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Serie: Pfiat di Altlandkreis - 50 Jahre Gebietsreform

Schnaitsee im Brennpunkt der Reformen

Mit dem Aufkleber „Von Schnaitsee bis zum Alpenrand bleiben wir im Kreis beinand“ waren vor 50 Jahren viele Schnaitseer Fahrzeuge ausgestattet. Altbürgermeister Vitus Pichler weiß von negativen Erfahrungen, wenn man mit solchen Aufklebern in Wasserburg unterwegs war. Unterforsthuber
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Mit dem Aufkleber „Von Schnaitsee bis zum Alpenrand bleiben wir im Kreis beinand“ waren vor 50 Jahren viele Schnaitseer Fahrzeuge ausgestattet. Altbürgermeister Vitus Pichler weiß von negativen Erfahrungen, wenn man mit solchen Aufklebern in Wasserburg unterwegs war. Unterforsthuber
  • VonJosef Unterforsthuber
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Mit lautem Protest und Aufklebern am Auto wehrten sich die Schnaitseer gegen die Gebietsreform: Weiter geht es mit unserer Serie „Pfiat di Altlandkreis - 50 Jahre Gebietsreform.

Schnaitsee – Jetzt, wo 50 Jahre vergangen sind, lässt sich relativ emotionslos über die Landkreisreform in Bayern berichten. Aber was im Jahr 1971 in den damaligen Gemeinden Schnaitsee, Kling, Waldhausen, Titlmoos und Kirchstätt los war, ging schon oftmals auch in persönlicher Ebene unter die Gürtellinie. Zahlreiche, oft bitterböse Leserbriefe und Berichte in der Wasserburger Zeitung zeugen davon.

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Dabei hatte Schnaitsee nur wenige Jahre davor schon eine nicht ganz einfache Schulreform hinter sich gebracht. Die Gründung eines Schulverbandes mit den vorgenannten fünf Gemeinden verlief auch nicht gerade problemlos. Aber die Irritationen bei der Landkreisreform übertrafen selbst schlimmste Befürchtungen.

Schnaitseer wollten in Traunstein bleiben

Veröffentlichte Vorschläge der Regierung, dass in der ersten Variante Schnaitsee nach Mühldorf und in der zweiten Variante in den Landkreis Wasserburg eingegliedert werden sollte wurden strikt abgelehnt und der Verbleib im Landkreis Traunstein gefordert.

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Zu diesem Thema fand in Obing am 15. Februar 1971 eine Kreistagssitzung und am 27. Februar eine Protestkundgebung in Trostberg statt. Dort brach auch der Schnaitseer Rechtsanwalt und JU-Kreisvorsitzende Hubert Neuberger eine Lanze für den Schnaitseer Verbleib in Traunstein.

Rechtsanwalt Hubert Neuberger, Stellvertretender Landrat von Traunstein und Wasserburg.

Der Protest stand monatelang unter dem Motto „Von Schnaitsee bis zum Alpenrand bleiben wir im Kreis beinand“. Fast jedes Auto hatte in den Folgemonaten diesen Aufkleber dran. Jetzt im Gespräch mit der Heimatzeitung blickte Neuberger zurück: „Das war damals für mich nicht leicht. Hatte ich doch in Wasserburg meine Anwaltskanzlei. Trotzdem war für mich der Verbleib Schnaitsees bei Traunstein alternativlos.“

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Für das damalige CSU-Gemeinderatsmitglied brachte auch noch ein weiteres Gespräch mit einem einflussreichen Kommunalpolitiker aus der Gemeinde Kling große Schwierigkeiten. Einen Tag nach diesem Gespräch wurde er in einer Krisensitzung im Rathaus richtiggehend von Bürgermeister Bernhard Thaler und weiteren Ratsmitgliedern angefeindet. „Aber ich hab mir das Reden nicht verbieten lassen und ich habe berichtet, dass mir beim Gespräch in Allersing angedeutet wurde, dass die Gemeinde Kling nach Schnaitsee wechseln würde, wenn der Bürgermeister ein anderer wäre.“

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Der Gemeinderat Schnaitsee beschloss mit nur einer Gegenstimme von Kreisrat Franz Schachner den Verbleib im Landkreis Traunstein mit aller Macht anzustreben. Nach der vollzogenen Reform, bei der sich für Schnaitsee außer den vielen Streitigkeiten und nachfolgenden persönlichen Ressentiments nichts änderte, war aber noch lange nicht das Ende da.

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Auch in der damaligen Gemeinde Waldhausen kam es zu Verwirrungen. Beim aktuellen Rückblick auf die Gebietsreform erinnert sich Schnaitsees Altbürgermeister Vitus Pichler, dass bei einer Bürgerversammlung mit großer Mehrheit für einen Wechsel nach Wasserburg entschieden wurde. „Erst nachdem alle Größen des Landkreises Traunstein mit Landrat Leonhard Schmucker in der Folgewoche nach Waldhausen kamen, gelang es die Waldhauser umzustimmen, sodass diese für den Verbleib in Traunstein votierten.

Vitus Pichler, Altbürgermeister von Schnaitsee.

Das war so in etwa meine erste kommunalpolitische Erfahrung. Die war aber sehr einschneidend.“ Außerdem kann er aus eigener Erfahrung berichten, dass Autos mit Traunsteiner Kennzeichen in Wasserburg nicht gern gesehen waren.

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Am 3. April 1973 kam wieder Optimismus im Verhältnis mit der Gemeinde Kling auf. Nach Gesprächen der Bürgermeister Thaler und Ludwig Schachtner aus Kling bestand die berechtigte Annahme, dass sich die Gemeinde Kling an Schnaitsee anschließen wolle.

Allerdings stimmten dann die Klinger Bürger am 15. April für den Verbleib in Wasserburg. Dieser Abstimmung war eine hasserfüllte Hetzkampagne der bereits 1971 aufgetretenen Gegner vorausgegangen.

Kaum waren die Schwierigkeiten der Landkreisreform überwunden, kamen auf die Gemeinden Schnaitsee, Waldhausen und Kirchstätt die schwierigen Reformpläne der Gemeindezusammenlegung zu.

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