Schwarzer Tag für 40 Jahre alten Baum

Mit schwerem Gerätwurde der zehn Meter hohe Walnussbaum in der St.-Ulrich-/Augustinerstraße in Gars gefällt. Münch

Gars – Noch immer ist die Fällung eines 40 Jahre alten und über zehn Meter hohen Walnussbaumes in der St.- Ulrich-/Augustinerstraße Gesprächsthema in Gars – natürlich nicht an den Stammtischen oder bei Treffen, aber in vielen Telefongesprächen und Whatsapp-Gruppen.

Nach wie vor können viele Bürger die Aktion nicht nachvollziehen. Eine Chronologie der Abläufe.

Zu einer spontanen Protestaktion anlässlich der bevorstehenden Baumfällung hatten sich Anwohner und Kandidaten der Gemeinderatsliste Bündnis 90/die Grünen, unter ihnen Listenführer Joachim Kraus, in der St. Ulrich-/Augustinerstraße versammelt – vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Protestierenden konnten damals allerdings nicht mehr erreichen, als ein paar Stunden Aufschub für die Fällung eines etwa 40 Jahre alten und über zehn Meter hohen Walnussbaums.

Bürgermeisterpersönlich vor Ort

Am Tag zuvor waren die Anwohner von der Gemeinde gebeten worden, die Straße von parkenden Autos freizuhalten, damit ein Kran zur Fällung des Baumes eingesetzt werden könne. Um dies zu verhindern, hatte ein Anwohner seinen Sohn in einer entfernten Stadt verständigt, der nun seinerseits kurzfristig einige Bekannte aus Gars und Haag informierte, von denen er annehmen konnte, dass sie sich für den Erhalt des Baumes einsetzen würden.

Als dann am frühen Morgen ein Spezialfahrzeug mit Besatzung anrückte und Bauhofarbeiter begannen, die Straße abzusperren, sahen sie sich einer Gruppe von Personen gegenüber, die die Baumfällung verhindern wollten. Nach Rücksprache des Bauamtsleiters Christoph Wimmer mit dem Garser Bürgermeister Norbert Strahllechner (FWG) im nahen Rathaus entfernten sich zunächst wieder alle mit der Fällung beauftragten Personen mit ihren Fahrzeugen.

Um die Mittagszeit forderte der Bürgermeister dann persönlich die Protestierenden auf, ihre Autos wegzufahren, wenn sie einen Polizeieinsatz vermeiden wollten. Kurz danach wurde der Baum von Arbeitern zerlegt und der Verarbeitung zu Hackschnitzeln zugeführt.

Ersatzbaumwird gepflanzt

Der Hintergrund: Wie Bürgermeister Norbert Strahllechner (FW) vor Ort mitteilte, hatte der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung beraten und anlässlich des geplanten Neubaus des Straßenabschnitts mit Gehweg mit dem Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Baum stand, vereinbart, diesen auf Gemeindekosten zu fällen. Dafür gewährte der Eigentümer eine gemeindliche Widmung des Gehsteigabschnitts, der sich ebenfalls auf seinem Grund befindet. So wurde die Fällung des Baumes, die schon für Februar vorgesehen war, sich aber bis Mitte März verzögerte, beschlossene Sache.

Da nun, so führten Joachim Kraus und zwei wohlinformierte Anwohner vor Ort an, das neu gefasste Bundesnaturschutzgesetz zwischen dem 1. März und dem 30. September ein Fällverbot für Bäume „außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen“ vorsieht und für Zuwiderhandlungen hohe Geldbußen vorsieht, wurde vonseiten der Gemeinde noch wenige Stunden vor der Fällung eine besondere Genehmigung durch die untere Naturschutzbehörde des Landkreises eingeholt. Das habe man „zur Sicherheit“ getan, denn der Baum habe ja auf Privatgrund gestanden, begründete Strahllechner dieses Vorgehen.

Vor Ort wich er dem Gespräch mit den Protestierenden nicht aus, beharrte aber auf der Entscheidung und führte an, dass die Gemeinde schon zahlreiche die Umwelt fördernde Maßnahmen umsetze, beispielsweise eine Fernheizung auf Hackschnitzelbasis. Auch werde als Ersatz ein neuer Baum auf dem gleichen Privatgrundstück gepflanzt, ein paar Meter von der Straße zurückgesetzt.

Starke Emotionen,besonnene Gespräche

Im Laufe des ereignisreichen Vormittags bildeten sich immer wieder diskutierende Grüppchen von Protestierenden und Passanten. Einhellig wurden Verwunderung, Unverständnis, Fassungslosigkeit geäußert, und es wurden auch Tränen vergossen. In emotionalen, aber besonnen geführten Gesprächen wollte man nicht verstehen, warum der unstrittig gesunde Baum einem bestimmten, verhandelbaren Straßenbaukonzept weichen sollte.

Ein Anwohner, der den Stein des Protests ins Rollen gebracht hatte, hatte sich zurückgezogen, als die Entscheidung durch die Erlaubnis des Amtes endgültig wurde: Er, der den Baum jahrzehntelang von seinem Fenster aus im Blick hatte, wollte nicht Zeuge seines Verschwindens werden.

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