Kommentar zur Flüchtlingskrise: Ein Kinderschuh als Mahnung für mich

  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Ich kann nicht mehr höflich bleiben. Nein! Höre ich in meinem Bekanntenkreis noch einmal „absaufen lassen“ oder „zurück in die Türkei“, werde ich nicht mehr höflich bleiben! Ich habe sie gesehen, die Flüchtlinge auf der Insel Symi. Sie landen an mit nichts, außer ihrem bisschen Leben.

Diesen Kinderschuh hat OVB-Reporterin Andrea Klemm im Urlaub auf der Insel Symi gefunden.

In Gummibooten wurden sie von den Schleusern übers Meer geschickt. Die Ägäis ist eine Bestie. Wer hier schon einmal die Bedingungen auf See erlebt hat, wird schnell demütig.

Jetzt liegen diese Gestrandeten hier an der Hafenstraße. Am Boden, im Dreck. Sie essen einmal am Tag. Reis – serviert in einer Art Trog.

Kinder sind dabei und Säuglinge. Für das Kleinste hat jemand Handtücher und einen Schwimmreifen zum Babybett umfunktioniert.

Einige Armeedecken haben die Männer mit Schnüren zu einem Sonnenschutz umfunktioniert. Gefühlt hat es 40 Grad. Der von der Sonne aufgeheizte Asphalt ist gnadenlos. Der Gestank der Mülltonnen in der Nähe auch.

Er ist schwer zu ertragen, dieser Anblick.

Später habe ich einen Kinderschuh an den Klippen gefunden, zwischen angeschwemmten Schwimmwesten und einem halb versunkenen Flüchtlingsboot.

Ich habe ihn als Mahnung mitgenommen. Als Mahnung für mich selbst. Wenn ich mal wieder meine, jammern zu müssen. Oder wenn ich glaube, höflich sein zu müssen.

Lesen Sie dazu die Reportage von Andrea Klemm:

„Hinschauen, weil wegschauen nicht geht“ - ein Ehepaar aus Wasserburg erlebt Flüchtlingselend im Urlaub

Rubriklistenbild: © A. Klemm

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