Schulweg in Wasserburg – vor 25 Jahren ein „relativ rechtsfreier Raum“

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Das Landratsamt bestätigt den Schulweg der Wasserburger Grundschüler als „relativ rechtsfreien Raum“ – für ein sicheres Überqueren der Straße sorgen nun die Eltern. Nach acht erfolgreichen „Liedfasssäulen“ gibt es in diesem Jahr für das Konzertwochenende nur wenig Hoffnung. Was sonst noch in der Woche vom 14. bis zum 20. September 1995 in der Wasserburger Zeitung stand:

Von Laura Hofner

Wasserburg – Relativ rechtsfreie Räume gibt es in der Bundesrepublik nur wenige – einer davon ist offenbar der Schulweg. Dieser Eindruck einiger Schülereltern aus dem Burgerfeld und der Doblersiedlung wird im Wesentlichen von den Verantwortlichen bestätigt, hieß es in der Wasserburger Zeitung vor 25 Jahren. Mit der Umlagerung der dritten Klasse zum Gries müssen die Kinder die Staatsstraße durch Wasserburg überqueren. „Das ist uns einfach zu gefährlich“, so die Eltern, die deshalb bei Schule, Stadt und Polizei um Hilfe fragten. Dabei bleibt jedoch offen, wer letztlich die rechtliche Verantwortung dafür trägt, dass der Weg der Kinder zur Schule sicher ist.

Eltern organisieren sich

Schulleiter Arno Bassita beispielsweise fühlt sich zwar verantwortlich, kann aber nur Anregungen geben. Die Polizei ist nur beratend tätig, das Landratsamt bestätigt einen „relativ rechtsfreien Raum“ – es müssten viele Stellen zusammenwirken. Letztlich sei aber eher die Stadt als Schulträger am Zug. Dort verweist man auf die Planungen von Zebrastreifen, die einfach nicht eher fertig werden konnten. Die Eltern wollen jetzt möglichst schnell einen Schulweg-Helferdienst organisieren. Für Ausrüstung und Ausbildung sorgt die Polizei, so dass nur noch Freiwillige gefunden werden müssen, die morgens und mittags jeweils eine halbe Stunde opfern.

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Im wahrsten Sinne des Wortes am „Kippen“ ist die „Liedfasssäule“. So wie es derzeit aussieht, wir es heuer kein Liedermacher-Treffen im Rathaussaal geben. Zwar sieht Ado Schlier, für den Bayerischen Rundfunk Organisator dieses jährlichen Konzertwochenendes, noch einen „Hoffnungsschimmer“, doch bei der Stadt glaubt man nicht mehr recht an eine Verwirklichung. Achtmal veranstaltete die Stadt Wasserburg in Zusammenarbeit mit Schlier im Oktober das Liedermacher-Wochenende. Siebenmal ging alles gut, doch nach dem letzten Mal gab es gewisse „Irritationen“, wie es Anton Hundmaier von der Stadtverwaltung vorsichtig umschreibt: Die Stadt blieb trotz einer Beteiligung des Rundfunks auf 20 000 Mark sitzen – zuviel angesichts der angespannten Haushaltslage. Zudem gebe es mittlerweile in Eiselfing mit „Live beim Lax“ eine florierende Kleinkunstszene, so Hundmaier, der insofern den Bedarf für „eigentlich gedeckt“ hält.

Weitere Meldungen in der Woche vom 14. bis zum 20. September 1995:

Serben ziehen schwere Waffen ab

Brüssel – Die NATO setzt ihre Luftangriffe auf Ziele der bosnischen Serben um Sarajevo vorerst aus. Als Grund nannte ein NATO-Sprecher die „gegenwärtigen politischen Entwicklungen“, die die NATO gründlich prüfen müsse. Offenbar ist der US-Unterhändler im Bosnien-Konflikt, Richard Holbrooke, bei seinen Friedensbemühungen einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Er habe erreicht, dass die Serben ihre schweren Waffen aus der Umgebung um Sarajevo abziehen.

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Hamburg – Als weltweit erstes permanentes Bungee-Sprungzentrum hat der Hamburger Fernsehturm seine Panorama-Plattform eröffnet. Künftig kann jeder abenteuerlustige „Fluggast“ für 250 Mark an einem Gummiseil vom 130 Meter hohen Turm in die Tiefe hüpfen. Als erster stürzte sich der Organisator der Bungee-Sprünge, Jochen Schweizer von der Absprungbasis. In schwindelerregender Höhe wurde hierfür ein Fenster der Panorama-Plattform durch eine Tür ersetzt.

London – Im britischen Regierungsviertel Whitehall versinkt eine Reihe von Gebäuden langsam im Boden. Allein das wuchtige Finanzministerium sei als Nebenwirkung des U-Bahn-Baus um 20 Millimeter in den Boden gesunken und neige sich leicht zur Seite, berichten britische Medien. Auch Big Ben, der berühmte Glockenturm am Westminster Palast, sei um zwei Millimeter gesunken.

Sonnenfinsternis nur in Teilen Asiens

Hanoi – Zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 24. Oktober haben sich bereits 7000 Sternforscher in Vietnam angemeldet. Außerdem werden tausende von Touristen erwartet, die sich die besten Beobachtungsplätze im Süden des Landes sichern wollen. Das seltene Himmelsereignis ist von Mitteleuropa aus nicht zu sehen, nur in Teilen Asiens verschwindet die Sonne für maximal zwei Minuten und 14 Sekunden ganz hinter dem Mond.

Frankfurt – Ein neuentwickeltes Antiblockier-System (ABS) für Pkw soll künftig schon beim Schleudern eines Autos automatisch abbremsen. Ein entsprechendes System stellte das Frankfurter Unternehmer ITT Automotive vor. Die Firma kündigte für 1997 die Serienfertigung ihres weiterentwickelten ABS an. Die Sensoren erfassen dabei die Drehbewegungen des gesamten Fahrzeugs, der Räder und der Lenker.

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