„Rückmeldungen bestätigen mir, dass meine Entscheidung richtig ist“

Tobias Langer verlässt den Albachinger Gemeinderat.

Aktuell: Gemeinderat Tobias Langer legt in der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 9. Juni, sein Mandat als Gemeinderatmitglied nieder – auf seinen besonderen Wunsch im öffentlichen Teil.

Von Karlheinz Günster

Albaching– „Dieser Tagesordnungspunkt steht zwar nicht im öffentlichen Teil, weil personelle Angelegenheiten stets nichtöffentlich sind“, erklärte Bürgermeister Rudi Schreyer auf Nachfrage, doch stehe seiner Meinung nach einer Behandlung in der Öffentlichkeit nichts entgegen, weil Langer das auch so wünsche.

Zur Erinnerung: Langer ist seit 18 Jahren Gemeinderat, die letzten 6 Jahre als 2. Bürgermeister. Den Sprung zum 1. Bürgermeister schaffte er nicht, als Kandidat holte er knapp 37 Prozent der Stimmen, Rudolf Schreyer setzte sich mit 63 Prozent der Stimmen durch. Aufgrund seiner hohen Stimmenzahl im Wahlkampf ging Langer davon aus, dass sich die Wahl des 2. Bürgermeisters darin abbilde, vermutet Schreyer. Diese Erwartung wurde nicht erfüllt, Sebastian Friesinger machte das Rennen.

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„Langer ist ein sehr guter Mann“, erklärt Schreyer und bedauert seinen Rückzug. Er selbst hätte ihm noch Bedenkzeit zugestehen wollen, „wie sich die Dinge entwickeln“, zudem sollte Lange seiner Meinung nach für die Menschen da sein, die ihn gewählt hatten, so Schreyer.

Doch Langer hatte seinen Entschluss gefasst und war damit bereits an die Öffentlichkeit gegangen.

Heute Abend wird im Gemeinderat auf seinen Wunsch hin über seinen Antrag auf Niederlegung des Mandats öffentlich abgestimmt.

Interview mit Tobias Langer

Im Vorfeld der heutigen Sitzung gab Tobias Langer unserer Zeitung ein Interview zu seinem Ausscheiden aus dem Albachinger Gemeinderat.

In Albaching gehören alle Gemeinderatsmitglieder zur Gemeinsamen Wählerliste Albaching. Man sollte meinen, dass es deshalb auch kein Taktieren oder geheime Absprachen innerhalb der Wählergruppierung gibt. Trotzdem verlief die Wahl zum Zweiten Bürgermeister für Sie überraschend schlecht. Sie erhielten bei der Stichwahl gegen Sebastian Friesinger von 13 Stimmen nur 2i, und davon war eine ihre eigene. Was glauben Sie, hat Ihre Gemeinderatskollegen bewogen, so abzustimmen?

Tobias Langer: In meinen 18 Jahren als Gemeinderat erlebte ich so gut wie keine Situationen in denen, wie sie sagen, geheime Absprachen stattfanden. Ein offener und fairer Umgang war eigentlich immer selbst verständlich.

Allerdings wurde mir zugetragen, dass zur Wahl des 2. Bürgermeisters tatsächlich vorab Gespräche stattgefunden haben.

Vermutlich sehen meine Kollegen die Gemeinde besser durch Sebastian Friesinger als 2. Bürgermeister vertreten. Als Kreis- und Bezirksrat hat er in der Konstituierenden Sitzung in Aussicht gestellt, sein „Netzwerk“ zur Verfügung zu stellen.

Seit 18 Jahren arbeiten Sie im Gemeinderat mit. Sie haben schon viele Abstimmungen erlebt, wahrscheinlich nicht alle gewonnen. Die Wahl zum 1. Bürgermeister haben Sie verloren. Trotzdem wollten Sie sich im Gemeinderat weiter für die Kommune einsetzen. Warum schmerzt diese verlorene Wahl zum 2. Bürgermeister so sehr, dass Sie im Gemeinderat nicht weiter zur Verfügung stehen wollen?

Langer: Da ich einerseits im Gegensatz zu Friesinger zum Ersten Bürgermeister kandidiert und andererseits die meisten Stimmen (nach1. Bürgermeister Rudolf Schreyer) im Gemeinderat erhalten habe, würden politische Gepflogenheiten meiner Meinung nach mich für das Amt des Zweiten Bürgermeisters legitimieren.

Für mich ist es allerdings nicht einmal die Niederlage an sich, die mich schmerzlich diese Entscheidung treffen ließ, sondern die Tatsache, dass ich quasi überhaupt keine Unterstützung meiner Ratskollegen erfahren habe.

Ich habe mich in den vergangenen Jahren, zuletzt als stellvertretender Bürgermeister, meines Erachtens weit über das nötige Maß ehrenamtlich für unsere Gemeinde eingesetzt.

Einige meiner Ratskollegen hatten mich sogar ermutigt mich zur Wahl des 1. Bürgermeisters zur Verfügung zu stellen.

Dieser für mich derart drastische Ausgang der Wahl zum 2. Bürgermeister, nimmt mir jegliche Basis für eine weitere vertrauensvolle und faire Zusammenarbeit.

Ich möchte mich bei all meinen Unterstützern bedanken und hoffe, dass sie mir meine Entscheidung verzeihen können.

Normalerweise werden Personalien im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung behandelt. Sie suchen aber die Öffentlichkeit. Was möchten Sie mitteilen?

Speziell die Öffentlichkeit suche ich gar nicht. Vielmehr stehe ich als Gemeinderat und Bürgermeisterkandidat in der Öffentlichkeit.

Wichtig ist mir lediglich mich zu erklären und dem berechtigten öffentlichen Interesse der Bürger gerecht zu werden.

Wie sind die Reaktionen in der Gemeinde auf Ihren angekündigten Rücktritt?

Langer: Die Rückmeldungen die ich bekomme, bestätigen mir nahezu alle, dass meine Entscheidung richtig ist.

Wer wird für Sie nachrücken und was wünschen Sie ihm/ihr?

Langer: Nachrücken wird Dominic Janda. Ich wünsche ihm natürlich viel Glück und Geschick in seinem neuen Amt. Das Interview führte Petra Maier

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