NEUES BUCH

Rudolf Münch schreibt Historisches zum Haager Handel und über das Zollamt

Die Zollamtskapelle in der Krankenhausstraße. Bauer
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Die Zollamtskapelle in der Krankenhausstraße. Bauer
  • vonLudwig Meindl
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Das wissen meist auch die versierten „alten Haager“ nicht: dass Haag einst ein eigenes Zollamt hatte. Bereits 1465 hatten die „Reichsfreiherren“ zu Haag das Zollrecht erhalten. Dazu gab Historiker Rudolf Münch nun das neue Heft der „Hagensis-Reihe“ mit dem Titel „Zollamt der Grafschaft Haag“ heraus.

Haag – Das Zollamt sollte den Warenimport in die Grafschaft Haag kontrollieren und die Straßenmaut kassieren. Ihm unterstanden darüber hinaus auch Brauereien, Metzger, Tavernen und private Bierhersteller. Das Zollrecht erhielten die Haager im Jahre 1465. Dieses Privileg galt dem Schutz der Freien Reichsgrafschaft. Erst im Jahr 1972 wurde es aufgelöst.

Der Zoll diente vorwiegend dem Handel. Dabei dachten die Haager, wie Rudolf Münch in seinen historischen Recherchen feststellte, ganz eigennützig.

Zollfrei war, was gebraucht wurde

Was die Grafschaft brauchte, durfte zollfrei eingeführt werden, vor allem Gewürze und Schweine: „Haag hatte zu wenig Schweinezucht.“ Durchtransporte von Schweinen wurden allerdings registriert. Kam ein Transport beispielsweise auf der historischen B 12, auf der die Römer schon von Augsburg nach Wien über Haag reisten, dann erhielten die Tiere am Schimmelberg vor Maitenbeth an der Haager Grenze Bleiblomben als Zollmarken. Diese wurden ihnen beim Austritt aus der Grafschaft ins bayerische Land Höhe Thambach wieder abgenommen.

Waren, die Haag selbst produzierte, wurden mit Zoll belegt, darunter Bier, Rinder, Fische, Branntwein, Schuhe, Möbel, Kleidung, Leder.

Bierschmuggel verhieß hohe Geldstrafe

Das Haager Hochgericht dokumentierte die Strafen, die beispielsweise für Branntweinschmuggel mit zwei Schilling zu Buche fielen. Schon 1547 gibt es einen Eintrag von Blasy von Steinbach und Peter Grabenstetter als Bierschmuggler mit über einem Gulden Strafe. Münch erklärt sich den häufig geahndeten Bierschmuggel so: „Das Bier des Gräflichen Haager Brauhauses war mit drei Pfennig pro Mass offensichtlich teuer.“

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Landrichter Pettenpeck mahnte im 16. Jahrhundert, die „Amtsleut“ sollten „gut Aufsicht halten, damit keine unnützen Schinter-Schweine durch die Grafschaft getrieben werden“.

Die Zöllner hatten auch die Bettler und fremden Landsknechte, die in Haag „nicht nächtigen“ durften, auszuweisen.

Aus dem neuen Heft der Haager Geschichtsreihe erfährt der Leser auch von den regelmäßigen Aufgaben des Haager Zolls bei den Märkten. Da mussten die Zöllner die Feuerstätten, Bier-, Brot- und Fleischgewichte beschauen und eichen.

Zollbeamte kontrollieren Maß beim Ausschank

Anfang des Jahres nach Dreikönig zog der Kornmeister durch die Tavernen, um die Schenkmaße der Wirte nach dem richtigen Maß zu begutachten. Er kontrollierte auch die Metzger. Da wurden die Beamten bewirtet. Die Rechnung zahlte die Grafschaft.

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Neben vielen fotografischen Eindrücken lässt der Autor der ersten Dokumentation über das Haager Zollamt die Frage offen, wo es stationiert war.

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Rudolf Münch vermutet, in der Schrannenverwaltung, also dem heutigen Rathaus, oder im Hochgerichtsgebäude. Dieses befand sich an der Stelle des Maibaums auf dem Marktplatz.

Das letzte Büro des Zollamts war jedenfalls recht bescheiden. Es befand sich im Wohnzimmer des Zöllners Franz Leistl in der Krankenhausstraße. Neben diesem letzten Haager Zollhaus steht heute noch die Zollamtskapelle mit dem Heiligen Nepomuk.

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Der Heilige Nepomuk.

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