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Maßnahmen kommen nicht voran

Schutz vor Hochwasser bei Unwetter: Obinger See soll Teil der Lösung sein - wird aber immer mehr zum Problem

Überschwemmungen in Kohlstatt. Das Bild entstand beim Unwetter Ende Juli.
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Überschwemmungen in Kohlstatt. Das Bild entstand beim Unwetter Ende Juli.
  • VonChrista Auer
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Spätestens seit dem Jahrhunderthochwasser 2013 ist der Hochwasserschutz in Obing ein Dauerbrennerthema. Nach den jüngsten Starkregenereignissen Ende Juli wurde der Ruf nach Vorkehrungen erneut laut. Bisher mit wenig Erfolg, denn die angedachten Maßnahmen münden meist im Obinger See und der ist Kern des Problems.

Obing – Vollgelaufene Keller und Garagen sind in Obing nicht nur mehr ein Problem der Seeanlieger. Beim Unwetter vor zwei Wochen waren laut Bürgermeister Sepp Huber rund 90 Prozent des Orts überflutet. „Vom Unterholz bis Pfaffing war der Ort von Überschwemmungen betroffen“.

Gullys überlastet

Durch die Wassermassen, die es in kürzester Zeit geregnet habe, seien die Gullys überlastet gewesen. Straßen seien zu Bächen geworden und zudem habe das Wasser durch die Wasserabläufe in die Keller gedrückt. Schon vor Jahren hat die Gemeinde ein Hochwasserschutzkonzept in Auftrag gegeben. Umgesetzt wurde noch wenig, weil die vorgeschlagenen Maßnahmen aus Sicht der Verantwortlichen die Problematik nur verlagern, aus naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten und den zu erwartenden Auswirkungen auf die Oberflächenentwässerung bis Altenmarkt bedenklich oder technisch und finanziell zu aufwendig sind.

Leitungsnetz für Oberflächenwasserentsorgung ausgelastet

Eine zwischenzeitliche Überprüfung habe ergeben, dass das bestehende Leitungsnetz zur Oberflächenwasserentsorgung ausgelastet sei. Ein neuer Regenwasserkanal, der im Zuge der Erneuerung der Ortsdurchfahrt errichtet werden soll, solle hier Verbesserungen bringen. In den neuen Baugebieten sei die Oberflächenentwässerung mit großen Ausflüssen in den See bereits angepasst worden. Ebenso sei der Wasserrückhalt auf der Fläche ein großes Thema bei der künftigen Bebauung.

Spagat für die Gemeinde

„Letztendlich ist der Obinger See Endpunkt aller angedachten Maßnahmen und damit wird die Problemlösung nicht einfacher“, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde habe einen großen Spagat zu meistern. Sie solle Hochwasserschutz vorantreiben, aber Natur- und Gewässerschutz berücksichtigen und die Auswirkungen nicht auf andere verlagern.

Die Versiegelung von Flächen solle gestoppt werden, dennoch sollen Arbeitsplätze geschaffen und die große Nachfrage nach Wohnbauland und Gewerbeflächen befriedigt werden. In einer Sondersitzung des Gemeinderats am Dienstag, 17. August, sollen ein Fazit der gesamten Unwetterschäden gezogen und die bisherigen Hochwasserschutzmaßnahmen nochmals aufgerollt werden.

Hochwasserschutz in Obing kommt nicht voran

„Bei uns liegen die Nerven blank“, sagt Peter Witt von der Interessengemeinschaft Hochwasser Obing (IHO). Bei hohem Wasserstand des Obinger Sees und gemeldetem Starkregen herrsche Alarmzustand. Dann könne man nur noch zuschauen, wie das Wasser steige.

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„Unsere Wiese zum See ist mindestens einmal im Jahr überschwemmt. Dann ist auch der Uferweg an einigen Stellen nicht mehr passierbar. Wir haben seit 1992 eine Hochwasserschutzmauer, die hat uns auch 2013 geschützt. Nach oben war nur noch 18 Zentimeter Luft. Bei einem angenommenen Jahrhunderthochwasser (laut Studie wie 2016) würde sie nicht ausreichen“, bringt Witt die Sorgen der direkten Anlieger auf den Punkt. Doch auch die Pfaffinger und weitere Ortsteile hätten Probleme mit den zunehmenden Wassermassen.

Land unter in Obing beim Unwetter Ende Juli.

Verschärft Ortsumfahrung die Gefahr?

Die Baumaßnahmen zur Ortsumgehung haben die Hochwassergefahr in Obing aus Sicht der IHO noch verschärft. Dementsprechend herrscht bei den betroffenen Bürgern Sorge und Unverständnis darüber, dass das im April 2020 von der Gemeinde in Auftrag gegebene Gutachten, das überprüfen soll, ob durch die Straßenbauarbeiten eine Verschlechterung der Hochwassersituation eingetreten ist, bis heute noch nicht vorliegt.

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„Die schon jetzt ersichtliche Verschlechterung der Situation am Auslauf und an den Zuflüssen zum See soll darin objektiv belegt werden,“ erläutert der Sprecher der IHO Peter Witt und führt dafür einige Gründe an: Seit dem Bau der Umgehungsstraße werde der ausleitende Seebach unter zwei Straßen durchgeleitet.

Staurisiko fürs Wasser

Deren Straßenhöhen stellten ein zusätzliches Staurisiko dar. Die für die Bachunterquerung verwendeten Rohrweiten seien nicht vergrößert und damit dem aktuellen Bedarf nicht angepasst worden. Um die neue Umgehungsstraße vor Überflutung zu schützen, sei großzügig verrohrt worden.

Hinzu kämen immer neue Bodenversiegelungen durch Genehmigungen von Baugebieten. Das Resultat sei, dass die Wassermassen jetzt bei Starkregen umso schneller in Richtung Obinger See schießen würden, so Witt.

Wetter wird zur Bedrohung

„Die geänderten Wetterverhältnisse mit Starkregen erhöhen die Bedrohung zudem.“ So sei es beim Unwetter vor zwei Wochen wohl einzig dem niedrigen Wasserstand des Sees zu verdanken, dass es bei Regenmengen von insgesamt 110 Liter pro Quadratmeter nicht wieder zu größeren Überflutungen gekommen sei. Der Seespiegel habe sich allein am Orkanmittwoch Ende Juli in kürzester Zeit um 35 Zentimeter erhöht.

Die „erheblichen Auswirkungen auf die Unterlieger bis nach Altenmarkt“ lässt die IHO als Argument gegen einen effektiven Abfluss des Sees nicht gelten. „In einem Video vom 4. Februar 2020 hab ich festgehalten, wie ich beim Hochwasser dieser angeblichen Gefahr nachgegangen bin, mit dem Ergebnis, dass es keinesfalls übergroße Wassermengen sind, die in Rabenden ankommen“, betont Witt.

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Der Vorschlag der IHO für eine maßvolle Vorabsenkung des Seespiegels vor Starkregenereignissen werde mit nicht nachvollziehbaren Argumenten seitens der Behörden für undurchführbar erklärt. Bei der sich zuspitzenden Bedrohungslage fragte man sich bei der IHO, wann endlich Baumaßnahmen zum Katastrophenschutz eingeleitet werden. Dringend notwendig erscheint es, die Engstellen an der Seestraße und an der St2094 zu erweitern.

Die unzureichende Regelbarkeit an der Schwelle des Seeauslaufs und das zu geringe Gefälle des schmalen Seebachs sind weitere Schwachpunkte, die behoben werden müssten.

In einem Schreiben haben die Fraktionen des Obinger Gemeinderats im März vergangenen Jahres den betroffenen Bürgern versichert, dass ihnen „der Hochwasserschutz sehr am Herzen liegt“. Darauf hoffen nun auch die Bewohner in Kohlstatt.

Das Luftbild zeigt den östlichen Teil des Obinger Sees mit Seebach, der von der Seestraße („Jepoldinger Straße“) und nach dem Bau der Ortsumgehung von der St 2094 („Samerstraßl“) überquert wird.

Bangen in Kohlstatt

„Bis 2013 war Hochwasser für uns kein Thema“, erzählt Hans Weidinger. Er hat 1987 sein Eigenheim in der Siedlung im westlichen Ortsbereich gebaut. Doch mittlerweile herrsche auch in Kohlstatt bei Unwettervorhersagen bange Anspannung. Das Problem sei, dass man sich nicht an Pegelständen orientieren könne, sondern wie beim letzten Unwetter einfach von den Wassermassen überrollt werde, betont Weidinger.

Zurückgeblieben sei die Sorge über weitere Unwetter und Schäden von zum Teil mehreren Zehntausend Euro. Verantwortlich für die Hochwassergefahr ist aus Sicht der Anwohner die Neigung des Radwegs nach Amerang einige hundert Meter oberhalb und ein großes Maisfeld, das die Regenmengen aus dem höher gelegenen Haiming wie in Bächen ins Siedlungsgebiet leite. Einem vorgeschlagenen Wall zum Hochwasserschutz stehen sie skeptisch gegenüber, „denn wir wollen die Hochwassergefahr nicht auf andere Siedlungen verlagern, sondern eine gemeinsame Lösung finden“, betont Weidinger.

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Beim Radweg könne man ansetzen, sagte Bürgermeister Sepp Huber zu. Hier könne die Neigung so modelliert werden, dass die Wassermassen auf der Wiesenseite blieben. Natürlich müsse man sich auch Gedanken über die Bewirtschaftung machen, ohne dass den betroffenen Landwirt dabei eine Schuld treffe. Die landwirtschaftlichen Strukturen hätten sich verändert. Fakt sei aber auch, „dass der beste Gewässerschutz ein gesunder Boden ist“.

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