BORKENKÄFER

Schädling unter der Rinde

Deutlich zu erkennen unter der Rinde sind die Fraßgänge und die Maden.

Hochbetrieb: Der Borkenkäfer breitet sich in den Wäldern massiv aus. Weil nur die Abholzung befallener Bäume eine weitere Verbreitung verhindern kann, ist schnelles Handeln gefragt.

Schwindegg – Motorenlärm durchschneidet die Stille im Wald. Entlang der Rückegasse sind Baumstämme gestapelt, viele Bäume sind markiert, noch mehr sind schon längst gefällt. Ein Waldstück südlich von Schwindegg gleicht einem Kahlschlag: Der Borkenkäfer konnte sich hier massiv vermehren. Etwa 300 Kubikmeter Holz müssen gefällt werden, um eine weitere Verbreitung einzudämmen.

„Eine solch große Fläche ist manuell nicht zu bewältigen“, sagt Michael Erber, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Mühldorf (WBV). Ein Holzvollernter ist im Einsatz: In nur wenigen Minuten ist ein Baum gefällt, entastet und entsprechend für den Abtransport eingekürzt. Bäume mit einem Durchmesser von bis zu 75 Zentimeter kann der Harvester fixieren und verarbeiten. Auf diese Weise lassen sich bis zu 200 Festmeter Holz verarbeiten.

Die Maschine ist gerade im Dauereinsatz, die WBV arbeitet die Aufträge nacheinander ab. In vielen Waldstücken im Landkreis macht sich der Borkenkäfer breit, hatte er in den vergangenen Jahren doch leichtes Spiel: Die Fichte ist im Hitzestress und kann daher dem kleinen Käfer nicht viel entgegensetzen. Die ersten Tiere kann ein gesunder Baum zwar noch abwehren, aber ab etwa 200 einbohrenden Käfer sind die Kräfte erschöpft. Der Massenvermehrung spielt die warme Witterung zusätzlich in die Karten: Im Vergleich zu 2015 war der erste Schwärmflug in diesem Jahr bereits Mitte Mai – acht Wochen früher. „Ab 16,5 Grad kann der Buchdrucker fliegen“, erklärt Erber. Genug Zeit, dass sich eine Generation mehr bilden kann.

Die WBV berät ihre rund 1400 Mitglieder, gibt Tipps zur Waldbewirtschaftung und hilft bei der Vermarktung. Die Prognose für 2018: 65 000 Festmeter. Davon werden aber etwa geschätzt 30 000 Festmeter als Käferholz eingestuft werden. 2015 waren es nur 10 000.

Es braucht ein geschultes Auge und viel Kontrollarbeit, um die ersten Anzeichen eines Borkenkäferbefalls zu erkennen: Bohrmehl in den Schuppen der Rinde oder am Stamm, kleine Bohrlöcher oder abgefallene Fichtennadeln. Ist die Krone braun verfärbt, ist der Borkenkäfer längst wieder ausgeflogen und hat umstehende Bäume befallen. „Wenn man die Anzeichen übersieht, kommt es zu einer Massenvermehrung“, erklärt WBV-Vorstand Lorenz Waldinger. Bis zu 100 Eier könne ein Weibchen ablegen, nach sechs bis acht Wochen schwärmt die nächste Generation aus.

Die Schäden für die Waldbesitzer sind vielschichtig: Kahlschläge seien nur aufwendig zu bepflanzen, machen die Bäume anfälliger für Wind und einen erneuten Käferbefall. Zum anderen lässt sich das Käferholz schlechter vermarkten. „Bläuepilze verfärben das Holz, das dadurch die Verwendung im Sichtholz einschränkt“, sagt Erber. Hinzukomme, dass es derzeit ein großes Holzangebot gebe. Preisabschläge sind die Folge.

Waldbesitzer müssen nun handeln und befallenes Holz aus dem Wald abtransportieren. Die Stämme sollen 500 Meter vom Fichtenwald entfernt gelagert werden, damit keine neuen Bäume befallen werden. Stoßweise werde das Holz abtransportiert und in eines der nächstgelegenen Sägewerke gebracht. In der Regel brauche dies ein bis zwei Wochen. „Zur Käferzeit wäre es wünschenswert, wenn der Abtransport schneller möglich ist. Damit spitzt sich die Lage zu“, sagt Waldinger. Das Entrinden der Bäume hilft nur, wenn sich die Jungkäfer noch nicht entwickelt haben. Als letzte Möglichkeit bleibe nur der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Windwurf und Käferbefall machen es Waldbesitzern nicht einfach: „Es lässt sich nicht mehr planvoll wirtschaften“, sagt Waldinger. Die WBV hilft nicht nur bei der Holzvermarktung, sondern gibt auch Tipps zum Waldumbau. Ein gesunder Mischwald ist wichtiger denn je, aber dazu muss teilweise viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. „Die Fichte ist ein wichtiger Faktor als Bauholz, aber im Reinbestand ist sie nicht mehr zukunftsfähig“, erklärt Erber. Der Waldumbau ist ein schleichender Prozess: Etwa 80 bis 120 Jahre alt werden Fichten, bevor sie gefällt werden. Das Umdenken in Richtung Mischwald hat erst vor etwa 30 bis 40 Jahren begonnen. Doch: „Die Waldbesitzer, die Fichte im Reinbestand anpflanzen, sind in der Minderheit“, sagt Waldinger.

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