Schwammerlexperte im Wald von Staudham: „Knollenblätterpilze isst man meist nur einmal“

Eine „Krause Glucke“ wird hier von Pilzexperte Till Lohmeyer eingehend begutachtet.
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Eine „Krause Glucke“ wird hier von Pilzexperte Till Lohmeyer eingehend begutachtet.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Röhren-, Blätter-, Stachel- und Korallenpilze oder auch Morcheln, Becherlinge und Boviste kann man bei der Schwammerljagd im Wald schon mal mit giftigen oder ungenießbaren Doppelgängern durcheinanderbringen. Das rät Pilzsachverständiger Till Lohmeyer aus Taching am See.

Von Herbert Zeilinger

Wasserburg– Was passiert, wenn einem ein Pilzberater am Ende einer gemeinsamen Schwammerl-Exkursion „auch in Zukunft viel Glück“ wünscht? Es zaubert den Teilnehmern, zumindest den meisten, ein Lächeln ins Gesicht – dem oft zu Scherzen aufgelegten Mykologen und Pilzexperten Till Lohmeyer auch. Im Zuge der Wanderung bei Staudham erfuhr man von ihm einiges über Röhren-, Blätter-, Stachel- und Korallenpilze, über Morcheln, Becherlinge oder Boviste – und deren reichliche Verwechslungsmöglichkeiten.

„Jagdgebiet“ Staudham

Zu dieser spannenden und lehrreichen Veranstaltung lud die Slow Food-Gruppe Chiemgau/Rosenheimer Land ein. So fanden sich am Vormittag über ein Dutzend erwartungsfreudige Pilzliebhaber gegenüber vom Gasthof „LandWirtschaft“ in Staudham ein. Flugs die Straße überquert, ging man zuerst auf einem Feldweg, und wer die Augen offen hielt, fand sofort Interessantes am Weges- oder Waldrand. Gleich darauf ging’s hinein in einen schönen herbstlich gefärbten Mischwald, der für die nächsten zweieinhalb Stunden zum „Jagdgebiet“ auserkoren wurde. Da war es überaus praktisch, wenn man sich in der Nähe des Mykologen aufhielt und gleich nachfragen konnte, was man da soeben für einen Schatz entdeckt hatte.

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Etliches wanderte zwar sofort wieder auf den Waldboden zurück, doch man wurde durchaus fündig. Neben einem prächtigen Steinpilz wurden sogar seltene Exemplare gefunden. Letztere kamen in Lohmeyers Korb, denn die brauchte er für die Kartierung der Fundorte.

Wandelndes Lexikon

Till Lohmeyer ist bezüglich der Schwammerl-Kunde (Mykologie) ein wandelndes Lexikon – und Sachbuchautor. So wurden die gefundenen Schätze am Ende der Tour vor ihm ausgebreitet und er fällte über die Pilze sein Urteil. Dass er Schwammerl liebt, sieht man. Er hält sie fast zärtlich und behutsam in der Hand. Natürlich gab es enttäuschte Blicke unter den Teilnehmern, wenn er ein besonders schönes Exemplar zumindest als „ungenießbar“ bezeichnete. Er meinte zwar, dass man den einen oder anderen Schwammerl trotzdem durchaus probieren könne, weil nicht alle Menschen gleich mit Übelkeit oder Durchfall reagieren würden. Gemeint war damit natürlich nicht der Grüne, Weiße oder Gelbe Knollenblätterpilz – die kann man in seinem Leben meist nur einmal probieren – sondern bestimmte Pilze, über deren Genießbarkeit die Meinung der Experte auseinander gehen.

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Aber: Lieber keine Experimente machen, sondern nicht genau definierbare Exemplare stehen lassen oder damit zu einem zertifizierten Pilzberater gehen.

Ausgeprägte Wurzelknolle

Lohmeyer warnt ausdrücklich davor, mit dem Smartphone an Hand von Bildern im Wald Pilze zu bestimmen. Ein Foto allein reiche nicht aus, weil man viele Pilze wie zum Beispiel den Perlpilz leicht mit dem giftigen Pantherpilz verwechseln könne.

Eine Teilnehmerin hat gleich als erstes einen Grünen Knollenblätterpilz gefunden. Ihre Freude über den Fund des Schwammerls dauerte jedoch nicht lange. Hilfreich war’s trotzdem, denn so konnte man den Giftpilz mit seinen typischen Merkmalen – wie die ausgeprägte Wurzelknolle – in Ruhe betrachten. Ein wenig später hatte man dann einen Gelben Knollenblätterpilz zur Ansicht.

Manche Pilze reagieren mit Alkohol

Es gibt übrigens auch Pilze, die in Verbindung mit Alkohol giftig werden. Welche, die man lange kochen und das Kochwasser anschließend wegschütten soll. Roh sind die meisten unverträglich oder giftig und die Kochzeit sollte mindestens 15 bis 20 Minuten dauern. Den häufig anzutreffenden Flaschenbovist sollte man nur essen, wenn er innen noch rein weiß ist.

„Der ist zwar nach der Verfärbung nicht giftig, aber er schmeckt nicht“, verrät der Mykologe. Ein gewisses Grundwissen über Pilze schadet also nicht. Auch der Schreiber dieser Zeilen hat seine Funde am Abend verspeist – und überlebt! Die Gattin hat dem Korbinhalt offenbar misstraut und das Pilzgericht verweigert.

Ungenießbare Pilze mit dem Kopf auf den Waldboden legen

Soll man seine Funde im Wald lieber Schneiden, Herausdrehen oder Rupfen? Das sei egal, meint Lohmeyer, weil sich die Pilze durch ihr unterirdisches Geflecht davon nicht beeindrucken lassen würden. Bereits geerntete Pilze, die giftig, ungenießbar oder madig sind, sollte man mit dem Kopf zuerst wieder auf den Waldboden legen, da sich dann die Sporen leichter mit dem Waldboden vereinen.

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Ein kleiner Teil der Ausbeute zur Ansicht für alle Beteiligten, darunter wohlschmeckende, aber: Vorsicht, auch einige giftige Pilze.

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