Schluss mit lustig nach Wasserburger Faschingsumzug

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Der Streit zwischen zwei Beteiligten des Wasserburger Faschingszugs endete jetzt vor dem Amtsgericht Rosenheim. Ein 26-Jähriger aus einer Nachbargemeinde der Stadt wurde zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hatte seinen Kontrahenten mit einem Bierflaschenwurf verletzt.

Von Christa Auer

Wasserburg – War der 26-Jährige aus einer Nachbargemeinde der Stadt wirklich der Täter? Hat er nach dem Wasserburger Faschingsumzug Ende Februar einen 22-Jährigen aus der Region mit einer Bierflasche beworfenund ihn dabei verletzt? Weil sie zuvor in Streit geraten waren?

Um die erneute Aufarbeitung dieser Fragen ging es jetzt in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim. Der 26-Jährige hatte gegen einen Strafbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung und die damit verbundene Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung Einspruch eingelegt.

Gegen Strafbefehl Einspruch eingelegt

Fest stand, dass nach Schluss des Faschingsumzugs in der Altstadt offensichtlich auch Schluss mit lustig war, wie in der Gerichtsverhandlung deutlich wurde. Der Gaudiwurm löste sich am Bahnhof nach und nach auf. Der Faschingswagen, auf dem der 26-Jährige mitfuhr, hatte zuvor am Bahnhofsplatz einen Zwischenstopp eingelegt und wurde deshalb unter anderem von dem Wagen überholt, zu dem der 22-Jährige gehörte. Zum Streit kam es dann offenbar, weil der 26-Jährige Süßigkeiten in die Menge und auf den vorbeifahrenden Wagen geworfen hatte.

Für den Geschmack des 22-Jährigen, der als Begleiter neben dem Gefährt ging, war das aber eine Spur zu heftig. Laut seiner Aussage forderte er den 26-Jährigen auf, „mit dem Scheiß aufzuhören“ und nicht mit voller Wucht Guttis gegen die Traktorscheiben zu werfen. Dabei habe er ein wenig mit seiner Bierdose in Richtung des Werfers gespritzt. Damit sei die Sache für ihn vorerst erledigt gewesen.

Stark blutende Platzwunde erlitten

Kurze Zeit später sei er aber von einer Bierflasche am Hinterkopf getroffen worden, so der 22-Jährige weiter. Glücklicherweise habe er eine Perücke getragen, die den Aufprall ein wenig gedämpft hätte. Dennoch habe er eine stark blutende Platzwunde erlitten, die später im Krankenhaus genäht worden sei. „Das war ein gezielter Wurf“, war der Geschädigte überzeugt, der in dem strafrechtlichen Verfahren auch seine zivilrechtlichen Ansprüche in einem Adhäsionverfahren geltend machte. Der Flaschenwerfer – den er im Gerichtssaal „zu hundert Prozent“ wiedererkannte – habe ein plüschiges weißes Kostüm getragen und sei als Hase oder Ähnliches verkleidet gewesen.

Verteidiger plädierte auf Freispruch

Vier weitere Zeugen, die allesamt am Faschingswagen des Geschädigten beteiligt waren, schilderten den Tatvorgang ähnlich. Das Gesicht des Angeklagten hatten alle deutlich erkannt. Ebenso einig waren sich die Zeugen in puncto Bierflasche: „Von der Flaschenform her war es ein Augustiner“. Allerdings waren sie uneins, ob der Angeklagte das corpus delicti von oben oder seitlich, eher zufällig oder gezielt auf den Geschädigten geworfen hatte.

Genau hier setzte Verteidiger Dr. Andreas Michl aus Rosenheim an und plädierte auf Freispruch. Für ihn gab es zu viele Ungereimtheiten in den Aussagen der „sogenannten Belastungszeugen“. Fakt sei, dass sein Mandant kein weißes, sondern ein rosa Hasenkostüm getragen habe und viele weitere Tier-Kostümierte auf dem Faschingswagen gewesen seien.

Tatmittel nicht sichergestellt

Zudem habe es auf dem Gefährt nur Steiner Bier gegeben. Die schlanke Flaschenform unterscheide sich wesentlich von der bauchigen Flasche, die die „Reitmehringer Zeugen“ gesehen hatten. Letztendlich habe das Tatmittel nicht sichergestellt werden können. Den fünf Zeugen, die auf dem Faschingswagen des Angeklagten mitgefahren waren, hätten ihn ihren Angaben zufolge zum Tatzeitpunkt in ihrem Blickfeld gehabt und währenddessen keinen Flaschenwurf beobachtet.

Auch der 26-Jährige konnte sich die Anschuldigen nicht erklären. „Ich habe mir noch nie was zu Schulden kommen lassen und die Flasche nicht geworfen“, beteuerte der junge Mann, der nach seinen Worten einige Stamperl Schnaps und etwa acht bis zehn Halbe Bier während des Faschingstags getrunken hatte. Er konnte sich an keinen Streit mit dem Geschädigten erinnern.

Staatsanwalt von Tathergang überzeugt

Der Staatsanwalt war dagegen davon überzeugt, dass der 26-Jährige sich unter Alkoholeinfluss zu der Tat hatte hinreißen lassen. Bei 2,5 Promille sei es kein Wunder, dass er sich nicht mehr an jedes Detail erinnere. Die Zeugen des Vorfalls hätten den Tathergang glaubhaft geschildert und von einem gezielten Wurf mit einer braunen Flasche berichtet. „Ob Augustiner oder Steiner, das macht keinen Unterschied“.

Die Entlastungszeugen seien dagegen zum fraglichen Zeitpunkt nicht unmittelbar beim Angeklagten gewesen. Der Angeklagte habe Glück gehabt, dass es zu keinen schweren Verletzungen gekommen sei, betonte der Staatsanwalt und forderte eine Freiheitstrafe von zehn Monaten und eine Geldauflage von 3000 Euro. Das Strafmaß sei damit höher als im ursprünglichen Strafbefehl, weil dort von einem Geständnis ausgegangen worden sei.

Richter Wolfgang Fiedler packte schließlich einen weiteren Monat obendrauf. Zudem muss der Angeklagte eine Geldbuße von 2000 Euro an eine soziale Einrichtung und 700 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten bezahlen.

Beim Faschingsumzug sei es erst zu einem Disput und dann zu einem Spritzer aus der Bierdose gekommen. Das habe sich der Angeklagte nicht bieten lassen und mit einer Kurzschlusshandlung reagiert, hieß es in der Urteilsbegründung.

Berufung gegen Urteil angekündigt

Die Zeugenaussagen würden schriftlich gewürdigt, kündigte der Richter an. Der Angeklagte sei das erste Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten und sowohl beruflich als auch sozial gefestigt, deshalb könne die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

Verteidiger Dr. Michl kündigte bereits an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

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