch Forstmeiers Sekretärin Elisabeth „Lissy“ Linner. Die beiden waren das perfekte Arbeitsgespann. Gemeinsam durchlebten sie sämtliche Höhen und Tiefen, die es in einer Gemeinde zu bewältigen gibt. „Ich kannte ihn damals schon durch den Gemeinderat. Der Gerd war immer sehr korrekt. Er hat immer die Meinung der Leute gelten lassen, selbst wenn er anderer Auffassung war. Bei Abstimmungen gab es nie ein „Nochtarockn“ wie er immer sagte – also keine weiteren, unnötigen Diskussionen – erzählt Linner.

Auch sein Nachfolger Christian Seidl, der seit 2020 das Amt des Bürgermeisters inne hat, erinnert sich, dass es „immer gute Diskussionen mit ihm gab“.

Forstmeiers Markenzeichen als er Bürgermeister war: Er eröffnete und schloss die Sitzungen immer mit Glockenläuten.

Nur mit der Technik konnte er sich nicht anfreunden

Auch die Kirche und Vereine waren ihm immer wichtig. Er unterstützte sie und half, wo er konnte.

Er liebte Feste, das Gemeinschaftsgefühl und ein gutes Glas Wein. Nur die Technik – mit der konnte er sich nie anfreunden. Sein Neffe kaufte ihm zwar ein Laptop, aber er nutzte ihn nie, weil er meinte „das brauche ich nicht“. Forstmeier baute auf Altbewährtes und schätzte die guten Dinge des Lebens. Dazu gehörten vor allem seine Familie und seine Gemeinde.

Wenige Monate vor Ende seiner Amtszeit schlug das Schicksal erneut in voller Härte zu. Seine geliebte Schwester Marianne verstarb 2019. Wenige Monate später brach Corona aus und seine Amtszeit endete nach 30 Jahren.

Amt gab er nur schweren Herzens ab

Bei seiner letzten Gemeinderatssitzung im Frühjahr 2020 wurde er noch einmal gefeiert und geehrt. Doch für Forstmeier war es schwierig, das Amt abzugeben. „Für ihn brach eine Welt zusammen, als er als Bürgermeister Abschied nehmen musste. Es kam noch Corona dazu, was ohnehin schon eine enorme Belastung war. Gesundheitlich ging es ihm zusehends schlechter. Seine Kräfte ließen nach“, erzählt der Neffe.

Wenn Forstmeiers Wegbegleiter an ihn denken und von ihm erzählen, kommt ihnen ein Lächeln ins Gesicht. Es sind schöne Erinnerungen an eine tolle Persönlichkeit, die in der Gemeinde Unterreit sehr viel bewegt hat. Und auch die Tradition des Glockenläutens wird von Bürgermeister Seidl fortgeführt. Er eröffnet und schließt damit ebenfalls die Sitzungen.

Auf dem Friedhof in Wang fand Forstmeier am 29. Juli seine letzte Ruhestätte. Er wurde im Kreise seiner Familie, Freunden und der Gemeinde beigesetzt.

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