Warten auf den Neubau

Schul-Container-Lösung in Coronazeiten besorgt Rotter Eltern

Unterricht im Container: Für die Rotter Verwaltung ein alternativloser Schritt. Die alten Klassenräume weisen Baumängel auf. Nach den Herbstferien wird in 100 Containern gepaukt.
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Unterricht im Container: Für die Rotter Verwaltung ein alternativloser Schritt. Die alten Klassenräume weisen Baumängel auf. Nach den Herbstferien wird in 100 Containern gepaukt.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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  • Richard Helm
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Unterricht im Schulcontainer während der Corona-Pandemie, wo es enger ist, als in einem normalen Klassenzimmer: In Rott am Inn werden nach den Herbstferien 335 Schüler in 100 Containern unterrichtet. Diese Zwischenlösung ist notwendig, weil der Schulhausneubau ansteht. Die Eltern sind besorgt.

Rott – Viele Eltern haben große Sorgen, dass die Unterbringung der Schüler in den Containern angesichts der Corona-Pandemie zu gefährlich für Ansteckungen sei; dies wurde im Gemeinderat thematisiert. Sie befürchten, dass zu wenig gelüftet werden könne. Außerdem müssten Waschmöglichkeiten und ein Hygienekonzept gegeben sein.

Umzug ist unumgänglich

Die Zwischenlösung ist den Baumängeln an der Schule geschuldet – und weil der Neubau ansteht. Der Unterricht muss daher nach den Herbstferien – da ist der Umzug der Klassenzimmer-Ausstattung für 335 Schüler geplant – anderswo stattfinden: und zwar in etwa 100 Containern mit 1933 Quadratmetern Grundfläche, wie Maximilian Brockhoff, Geschäftsleiter der Gemeinde, auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung erklärt.

Handwaschbecken werden für‘s Hygienekonzept nachgerüstet.

Die Containerlösung kostet Rott 1,5 Millionen Euro und soll bis Frühjahr 2023 andauern. Bis dahin soll der Neubau der Schule, der laut aktueller Kostenrechnung bei etwa 18,5 Millionen Euro veranschlagt ist, abgeschlossen sein.

Die Rotter Gemeinderäte nahmen in der Sitzung die Befürchtungen der Eltern ernst und überzeugten sich vor Ort über die Unterbringung. Nun werden die Container mit mobilen Handwaschbecken und einem CO²-Melder nachgebessert. Diese werden vermutlich an die 17 000 Euro kosten.

Neubau wird in einem Rutsch durchgezogen

Die Verwaltung wies darauf hin, dass ein Verbleib in den alten Schulräumen wegen der bestehenden Baumängel keine Alternative darstelle. Viele Fenster ließen sich gar nicht mehr öffnen. Außerdem bestünden Defizite hinsichtlich der Brandschutzverordnung.

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Die Verwaltung warnte eindringlich davor, den Umzug infrage zu stellen. Die Planungen sind weit vorangeschritten, die ersten Bauleistungen sind an Firmen vergeben. Die Dauer der Corona-Pandemie ist nicht abzuschätzen, eine so ungewisse Zeitverschiebung würden den Schulhausneubau ernstlich gefährden.

Der Gemeinderat unter dem Sitzungsvorsitz des Zweiten Bürgermeisters Alfred Zimpel (BfR) beschloss einstimmig, die Baumaßnahme weiterzuführen, der Umzug soll erfolgen. Die Mehrkosten für die mobilen Handwaschbecken und die CO²-Melder werden genehmigt.

Der Neubau der Schule wird in einem Rutsch durchgezogen, so beschloss es das Gremium heuer im Frühjahr - noch vor der Pandemie. Der ehemalige Bürgermeister Marinus Schaber hatte damals darauf hingewiesen, dass die in den 60er Jahren gebauten Grundschule, die nach ursprünglicher Planung während der Bauzeit noch genutzt werden sollte, über keinen tauglichen Brandschutz verfüge.

Der Brandschutzgutachter habe für die zwingende Nachrüstung 35 000 Euro veranschlagt – für Schaber inakzeptable Mehrkosten: „Ein Irrsinn, wenn ein Jahr später ohnehin der Abriss erfolgt.“ So sei er zu dem Schluss gekommen, dass es am besten sei, in einem Stück zu bauen.

Weil Corona noch nicht das Leben in Europa beherrschte, sah zum Zeitpunkt der Entscheidung (Februar 2020) auch die Schulleiterin Manuela Strobl „die Schule in einer Containeranlage als organisatorisch einen Vorteil an, weil alles unter einem Dach ist.“ Schaber wies damals darauf hin, dass es eine 1:1-Übertragung der Flächen nicht geben werde. „Auch die Lehrer werden sich einschränken müssen.“

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