Café Schranne in Wasserburg: Termin für die Wiedereröffnung steht – schneller als erwartet

In der Schranne in Wasserburg geht es bald mit einer neuen Pächterin weiter.
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In der Schranne in Wasserburg geht es bald mit einer neuen Pächterin weiter.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Wochen und monatelang war das Traditionscafé Schranne Stadtgespräch in Wasserburg. Geht es nach der Schließung weiter? Wer wird die Schranne betreiben? Und schließlich: Wann macht das Café auf. Jetzt sind alle Fragen beantwortet. Wiedereröffnung ist am 21. September. Das wurde erst am gleichen Tag bekannt.

Update 21. September

Hinterberger-Torte ab 13 Uhr

Lange haben die Wasserburger gewartet: Jetzt steht endlich fest, wann das neue Café Schranne eröffnet: Heute, am 21. September um 13 Uhr geht es los. Die neue Pächterin des Betriebes im Rathaus, Barbara Hinterberger aus Soyen (30), wird hier auch ihre Hinterberger-Torte servieren. Das Konzept für das Traditionscafé, das die Stadt vermietet: regionale Küche mit Vor-Ort-Produktion. Seit Ostern hatte die Schranne geschlossen: Die vorherige Pächterin hatte aufgegeben – als eines der ersten Corona-Gastronomie-Opfer in der Stadt. Jetzt kehrt wieder Leben in das Traditionscafé ein.

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Die Erstmeldung vom 17. Juni

Wasserburg – Es ist die junge Konditormeisterin und Wirtin Barbara Hinterberger aus Soyen. Die Inhaberin des Gasthauses Altensee in Soyen überzeugte den Ausschuss nicht nur mit ihrem Konzept einer regionalen Küche mit Vor-Ort-Produktion, sondern auch mit aufgetischten Köstlichkeiten: Es gab es eine selbstgemachte Brezl mit Kürbiscremeaufstrich, ein Kriacherl-Sorbet und das Hinterberger-Törtchen.

„Wer Hinterberger heißt, muss Konditorin werden“

Die 30-Jährige aus Soyens Ortsteil Kirchreit setzte sich in der Schlussrunde gegen zwei Mitbewerber durch. Die Staatspreisträgerin überzeugte nach Angaben von Kölbl mit „hervorragenden Zeugnissen“ und trotz ihres Alter mit einer großen beruflichen Erfahrung.

Die neue Wirtin der Schranne, geboren in Wasserburg und hier auch zur Schule gegangen, hat in der Konditorei Heider in Prien gelernt. „Wer Hinterberger heißt, muss Konditorin werden“, findet sie in Anspielung auf die berühmte gleichnamige Torte.

Auch im Hotel Sacher gearbeitet

Barbara Hinterberger hat unter anderem im Hotel Sacher in Salzburg, aber auch im früheren Café Obermaier in Wasserburg gearbeitet. Die Konditormeisterin lernte außerdem noch den Beruf der Köchin – bei Dallmayr in München. Sie war tätig in der Patisserie im Weinzelt Kuffler auf dem Oktoberfest und auf einem Kreuzfahrtschiff.

Vor vier Jahren wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und übernahm das Gasthaus Altensee in Soyen. Barbara Hinterberger verfügt also auch über große Erfahrungen im Management eines Gastronomiebetriebes. Den Haupt- und Finanzausschuss überzeugte nach Angaben von Kölbl außerdem die regionale Verwurzelung der 30-Jährigen. Sie setzt auf Zulieferer aus der Region, sicherte, wie in der Ausschreibung gefordert, eine hochwertige Produktion vor Ort in Wasserburg – auch mit Bio-Waren – zu.

Barbara Hinterberger will der Schranne in Wasserburg neues Leben einhauchen.

Das Mietverhältnis mit Babara Hinterberger beginnt am 1. August, teilt der Bürgermeister weiter mit. Ob das neue Café dann schon öffnet, stehe jedoch noch nicht fest, denn es seien noch Renovierungsarbeiten zu leisten.

Seit Ostern ist die Tür der Schranne geschlossen. Pächterin Monika Häuslmann hatte nach 14 Jahren im Café im Rathaus Schluss gemacht. Ihr Gastronomiebetrieb gilt als erstes wirtschaftliches Corona-Opfer in Wasserburg.

1-A-Lage direkt am Marienplatz in Wasserburg

Wird sich in diesen schwierigen Zeiten ein Nachfolgebetrieb finden? Die Stadt war zuversichtlich, denn das von ihr verpachtete Café liegt in einer 1-A-Lage: im Herzen der Stadt, direkt am Marienplatz, im gotischen Rathaus. Hier bevölkern seit den Lockerungen bei den Ausgangsbeschränkungen vor allem an schönen Sommertagen wieder die Tagestouristen mit ihren Motorrädern und Radln den Platz.

Die Besucher der neuen Schranne können sich auf eine neue Spezialität freuen: das Hinterberger-Törtchen.

Die Besucher der neuen Schranne können sich auf eine neue Spezialität freuen: das Hinterberger-Törtchen.

Nur einen Kaffee oder ein Stück Kuchen gab es seit Ostern nicht mehr. Die Schließung bedauerten auch viele Wasserburger, die hier gerne zum Frühstücke oder für einen kleinen Imbiss einkehrten. Die Schranne war unter Monika Häuslmann für ihre hohe Qualität bekannt: Hier wurde noch selbst gebacken. Außerdem war das Café eine Kulturstätte: Hier organisierte die „Jazzinnitiative“ Wasserburg ihre regelmäßigen Konzerte.

Back- und Konditorwaren sollen vor Ort produziert werden

Bei der Ausschreibung der Neuvermietung hatte die Stadt von möglichen Interessenten ein Konzept gefordert, das „hohen Anforderungen in Bezug auf Kompetenz, Qualität und Nachhaltigkeit sowie Denkmalschutz gerecht“ werde. Back- und Konditorwaren sollten auch künftig vor Ort produziert werden, lautete eine weitere Forderung.

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Die Mietfläche in der Schranne, früher der Umschlag- und Lagerplatz für Getreide in der Stadt, beträgt etwa 300 Quadratmeter im Inneren. Für die Terrasse gibt es eine Sondernutzungserlaubnis. Das Café bietet im Innern – ohne Corona-Auflagen – 90 Plätze, draußen rund 60. Die Nettokaltmiete hatte die Stadt mit etwa 2000 Euro pro Monat ausgeschrieben. Hinzu kommen unter anderem Stromkosten von rund 2000 Euro pro Monat.

Barbara Hinterberger erfüllt sich einen Kindheitstraum

Nachfolgerin Barbara Hinterberger ist sich bewusst, dass sie in große Fußstapfen tritt. Denn ihre Vorgängerin war bekannt für die hohe Qualität ihrer selbst produzierten Backwaren.

Die neue Pächterin stand mit 15 Jahren am Beginn ihrer Ausbildung zur Konditorin, als sie sich zum ersten Mal für die Schranne interessierte. „Damals hörte ich, dass ein Pächter gesucht wird und dachte mir: So ein Café möchte ich mal führen“, erinnert sie sich. Dieser Teenagertraum ging jetzt überraschend in Erfüllung, denn dass die Schranne einmal wieder auf dem Markt sein würde, hätte Barbara Hinterberger nie gedacht.

Die Familie steht der neuen Pächterin zur Seite

„Als ich die Nachricht erfuhr, dass ich die neue Pächterin bin, war ich erst einmal platt. Das ist einfach grandios“, freut sie sich auch angesichts „der beiden sehr starken Mitbewerber“. Am Dienstagabend hat Barbara Hinterberger nach Bekanntgabe der Entscheidung des Ausschusses mit ihrer Familie noch ein wenig gefeiert.

Bald kehrt in der Schranne wieder Leben ein.

Mutter und eine Schwester stehen in Soyen und nun auch in Wasserburg stets hilfreich zur Seite, wenn es personell mal eng wird. In der Schranne wird Barbara Hinterberger zehn bis 20 Arbeitsplätze schaffen – auch für junge Mütter in Teilzeit, wie sie betont.

Spezialität: das selbst gemachte Eis

Sie wird Frühstück, eine kleine Mittagskarte sowie Kaffee und Kuchen im Tagescafé anbieten. Ihre Spezialitäten sind nach eigenen Angaben selbst gemachtes Milcheis und Hochzeitstorten. Eine fünfstöckige im Modell hatte sie auch bei der Vorstellung im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend dabei. Die Zutaten für Milcheis und Kuchen liefert unter anderem der Biohof ihrer Eltern.

Den historischen Bezug zur Schranne, früheres Getreidelager der Stadt, nehmen die vielen Backwaren auf, die Barbara Hinterberger aus heimischem Getreide, zugeliefert auch aus regionalen Mühlen, herstellen will.

Gastronomiestart in schwierigen Zeiten

Barbara Hinterberger tritt die Nachfolge in der Schranne in schwierigen Zeiten an. „Ich trau mich“, sagt die Soyenerin, die sich auch beim Gasthaus Altensee von den Corona-Auflagen nicht unterkriegen ließ. Ganz hatte sie den Betrieb nie geschlossen. Ihre Kuchen zum Mitnehmen und ihr selbst gemachtes Eis fanden auch während des Lockdowns Abnehmer.

„Ich mache mir deshalb keine großen Sorgen wegen der Auflagen rund um die Corona-Pandemie. Das Thema betrifft schließlich uns alle und jeden Lebensbereich. Wir werden lernen, damit zu leben. Die meisten Menschen verhalten sich sehr vernünftig“, stellt sie fest.

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