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Mangelnde Wertschätzung?

„Schlammschlacht“: Wasserburgs Bürgermeister Kölbl wehrt sich gegen Attacken der Feuerwehr-Kommandanten

2020 war die Welt noch in Ordnung: Bürgermeister Michael Kölbl gratulierte damals dem neuen Kommandanten Niko Baumgartner (Zweiter von links) und seinen Stellvertretern Rudi Göpfert (links) und Stefan Gartner (rechts) zur Wahl.
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2020 war die Welt noch in Ordnung: Bürgermeister Michael Kölbl gratulierte damals dem neuen Kommandanten Niko Baumgartner (Zweiter von links) und seinen Stellvertretern Rudi Göpfert (links) und Stefan Gartner (rechts) zur Wahl.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Schwere Vorwürfe gegenüber Bürgermeister Michael Kölbl erheben die zurückgetretenen Kommandanten der Feuerwehr Wasserburg in einer Erklärung, die sie im Vorfeld eines Pressegesprächs herausgegeben haben. Der Bürgermeister spricht in seiner Entgegnung von einer „Schlammschlacht“, die eine sachliche Auseinandersetzung unmöglich mache.

+++ Update von Donnerstag (24. März) 13.38 Uhr +++

Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl hat mit Empörung auf die Vorwürfe der zurückgetretenen Kommandanten der Feuerwehr Wasserburg reagiert. In einer eigenen Pressemitteilung erklärt er: „Die Presserklärung der zurückgetretenen Kommandanten gleicht in Wortwahl und Diktion einer Schlammschlacht. Auf dieses Niveau lasse ich mich grundsätzlich nicht ein und es macht eine ausführliche, sachliche Auseinandersetzung unmöglich. Dies auch vor dem Hintergrund meiner dienstlichen Verschwiegenheitspflicht. Ferner möchte ich weiteren Schaden von der Stadtverwaltung und den Wasserburger Feuerwehren abwenden. Ich weise jedoch ausdrücklich darauf hin, dass ich seit meiner Jugend mit der Feuerwehr Wasserburg a. Inn eng verbunden bin und natürlich den zukünftigen Kommandanten jederzeit für ein konstruktives Miteinander zur Verfügung stehe.

+++ Original-Pressemitteilung der Feuerwehr-Kommandanten vom Donnerstag (24. März) 12 Uhr +++

„Füreinander einstehen, gemeinsam etwas erreichen – zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger. Auch für die nächsten Generationen. Ein Ziel, das gelingen kann? Die drei Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Wasserburg sehen keine zielführenden Chancen mehr, ihre Ämter weiter auszuführen. Zu vieles ist in den vergangenen Wochen, Monaten und sogar Jahren an Spannung entstanden. Die Entwicklung hat nun zur Folge, dass die drei Kommandanten Niko Baumgartner, Rudi Göpfert junior sowie Stefan Gartner zum 1.04.2022 ihre Ämter niederlegen. Das Rücktrittspapier wurde Bürgermeister Michael Kölbl am vergangenen Freitag persönlich vorbeigebracht. Einen Rücktritt vom Rücktritt wird es nicht geben.

„Weisen Anschuldigungen zurück“

Die Maßnahme ist eine Reaktion aus den zahlreichen fehlgeschlagenen Versuchen, sich mit der Stadt konstruktiv auszutauschen. Dabei weisen alle drei Kommandanten die Anschuldigungen oder/bzw. Vermutungen zurück, es herrsche durch die Kommandanten fehlende Kommunikation oder gar fehlende Einsicht oder man konzentriere sich überwiegend auf den Feuerwehrhaus-Neubau.

In zahlreichen Protokollen festgehalten wird schnell klar: Zu keiner Zeit hat die Freiwillige Feuerwehr Wasserburg überteuerte oder übertriebene Ansprüche für den täglichen Feuerwehrbetrieb oder rund um den Bau oder die Ausstattung des neuen Feuerwehrhauses erwartet oder gefordert. Die Freiwillige Feuerwehr ist in Wasserburg wie auch in allen anderen Gemeinden die einzige Pflichtaufgabe der Kommune, die nur durch Ehrenamtliche ausgeführt wird. Den Feuerwehrlerinnen und Feuerwehrlern und ihren Kommandanten geht es hierbei nicht um ein Lob von Seiten der Stadt. Das Wissen, anderen Menschen im Einsatzfall helfen zu können und die positive Resonanz aus der Bevölkerung sind vielen Aktiven Lob genug. Was in diesem Ehrenamt jedoch erwartet werden darf, ist eine ehrliche und wertschätzende Zusammenarbeit mit der Kommune als Träger. Genau hier gab es in letzter Zeit vermehrt Diskrepanzen. So musste beispielsweise mit der Stadtverwaltung diskutiert werden, ob eine Brotzeit für die Feuerwehrdienstleistenden nach einem langen Einsatz finanziert wird, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist.

„In der Öffentlichkeit ins Lächerliche gezogen“

Auch wurden immer wieder durch den Bürgermeister und durch Teile der Stadtverwaltung fachliche Entscheidungen der Kommandanten angezweifelt und teilweise sogar in der Öffentlichkeit ins Lächerliche gezogen. Gleichzeitig maßte man sich an, Entscheidungen über die Köpfe der Kommandanten hinweg zum Thema Feuerwehr beziehungsweise Feuerwehrhausneubau zu fällen, ohne die (fachliche) Meinung der Feuerwehrführung einzuholen. Teilweise erfuhren die Kommandanten erst Wochen später von wichtigen und entscheidenden Gesprächen und wurden lediglich über das Ergebnis informiert, obwohl im Vorfeld schriftlich in einem Workshop-Protokoll ein enger Austausch mit den Kommandanten zu diesem Punkt vereinbart worden war.

Ein sehr aktuelles Beispiel dazu wussten die Kommandanten in der Dienstversammlung am 18.03.2022 zu berichten. Im Rahmen des Workshops zum Feuerwehrhausneubau wurde ein Fahrzeugkonzept für die Stadt Wasserburg für beide Feuerwehren erstellt. Das Konzept beinhaltete die Entscheidung, zwei Fahrzeuge bei der in den nächsten Jahren anstehenden Ersatzbeschaffung durch ein sogenanntes Wechselladersystem zu ersetzen. Nach entsprechenden Gesprächen mit dem Landkreis wäre hier evtl. sogar eine Beschaffung der überörtlich nutzbaren Fahrzeuge durch den Landkreis Rosenheim in Aussicht gestellt worden.

Angebot ohne Rücksprache abgelehnt

Dieses Angebot hat nun nach Auskunft des Landkreises der Kämmerer der Stadt Wasserburg unmittelbar vor dem letzten Workshop in Eigenregie abgelehnt – und das ohne Beschluss des zuständigen Stadtrats und ohne Rücksprache mit den Kommandanten. Das ist vor allem deshalb ärgerlich, da dies eine Kostenersparnis für die Stadt Wasserburg von rund einer halben Million Euro bedeutet hätte. Geld, das man besonders im Rahmen des Feuerwehrhausneubaus sicher anderweitig, z.B. anteilsmäßig für die Atemschutzübungsanlage gut verwenden hätte können.

Stefan Gartner führte als Gruppenführer und später als stellvertretender Kommandant in den letzten 14 Jahren Protokoll über alle Treffen und Sitzungen innerhalb der Feuerwehr und mit der Stadtverwaltung beziehungsweise dem Bürgermeister. Alle vereinbarten Punkte wurden genau dokumentiert, besprochene Fristen aufgezeichnet und das Ergebnis eingefordert.

Stadt war jederzeit informiert

Mit diesen Protokollen wurden sowohl der 1. Bürgermeister als auch seine Stellvertreter, der Feuerwehrreferent des Stadtrates und das Ordnungsamt seit Jahren regelmäßig über die positiven Ereignisse aber auch Probleme innerhalb der Feuerwehr informiert. Die Stadtführung hatte somit immer eine Rückmeldung, was in der Feuerwehr Wasserburg gerade so los war. Umso verwunderlicher war daher das Feedback des zweiten Bürgermeisters Werner Gartner, der bei der Dienstversammlung am Freitag, den 18.3.2022 erklärte, er sei über den aktuellen Stand in der Feuerwehr nicht informiert und die Feuerwehrführung solle nicht so kleinlich reagieren.

Schließlich hätte die Stadt ein Grundstück für den Neubau des Feuerwehrhauses zum Preis von 2,4 Millionen Euro erworben. Ebenfalls in besagten Protokollen festgehalten waren die Punkte, welche von Seiten des Bürgermeisters zur „Chefsache“ erklärt wurden. Der Bürgermeister selbst hatte Termine genannt, wann mit der Erledigung zu rechnen sei. Auf die Ergebnisse wartet die Feuerwehr oft noch heute. Und das, obwohl mehrmals Fristen verlängert und immer wieder die Erledigung zugesichert wurde.

Bürgermeister mit offenbar fehlender Empathie

Bürgermeister Kölbl hielt es auf besagter Dienstversammlung nicht einmal für nötig, mit Bedauern auf den Rücktritt der drei Kommandanten zu reagieren und ihnen für ihre Arbeit zu danken. Er erklärte lediglich, den Rücktritt der Kommandantur anzunehmen und wies jegliche Schuld daran zurück. Diese offenbar fehlende Empathie kam in der anwesenden Mannschaft nicht gut an.

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Für die Kommandanten besonders traurig wurde folgende Situation nach der Dienstbesprechung: Hier saß Bürgermeister Michael Kölbl nach der Besprechung mit altgedienten Feuerwehrmännern und Ehrenmitgliedern im Florianstüberl beisammen. Die getroffene Aussage Michael Kölbls, ihm sei der Feuerwehrverein egal, zeigt den Mangel an Wertschätzung durch den obersten Dienstherren der Stadt.

Die Aussage ist umso bedauerlicher, da Herrn Kölbl im Jahre 2016 die Ehrenmitgliedschaft im Feuerwehrverein verliehen wurde. Die Feuerwehrführung appelliert an dieser Stelle an Anstand und Charakter und auf ein Überdenken dieser Aussage. Den Kommandanten Niko Baumgartner, Rudi Göpfert junior und Stefan Gartner ist es wichtig zu unterstreichen, dass ihr Rücktritt eine Entscheidung ist, die sie schweren Herzens getroffen haben. Die Zusammenarbeit mit der Mannschaft und dem Feuerwehrreferenten Armin Sinzinger verlief einwandfrei, lediglich die immer schwierigere Zusammenarbeit mit der Stadtführung hat sie letztendlich dazu bewogen, zurückzutreten. Nicht nur, aber gerade die gemeinsame Durchführung eines großen Bauprojekts mit Baukosten von derzeit veranschlagten 14 Millionen Euro sei in einer derart verfahrenen Situation einfach nicht zu verantworten.

Die zurückgetretenen Kommandanten Nicolaos Baumgartner, Rudi Göpfert junior sowie Stefan Gartner stehen dem Landkreis sowie den nachfolgenden Kommandanten selbstverständlich für eine geordnete Übergabe und für Informationen jederzeit zur Verfügung und bleiben der Feuerwehr und dem Dienst am Nächsten natürlich erhalten.

Ausdrücklicher Dank an Feuerwehrreferenten und Kreisbrandrat

Ausdrücklich danken möchten die scheidenden Kommandanten dem Feuerwehrreferenten Armin Sinzinger, der oft versucht hatte, den Austausch mit der Stadtverwaltung anzukurbeln und Belange zu verdeutlichen. Ebenso gilt der Dank dem Kreisbrandrat Richard Schrank. Er war und ist zu jeder Zeit eine jederzeit greifbare Stütze. Diese Zusammenarbeit wird sicherlich, wenn auch in anderer Position in irgendeiner Art und Weise weitergeführt. Ein Dankeschön geht auch an die ausgeschiedene Ordnungsamtsleiterin Claudia Schaber, mit der ein konstruktives Zusammenarbeiten zu jeder Zeit möglich war. Vielen Dank an die vielen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung und den größten Dank an beide Feuerwehren der Stadt Wasserburg.

Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr!

Gezeichnet: Niko Baumgartner (Kommandat), Rudi Göpfert jun. (stellv. Kommandant), Stefan Gartner (stellv. Kommandant)

Ausführlicher redaktioneller Bericht folgt

Hinweis der Redaktion: Am Mittwoch, 24.3.22, 12 Uhr, findet eine Pressekonferenz der Feuerwehr-Kommandaten zum Thema statt. Wir berichten im Anschluss ausführlich.