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Verein geht als Träger die Puste aus

Arbeitspensum für Ehrenamtliche zu hoch: Kindergarten „Fridolin Pusteblume“ braucht neuen Träger

Blick in den Kindergarten „Fridolin Pusteblume“: Leiterin Regina Mayer im Gespräch mit (im Uhrzeigersinn) Felicitas Stübl (4), Christina Stocker (5), Daniel Mühlberger (5), Elias German (5) und Luzia Brandl (5).
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Blick in den Kindergarten „Fridolin Pusteblume“: Leiterin Regina Mayer im Gespräch mit (im Uhrzeigersinn) Felicitas Stübl (4), Christina Stocker (5), Daniel Mühlberger (5), Elias German (5) und Luzia Brandl (5).
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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30 Jahre leitete der Kindergartenverein Schonstett engagiert die Geschicke im Kindergarten „Fridolin Pusteblume“. Ab dem 1. Januar 2023 übernimmt ein professioneller Träger ihre Arbeit. Wer das ist, wird Mittwoch, 3. August, in nicht-öffentlicher Gemeinderatssitzung in Schonstett entschieden.

Schonstett – „Vier potenzielle Träger stehen bereit, die Verantwortung für den Kindergarten „Fridolin Pusteblume“ zu übernehmen und jeder von ihnen ist sehr gut geeignet“, macht Bürgermeister Paul Dirnecker im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. „Theoretisch könnte man alle nehmen“, führt er zufrieden aus. Doch es wird natürlich nur einer.

Am Mittwoch, 3. August, wird der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung entscheiden, wer die Trägerschaft über die Schonstetter Einrichtung mit zwei Kindergartengruppen, einer Kitagruppe und der Waldkindergruppe ab dem 1. Januar 2023 übernimmt. Im September wird er das Ergebnis der Entscheidung in öffentlicher Gemeinderatssitzung bekannt geben, kündigt Dirnecker an.

Bislang wurde die Kindereinrichtung als Verein von einer Elterninitiative getragen. Das hat all die Jahre super funktioniert, doch nun ist die Zeit der Veränderung gekommen. Im Juli hatte der Kindergartenverein Schonstett seine Jahreshauptversammlung. „Wir kamen zu dem traurigen Ergebnis, dass wir uns in dieser Form als Verein zum Jahresende auflösen werden“, sagt die erste Vorsitzende Maren Tschentscher (34).

Arbeitspensum für Ehrenamtliche zu hoch

Es gebe noch vereinzelt Einrichtungen, die über eine Elterninitiative getragen werden, doch der Trend sei, dass in den meisten Fällen größere Träger übernehmen. „Das Arbeitspensum und die rechtlichen Anforderungen werden immer mehr. Das macht es fast unmöglich einen Kindergarten in dieser Ehrenamtsform fortzuführen. Kleinere Gruppen können eher noch in einer Elterninitiative gestemmt werden, aber wir haben mittlerweile vier Gruppen. Das hat eine Größe erreicht, wo es so nicht mehr weitergehen kann“, sagt Tschentscher.

Maren Tschentscher

Aktuell betreut der Kindergarten 70 Kinder, aufgeteilt in vier Gruppen: zwei Kindergartengruppen, eine Krippe für die ganz Kleinen und eine Waldkindergartengruppe. „Die Kapazität in der Einrichtung ist derzeit ausgeschöpft“, macht der Bürgermeister deutlich. Für die Kinderkrippe stünden sogar noch fünf Kleinkinder auf der Warteliste. „Das wird in den kommenden Jahren sicher nicht besser“, befürchtet das Gemeindeoberhaupt, „Die Kinder werden die nächsten Jahre nicht weniger“, sieht auch er.

Als vor etwa 30 Jahren Eltern den Kindergartenverein in Schonstett gründeten, geschah dies aus der Not heraus, denn in der Gemeinde gab es bis dato noch keinen Kindergarten, ruft Tschentscher in Erinnerung.

Angefangen hatte es mit einer Gruppe aus etwa 15 Kindern. Im Laufe der Jahre ist die Zahl der benötigten Betreuungsplätze gewachsen. 20 fest angestellte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kümmern sich in Schonstett aktuell um das Wohl der Kleinen. Das Engagement der 105 Vereinsmitglieder ist hingegen ehrenamtlich. Sie erhalten keinen Lohn und auch keine Aufwandsentschädigung. Dabei lastet auf ihnen eine große Menge Verantwortung. Als Träger ist der Verein schließlich für das Wohl der Kinder, die inhaltliche und organisatorische Arbeit in der Kita, die Einhaltung der Rechtsvorschriften und auch als Arbeitgeber verantwortlich.

Gesucht: aktive Senioren als Unterstützer

Aktuell benötige der Kindergarten mehr Personal. „Wir brauchen Erzieher und Fachkräfte, Kinderpfleger oder Hilfskräfte“, sagt Kindergartenleiterin Regina Mayer. Auch ältere Leute dürfen gerne aktiv werden und die Einrichtung unterstützen. Schließlich können Kinder viel von betagten Menschen lernen und auch die Senioren bekommen eine Menge von den Kindern zurück.

„Was uns auszeichnet ist das familiäre Verhältnis. Man findet ein großes Stück Heimat, es ist gemütlich und man wird herzlich aufgenommen. Dazu haben wir hier tolle Kinder und auch die Eltern sind toll. Es macht einfach Freude, hier zu arbeiten“, sagt die Kindergartenleiterin. Unterstützung von Vereinen, Firmen, Geschäften, Privatleuten, von jedermann wäre für die muntere Truppe vom Kindergarten ein Segen, findet sie, und setzt dabei auf die „Pusteblume“ als Wunscherfüller, damit alle Kindergartengruppen auch künftig gut weiterarbeiten können.

Drei Fragen an Maren Tschentscher, Vorsitzende des Kindergartenvereins Schonstett

Wie finanziert sich der Kindergartenverein?

Maren Tschentscher: Es werden Mitgliedsbeiträge bezahlt. Es wird unter anderem über eine Förderung vom Landratsamt finanziert, aber vor allem auch über einen Defizitvertrag mit der Gemeinde. Wir bekommen zum Glück große Unterstützung durch unsere Gemeinde. Sie haben immer ein offenes Ohr für uns. Die Eltern zahlen einen Kindergartenbeitrag, wie es bei jedem Kindergarten üblich ist. Spenden sind uns natürlich auch eine große Hilfe.

Wird es künftig einen Förderverein geben?

Tschentscher: Bei der Jahreshauptversammlung haben wir beschlossen, dass der Kindergarten in dieser Form bis zum Ende des Jahres so weitergeführt wird. Ab dem neuen Jahr soll es dann ein anderer Träger weiterführen. Es ist der Gedanke da, den Verein in einen Förderverein umzuändern, damit nach wie vor die Unterstützung da ist. Die Gründung eines Fördervereins muss in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen werden. Wer der neue Träger wird, entscheidet die Gemeinde.

Was ist Ihnen besonders wichtig?

Tschentscher: Wichtig ist, dass die Weiterentwicklung des Kindergartens vorangebracht wird, dass die Vernetzung im Ort stattfindet und der naturnahe Gedanke weiter ausgebaut werden kann. Man kann hier einen wunderschönen Dorfkindergarten draus machen. Es ist nicht selbstverständlich, dass Schonstett einen Kindergarten hat. Die Personalnot, die sich im pädagogischen Bereich seit Jahren zuspitzt, ist leider auch bei uns angekommen. Wir bräuchten dringend Personal und auch Unterstützung.Interview Kirsten Seitz

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