Ohne Fahrschein im Zug ertappt und verurteilt

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Drei Nigerianer, die im Asylheim Soyen untergebracht sind, waren von Rosenheim unterwegs zurück nach Soyen. Angeblich hatten sie ordnungsgemäße Fahrscheine von Rosenheim bis Wasserburg. Hatten sie aber nicht.

Von Christa Auer

Soyen/Rosenheim – Zur Weiterfahrt von Rosenheim nach Soyen stiegen auch Bahnbegleiter ein, um die Passagiere wegen der Fahrscheine zu kontrollieren. Als die drei ohne Fahrscheine beziehungsweise ohne gültige Tickets angetroffen wurden, gab es ein großes Gezeter.

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Gerade an diesem Tag hatte die 30-jährige Kontrolleurin zum ersten Mal wieder ihre Arbeit aufgenommen. Einige Wochen hatte sie pausieren müssen, weil sie zuletzt bei ihrer Arbeit attackiert worden war. Aus diesem Grund hatte man ihr zwei weitere Begleiter zur Seite gestellt. Als nun die kontrollierten Nigerianer zu schreien und streiten begannen, stellten sich die Begleiter schützend vor die Kontrolleurin, um die Situation zu beruhigen.

Blinde Passagiere wollten Personalien nicht preisgeben

Als der Zug in Soyen anhielt, wurde nur die hintere Waggontür geöffnet, um die blinden Passagiere am Verlassen zu hindern, zumal sie ihre Personalien nicht preisgeben wollten. Plötzlich rannte der Angeklagte zur sich bereits wieder schließenden Tür und packte die Kontrolleurin am ausgestreckten Arm, um unter diesem zur Tür hindurch zu tauchen. Die Tür war schon geschlossen, und seine Aktion führte zur Rechtssituation einer „versuchten räuberischen Erpressung“, weil er damit die Vermeidung der Strafe erzwingen wollte.

Tickets seien verloren worden

Bei den Erklärungen der Schwarzfahrer war von verloren gegangenen Tickets und BayernCards die Rede und vom unfreiwillig versäumten Ausstieg in Wasserburg, Keiner von ihnen wollte gestritten oder diskutiert haben.

Die beiden Begleiter berichteten, dass ihnen alle drei als gewohnheitsmäßige Schwarzfahrer bekannt seien. Aber nur der Angeklagte habe einen Fluchtversuch unternommen, was an der Kontrolleurin und der Tür gescheitert sei. Übereinstimmend berichteten sie, dass die drei nicht darum gebeten hätten, einen Fahrschein nachlösen zu dürfen. Im Gegenteil: Sie seien drohend und schimpfend aufgetreten. Einträge im Bundeszentralregister zeigten, dass dies nicht zum ersten Male der Fall gewesen war.

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Darauf bezog sich auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer gegen den 28-Jährigen. Zwar bescheinigte ihm das kbo-Inn-Salzach-Klinikum eine schizophrene Erkrankung, doch seien seine Einlassungen widerlegte Schutzbehauptungen.

Vorstrafen fließen ins Urteil ein

Zwar habe es sich um einen minder schweren Fall gehandelt und die Tat sei auch im Versuch stecken geblieben. Dennoch beantragte er eine Haftstrafe von zwölf Monaten, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Dazu solle der Angeklagte eine Arbeitsleistung von 100 Stunden erbringen.

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Verteidigerin Rechtsanwältin Kirsten Hieble-Fritz hielt den Nachweis des Fluchtversuchs für nicht erbracht und wollte nur die Schwarzfahrt bestraft sehen.

Dies sah das Schöffengericht aber anders. Für das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Christian Merkel war der Nigerianer zweifelsfrei identifiziert. Dazu kämen die einschlägigen Vorstrafen. Wegen des Versuchs und minderschweren Falles reduzierte das Gericht die normalerweise vorgegebene Mindeststrafe von zwei Jahren auf eine Haft von acht Monaten, die es zur Bewährung aussetzte. Dazu hat der Verurteilte – wie vom Staatsanwalt beantragt – 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu erbringen.

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