Kinder an Edlinger Schule bekommen in Corona-Zeiten Unterstützung auf sechs Beinen

„Tierisch gut“ findet Schülerin Theresa die flauschige Schulhündin Chilli.Miebach

Junge Sozialpädagogin unterstützt die Schulfamilie – gerade in Corona-Zeiten eine große Aufgabe. Zur Seite stehen ihr die Schulhündin Chilli, der gemeinnützige Jugendhilfeträger Startklar Soziale Arbeit Oberbayern und eine hilfreiche Fragetechnik.

Edling– Seit Sept 2017 ist Sarah Miebach als Sozialpädagogin des gemeinnützigen Jugendhilfeträgers Startklar Soziale Arbeit Oberbayern in der Grund- und Mittelschule in Edling tätig – und in den letzten Monaten bekam ihre Arbeit an der Franziska-Lechner-Schule noch einmal eine ganz besondere Brisanz. Durch die Corona-Krise rückte ihr Aufgabenschwerpunkt so richtig in den Vordergrund. Miebachs Augenmerk liegt auf den sozialen Herausforderungen und Problemlagen der Schüler und ihrer Familien. Die erfuhren durch den -Lockdown bei manchen noch einmal eine Steigerung.

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Ihr Schwerpunkt ist es, mit den sozialen Herausforderungen und Problemlagen der Schüler und deren Familien vor Ort zu arbeiten. Die 3-jährige Schulhündin Chili begleitet die junge Frau täglich und ist für Kinder und Jugendliche eine „tierische“ Hilfestellung. Wenn Kommunikation gerade nicht geht, eröffnet der kleine Hund zusätzliche Hilfestellungen gegenüber den Kindern.

Die angehende Familientherapeutin arbeitet nach dem systemischen Ansatz. Dessen Stärke liegt darin, negative Blickwinkel in positive Perspektiven umzuwandeln, sodass die Klienten aus negativen Situationen das Positivste für sich herausziehen können.

Verschiedene Methoden der Krisenbewältigung

Dazu stehen verschiedene Methoden zur Krisenbewältigung zur Verfügung. Unter anderem kommen hier auch Seile, Figuren, Tiere, Batakas (Schaumstoffschläger), Ressourcenkarten und besondere Fragetechniken zum Einsatz. Während des zirkulären Fragens werden die Klienten nicht unbedingt nur zu ihren eigenen Einstellungen und Handlungen befragt, sondern auch zu den anderen Personen aus ihrem Umfeld. Beispiele dafür wären: „Was meinst du, würde mir deine beste Freundin über dein Verhalten berichten? Warum bist du für sie eine gute Freundin?“ oder „Was glaubt deine Schwester, soll sich ändern damit es dir in der Corona-Krise besser gehen geht?“.

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Ziel dieses „um-die-Ecke-Fragens“ ist die gezielte Einnahme von unterschiedlichen Positionen und Sichtweisen. Bei sich überlagernden Problematiken können Betroffene schnell ihren Glauben an sich und ihre Fähigkeiten verlieren.

Startklar Oberbayern arbeitet mit der festen Überzeugung, dass alle Menschen ihre Ressourcen zur Krisenbewältigung innehaben und wenn sie möchten können sie mit verschiedenen Techniken unterstützt werden, wieder zurück ins selbstwirksame Handeln zu finden und wieder mehr auf sich selbst zu vertrauen, macht Geschäftsführer Silvio Gödickmeier von Startklar Soziale Arbeit Oberbayern deutlich. Hierin werden die Mitarbeiter des Trägers fachlich geschult.

Nach einigen Wochen intensivster Homeschooling-Zeit für die Schüler, Lehrer und auch Eltern sind nun wieder alle Klassen in 2i geteilten Gruppen im Schulhaus zurückgekehrt.

Sarah Miebach war als Jugendsozialarbeiterin in der Corona-Zeit weiterhin Ansprechpartnerin für die Schüler und Eltern, die viele Fragen und Unsicherheiten zu den unterschiedlichsten Themen hatten.

Viele technische Hürden gab es für einige Familien zu stemmen, nicht jeder hatte einen Drucker oder die entsprechenden Gerätschaften, um daheim zu lernen oder die Hausaufgaben zu meistern. Viele Eltern kamen an die Grenzen des Machbaren, weiß Miebach.

Fragen über Fragen bei Eltern, Lehrern und den Schülern

Existenzängste und Betreuungsfragen tauchten auf: Wann kann man die Arbeit wieder aufgreifen, wie können die Kinder gut versorgt werden und wie kann ihnen etwas Schulisches beigebracht werden, wie bekomme ich das alles gemanagt, wenn ich mehrere Kinder auf unterschiedlichen Schulen habe? Wie können die Kinder unterschiedlichsten Alters daheim beschult werden?

Auch die Lehrer standen vor Stolpersteinen: Wie kann ich das Lernmaterial an Schüler bringen, die alle einen unterschiedlichen Lerntypus oder auch Lernstand haben oder nicht die technischen Möglichkeiten zuhause besitzen?

Und viele Kinder waren sehr verunsichert und wünschten sich wieder in die Schule zurück. Innerhalb kürzester Zeit mussten sich alle Betroffenen auf Homeschooling umstellen, auch wenn das eigenständige Lernen vielen sehr schwerfiel. Auf allen Ebenen gab es Unsicherheiten, Unmut, Ängste und viele Fragen an Schulleitungen, Lehrer und Sozialpädagogen in den Schulen.

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Vor den Pfingstferien wurden die Einzelgespräche der Jugendhilfe zurück in die Schule verlegt. Zuvor hatten Hausbesuche mit Abstandseinhaltung im Sinne von Spaziergängen – auch mit Schulhündin Chili – und Beratung via digitaler Medien stattgefunden. Diese herausfordernde Zeit für alle hatte aber auch positive Folgen.

Sarah Miebach konnte ihre Arbeit auch digital am Bildschirm mit einigen Schülern fortsetzen. Zum Beispiel konnte sie mit einem Mädchen medial erarbeiten, welche Chancen im Homeschooling liegen und wie man trotz Corona Kontakt zu Freunden halten könnte.

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Gödickmeier gibt dazu ein klares Statement: „Soziale Arbeit ist systemrelevant! In Zeiten von Schutzmasken und Spuckschutztrennwänden ist es in der Schule möglich und vielleicht sogar wichtiger denn je, die Kinder nicht im Regen stehen zu lassen, sondern diese ressourcen- und lösungsorientierte Arbeit weiter anzubieten. Hierbei werden die Kinder in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt und lernen so, dass sie für ihre Ziele, Träume und Wünsche selbstwirksam tätig sind beziehungsweise wieder werden können. Es ist wichtig, weg von dem was nicht funktioniert und hin zum: ‚Was soll dann anders sein?‘ zu kommen. Eine sehr gewinnbringende Arbeit in stürmischen Zeiten. Die Rückmeldungen der Kinder sind stets positiv und allen macht es Spaß. Generell sollte der Humor in der sozialen Arbeit niemals fehlen!“

Startklar Soziale Arbeit Oberbayern

Startklar Soziale Arbeit Oberbayern ist ein gemeinnütziger Betrieb mit Geschäftssitz in Freilassing. In den Außenstellen und Projekten im Berchtesgadener Land sowie in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein arbeiten über 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugend- und Familienhilfe.

Startklar Oberbayern führt ambulante und stationäre Hilfen zur Erziehung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) durch, damit Kinder, Jugendliche und ihre Familie ihren Platz in der Gesellschaft finden. Dabei stehen regionale Lösungen sowie die Stärkung des Gemeinwesens im Mittelpunkt. Als Schwerpunktträger der Jugendhilfe in der Stadt Rosenheim ist Startklar mit der konsequenten Umsetzung sozialräumlicher Jugendhilfe beschäftigt.www.startklar-soziale-arbeit-obb.de

Was würdest du tun, wenn eine Fee käme?

Systemische Fragetechniken und die systemische Gesprächsführung sind bewährte Mittel in Coaching, (sozialpädogische) Beratung und Therapie. Dabei gibt es verschiedene Fragetechniken. Einige von ihnen sind:

Skalierung: Auf einer Skala von 1 bis 10...

Mit dieser Frage wird der Klient angeregt, sich differenziert einzustufen, Fortschritte können deutlich herausgearbeitet werden.

Hypothetisch:Was wäre wenn?

Die Kreativität bei der Suche nach möglichen Lösungen wird angeregt.

Zirkulär:Was würde dein Vater dazu sagen?

Der Klient wechselt die Perspektive und versetzt sich in die Gefühls- und Gedankenwelt anderer.

Paradoxe Fragen oder Aufgaben:Der Überraschungseffekt regt den Klienten an, sich vorzustellen, was passiert, wenn sein Problem endgültig eskaliert. Dadurch können wertvolle Gegenreaktionen entstehen. Eine Aufgabe kann sein: Ärger dich jeden Tag zehn Minuten über deinen Vater.Dadurch lernt der Klient, sich seinem Problem bewusst zu widmen und es dann wieder loszulassen.

Und dann gibt es die berühmte Wunderfrage,die der amerikanische Psychotherapeut Steve de Shazer entwickelt hat:

Sie lässt Klienten über mögliche Problemlösungen fantasieren und ist besonders in verfahrenen und „aussichtslosen“ Situationen hilfreich.

Das Ziel ist es, den Klienten dazu zu bringen, sich den bestmöglichen Zustand vorzustellen. Die Wunderfrage hilft dabei, neue Motivation und positive Gedanken zu fassen. Beispiel: Stelle dir vor, du wachst morgen auf, hast wunderbar geschlafen und eine Fee hat all deine Probleme beseitigt. Wie fühlt sich das an? Woran merkst du, dass jetzt alles gut ist? Was ändert sich dadurch in deinem Leben?

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