Schöner wohnen – und trotzdem bezahlbar: Wie das geht, zeigt die Stadt Wasserburg

Die Holzfassade drückt der Wohnanlage Ponschabaustraße optisch den Stempel auf. Der dreigeschossige Neubau gilt auch als Paradebeispiel für eine gelungene Nachverdichtung. Duczek

Eine schicke Holzfassade aus Douglasie, helle Ein- bis Vierzimmerwohnungen in hochwertiger Ausstattung mit überdachten Loggias, eine Aula im Kern als Begegnungszentrum, breite Flure, eine Tiefgarage mit Radlstellplätzen: So schön kann öffentlicher geförderter kommunaler Wohnungsbau sein.

Von Heike Duczek

Wasserburg – Bis zum 13. März können sich noch Bürger um eine der 23 Wohnungen in der neuen Anlagen Ponschabaustraße 9 bewerben, teilte Bürgermeister Michael Kölbl gestern bei einem Ortstermin mit. Ab dem 1. Juni soll mit der Vermietung begonnen werden.

Mittlerweile steht die Kalkulation der Mieten: Der Stadtrat hat nach Angaben von Robert Mayerhofer, Leiter des Liegenschaftsamtes, eine durchschnittliche Kaltmiete von monatlich 8,50 Euro pro Quadratmeter festgelegt. Hätte es nicht die staatliche Förderung gegeben, müssten die Bewerber durchschnittlich 10,50 Euro Kaltmiete zahlen.

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Wasserburg war eine der ersten Kommunen, die Zuwendungen vom kommunalen Wohnraumförderprogramm des Freistaates beantragt hatte. Die Baukosten betragen 5,5 Millionen Euro. 1,6 Millionen kamen laut Kölbl als Zuschuss vom Freistaat, 2,5 Millionen als Darlehen mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einem Zins von 0,79 Prozent. Durch die Miete wird das Objekt in den nächsten zwei Jahrzehnten refinanziert. Das Projekt rechne sich bei einer Rendite von zwei Prozent auch wirtschaftlich.

Ziel: sozial und nachhaltig

Die Stadt hat das Bauvorhaben nicht an einen Bauträger vergeben, sondern stemmt es selber – mit Mitteln aus der Familie-F.-X.-Stadler-Stiftung. Die Stifterin Maria Stadler, 1890 bis 1974, hat der Stadt Grundstücke und Kapital im Rahmen einer Stiftung zur Verfügung gestellt. Auf einem Grundstück der Stadler-Stiftung ist 2001 bereits die Wohnanlage Stadler Garten entstanden – mit Wohnungen für Senioren und Menschen mit Behinderung. Die Anlage Ponschabaustraße entsteht direkt nebenan, ebenfalls auf einem Grund der Stadler-Stiftung.

Das dreigeschossige Gebäude mit 1400 Quadratmetern Fläche, in dem ab Juni die ersten Wohnungen bezogen werden, ist nach Ansicht von Kölbl auch ein gutes Beispiel für eine gelungene Nachverdichtung im Burgerfeld: Das Grundstück werde optimal ausgenutzt, der Neubau passe sich jedoch harmonisch in das Wohnviertel ein, ist Wasserburgs Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann überzeugt. Kölbl lobte beim Ortstermin die Nachbarn, die die Zeit der Baugrubensicherung, des Lärms und Schmutzes mitgetragen haben. Sorgen, der Neubau könne zu massiv werden und die Optik der Wohngegend stören, seien mittlerweile Geschichte, freute sich Hermann.

Die Stadt legt bei der Vermietung der Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen Wert auf einen Bewohnermix – mit Familien und Singles, älteren und jüngeren Mietern, Menschen mit Handicaps, denn ein Aufzug sorgt für Barrierefreiheit. Auch anerkannte Asylbewerber sollen eine Chance bekommen.

Am 27. April Tag der offenen Tür

Am 27. April stellt sich die neue Wohnanlage bei einem Tag der offenen Tür vor. Ein Blick hinein durfte die Wasserburger Zeitung bereits jetzt werfen: Im Innern ist das zentrale Atrium, über das alle Wohnungen über breite Flure erschlossen werden, schon fast fertig. In den ersten Wohnungen liegen Böden in Sonnengelb. Weiße Holzdecken und große Fenster mit Verschattungsmöglichkeiten sowie überdachte Balkone sind zu sehen. Zum Haus gehört eine Tiefgarage mit Aufrüstungsmöglichkeit für E-Tanksäulen und großem Fahrradparkhaus.

Eindrucksvoll: die Fassade aus Douglasienholz. Es ist unbehandelt und wird nachgrauen, im Laufe der Jahre also eine Patina entwickeln. Gestrichen wird nicht, was sich positiv auf die Unterhaltskosten auswirken wird, so Herrmann. Das Gebäude bestehe im Innern aus einem Betonkern, um den die Holzmodule herumgebaut worden seien. Der Baustoff Holz passt zum Nachhaltigkeitskonzept der Stadt: Geheizt wird über eine Luftwärmepumpe, das Dach erhält eine Kiesschüttung, das Gebäude benötigt die Hälfte der gesetzlich zugelassenen Energie (KfW 55), berichtete Mayerhofer.

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Dass das Projekt gelungen ist, führt er auf „ein zielgerichtetes und strukturiertes Vorgehen“ aller Beteiligten zurück: Bürgermeister Stadtrat, Stadtverwaltung, Planer und Fördermittelgeber hätten gut zusammengearbeitet – durchgehend von 2016, als das Wohnrecht für die Haushälterin der Stifterin erlosch und ein Bungalow auf dem Grundstück abgerissen werden konnte, um die Fläche freizumachen, bis zur gesetzlich vorgeschriebenen europaweiten Ausschreibung, zum Förderantrag bei der Regierung, dem Maßnahmenbeschluss im Jahr 2018 und der Mietfestsetzung in der vergangenen Stadtratssitzung. Im Juli soll die Vermietung abgeschlossen sein.

Hier können sich Interessenten bewerben

Ansprechpartner für die Neuvermietung der vier Ein-, sieben Zwei-, nein Drei- und drei Vier-Zimmer-Wohnungen ist das Liegenschaftsamt der Stadt Wasserburg, Robert Mayerhofer, Telefon 105-28, Monia Ben Ali-Guizani, Telefon 105-39, Karoline Maier, Telefon 105-29. Bewerbungsunterlagen können auf www.wasserburg. de heruntergeladen werden.

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