DAS SPIEL DER KÖNIGE

Schach online lernen boomt seit Netflix-Serie „Damengambit“, sagt der Schachklub Wasserburg

Das Damengabit: „Die erfolgreiche Netflix-Serie, hat viele wieder zum Schach zurückgebracht“, sagt Herbert Huber vom Schachklub Wasserburg.
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Das Damengabit: „Die erfolgreiche Netflix-Serie, hat viele wieder zum Schach zurückgebracht“, sagt Herbert Huber vom Schachklub Wasserburg.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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„Beth Harmon“ zog in der Netflix-Serie „Das Damengambit“ Schachspieler und Nichtspieler in ihren Bann. „Die Serie hat viele wieder zum Schachspielen zurück gebracht“, sagt Herbert Huber vom Schachklub Wasserburg. Die Nachfrage nach Online-Schach boomt. Darum bietet der Verein Kurse via Skype oder Zoom an.

Wasserburg – Schach spielen kann gegen den Lockdown-Frust helfen, findet Herbert Huber vom Schachklub Wasserburg. Und das geht auch online.

„Schach boomt im Web – auch wegen der Netflix-Serie ,Das Damengambit‘. Warum nicht den Lockdown nutzen, um das königliche Spiel zu lernen? Dafür gibt es viele Möglichkeiten“, sagt zweiter Vorsitzender und Jugendleiter Huber. Der Klub bietet Onlinekurse für Einsteiger und Anfänger an.

Klar, auf Youtube gebe es Anleitungen, wie man das Spiel in Rekordzeit lernen kann, etwa „Learn Chess in 1 minute and 25 seconds“ oder noch schneller „Chess in Less Than a Minute“. Das sei allerdings etwas für Autodidakten.

Beim Bauerndiplom gibt‘s die Grundregeln

Wer es lieber deutsch und fundiert mag, wird betreut vom Schachklub Wasserburg. Benötigt wird ein Internetzugang, Skype oder Zoom (freie Software), Brett und Figuren. Letztere können beim Verein ausgeliehen werden. Näheres bei Anmeldung per eMail an herbert.huber@ebe-online.de oder telefonisch unter 0 80 71/21 07.

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Basis sei der Brackeler Schachlehrgang in den Stufen: Bauern-, Springer-, Läuferdiplom. Später kommen auch Turm– und Damendiplom – und am Schluss vielleicht auch das Königsdiplom dazu.

Schach-Diplome für verschiedene Stufen

Beim Bauerndiplom lernt man die Regeln. „Wenn ich Schach einmal wöchentlich an der Grundschule unterrichte, ziehen wir das mit den Kindern in vier bis sechs Wochen durch“, so Huber. Beim Springerdiplom taucht man ein in erste Taktiken, beim Läuferdiplom setzt man sich mit den ersten Matt-Aufgaben auseinander. Das Turmdiplom befasst sich mit „aufbauenden Schwierigkeiten“. Tiefer in die Strategien und die Bauernstrukturen taucht der Lernende beim Damendiplom ein und wer das Königsdiplom erreicht, lernt das ausgefeilte Spielen.

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„Brackeler ist das Mindeste, was man bei mir lernt“, so Huber. Wer sich einlesen möchte, kann die dazu gehörigen Übungshefte zuhause durcharbeiten. Ausdrucken kann man sie über die Website der Schachfreunde Brackel 1930 e.V., oder im Shop der Schulschachstiftung bestellen, empfiehlt der Jugendleiter. Noch ausführlicher sei die Stappenmethode. Auf www.stappenmethode.de findet man ergänzende Arbeitsblätter.

Taglich Livestreams von Turnier mit 14 Großmeistern

Schon Kinder lernen bei Herbert Huber gleich in den ersten Stunden das Matt setzen mit Schwerfiguren wie Turm oder Dame. Er zäumt das Pferd quasi von hinten auf. „Ich zeige ihnen, wie sie am Schluss gewinnen, dann wissen sie von Anfang an, worauf sie hinspielen und bleiben motiviert“, ist er überzeugt.

Derzeit findet in Wijk aan Zee in Holland ein Präsenzturnier statt, dass die Schach-Szene gebannt verfolgt. Auch Herbert Huber schaut sich täglich die Live-Streams an, wenn 14 Großmeister beim Tata Steel Turnier gegeneinander antreten. Die Corona-Quarantäne des Russen Daniil Dubov, der deswegen kurzfristig ausfiel, bescherte dem deutschen Großmeister Alexander Donchenko einen Platz als Nachrücker. „Derzeit ist er leider auf dem letzten Platz. Aber es ist toll, dass er nun in der Weltspitze dabei ist“, sagt Huber.

„Das Damengambit“ sorgt für einen Schach-Boom

Die in den Sechziger Jahren angesiedelte Serie „Das Damengambit“ (Start 23. Oktober 2020) über den Aufstieg des fiktiven Wunderkindes Beth Harmon zur Schachweltmeisterin avancierte in plüschigen Retro-Charme innerhalb weniger Wochen zur erfolgreichesten Netflix-Miniserie aller Zeiten. Google meldete ein explosionsartiges Interesse bei den Suchanfragen zu „Schach lernen“. Auf chess.com haben sich die Neuregistrierungen verfünffacht und die Download-Zahlen der Schach-App Stockfisch schnellen in die Höhe, wie der App-Store meldet.

Durch die Serie sind inzwischen bei vielen Händlern mechanische Schachuhren mit Druckknopf ausverkauft – vor allem die im Holzgehäuse. Dabei benutzte die kaum noch jemand, erfährt man bei Schach Niggemann in Münster, Europas Marktführer in Schachbedarf. Insgesamt habe sich die Nachfrage nach Schachbedarf verzehnfacht. Die Schönheit und Ästhetik des Schachs, die Kontrolle von 64 Schachfeldern mittels Konzentrationsfähigkeit und Nervenstärke stelle diese Serie in den Mittelpunkt, sagen Schachprofis und Kritiker.

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„In Schachforen wird die Serie rauf und runter diskutiert“, sagt Herbert Huber, Jugendleiter im Schachklub Wasserburg, „sie ist in aller Munde“. Er stelle fest, „Das Damengambit“ habe auch viele Erwachsene wieder zurück zum Schach gebracht. „Meist lernten sie das Spiel in der Kindheit und kamen in der Pubertät weg davon, weil sie da andere Interessen hatten. Oft finden sie nicht zurück zum Schach. Jetzt durch die Serie ist das anders“, so Huber. Auch wenn es kleine Ungenauigkeiten gebe, zeige Beth Harmon wie faszinierend Schach sein kann. Die Partien, die von ihr gespielt werden, sind im Laufe der Schachgeschichte fast alle tatsächlich gespielt worden.

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