WAS MICH FREUT – WAS MICH ÄRGERT

Rotter Hundehalter ratlos nach Begegnung mit schimpfender Frau – das rät eine Hundetrainerin

Hundetrainerin Doris Borowics-Lichtmannegger mit ihrem treuen Mitarbeiter Gianni.
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Hundetrainerin Doris Borowics-Lichtmannegger mit ihrem treuen Mitarbeiter Gianni.
  • vonPetra Maier
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  • Richard Helm
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Süßer Hund und kleiner Bub – eigentlich eine niedliche Begegnung. Bis eine erzürnte Oma dazwischen grätscht. Die Begegnung ärgert Richard Helm, dem das Hündchen gehört. „Das Kind hat brav gefragt, ob es meine Any, die total lieb ist, streicheln darf“, berichtet er. Eine Hundetrainerin gibt ihm einen Rat.

Rott– Gutes Benehmen ist nicht immer selbstverständlich – manchmal sind es Kleinigkeiten, die den Unterschied machen zwischen richtig und falsch. Was gut gemeint ist, muss vom Gegenüber nicht immer richtig verstanden werden. Besonders schwierig wird es, wenn mehrere Personen im Spiel sind – und dann auch noch ein kleiner Hund, wie unsere Geschichte zeigt, die unser Autor selbst erlebt hat:

Unser Autor Richard Helm hat sich über das Verhalten der Oma richtig geärgert.

„Seit zwei Jahren habe ich eine Hündin – eine neunjährige Rauhaardackel-Schnauzer-Terrier-Mischlingsdame mit dem Namen Any. Sie ist lieb, ein wenig frech und testet gerne Grenzen aus. Vertrauensvoll geht sie auf Menschen zu, riecht an ihnen und wartet darauf, gestreichelt zu werden. Von Kindern lässt sie sich beinahe alles gefallen, doch wenn es zu wild wird, wirft sie mir einen Blick zu, der sagen soll: „Muss das sein?“.

Any ist eine Herzensbrecherin

Sie ist sehr geduldig, geht mit mir am Rollator und wenn ich Bekannte treffe, setzt sie sich hin und wartet treu, bis unsere Plauderei beendet ist. Katzen werden von ihr ignoriert und Hühner toleriert. Sie hat nur eine Unart, sie geht auf andere Hunde los. Ganz egal, wie groß oder wie stark der andere Hund ist, sie will sofort lautstark bellend angreifen.

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Ansonsten ist Any zutraulich und eine wahre Herzensbrecherin. Sie öffnet durch ihre Art das Herz der Menschen. Sogar die Jugendlichen im Kaisergarten haben sie ins Herz geschlossen.

Dies nur zur Vorgeschichte. Neulich wollte ich meiner Any wieder einmal was Gutes tun und beschloss, ihr ein Paar der geliebten Wienerwürste zu kaufen. Vor dem Geschäft musste sie warten. Als ich mit den begehrten Leckerlis herauskam, sah ich, wie sich ein kleiner Junge vorsichtig näherte. Ich fragte den Jungen, ob er Any streicheln wolle.

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Er nickte schüchtern und streichelte vorsichtig, ja gar ehrfürchtig meinen Hund. Um den Jungen zu ermuntern, bot ich ihm eine der Wiener zum Füttern an. Der kleine Junge nahm die Wiener, brach sie in kleine Stücke und fütterte voller Stolz meine Any. Dankbar leckte sie dem Jungen die Hand.

Seine Augen begannen zu leuchten. Er hatte einen Zugang zu einem Tier gefunden. Er reichte ihr die Wurststücke mit seiner ganzen Liebe. Dieser innige Austausch war für mich ein wahrhaft magischer Moment.

Eine Schimpftirade zerstörte den Moment

Leider haben magische Momente die Eigenschaft nicht lange zu dauern. In diesem Fall wurden diese Annäherung und das Fließen von Liebe von einer heraneilenden Frau unterbrochen. Sie riss den Jungen weg und rief entsetzt: „Gehst von dem Hund weg! Du weißt doch gar nicht, ob der zuschnappt! Hunde sind unberechenbar“.

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Der kleine Bub hing mit seiner kleinen Hand verwirrt an den knochigen Händen der schimpfenden Frau.

Ich versuchte, zu beruhigen. „Mein Hund liebt Kinder und würde sie nie beißen.“ Die Frau schien mich nicht zu hören. Sie zürnte weiter: „Und abschlecken hast du dich auch lassen, da wirst nur krank!“. Sie holte ein altes Stofftaschentuch aus ihrer Manteltasche, spuckte darauf und begann dem Jungen die Hände damit zu putzen.

Groteske Situation

Es war so grotesk, ich hätte beinahe lachen können, dachte mir aber nur still: „Lieber Bub, wenn die Bakterien von diesem alten Stofftaschentuch getränkt mir der Spucke der alten Frau dir nur nicht schaden.“

Mit einem verstörten Gesicht wurde der Bub weggezogen. Er verstand nicht, warum er derart geschimpft wurde, was so falsch daran war, einen Hund zu füttern. Sein gewonnenes Selbstvertrauen im Umgang mit einem Hund war zerstört. Er wird sich mit Sicherheit zukünftig von Hunden fernhalten, denn er hat schmerzhaft gesagt bekommen, dass sie beißen und Krankheiten übertragen.

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Da hat diese Frau einen Kübel ihrer eigenen Ängste über den Jungen ausgeschüttet. Bestimmt hat sie es gut gemeint. Doch wie oft übernehmen wir Ängste von anderen, die uns daran hindern eigene und vielleicht positivere Erlebnisse zu machen? Any und ich haben die ganze Situation verständnislos beobachtet. Ich konnte nichts unternehmen, um das zu reparieren. Keiner kommt gegen eine energische Großmutter an. Ich bin mit Any nach Hause gegangen. Da bekam sie die andere Wiener.“

Das rät die Hundetrainerin:

Hundetrainerin Doris Borowics- Lichtmannegger von der Hundeschule Jacko in Aham bei Eiselfing hörte sich unsere Geschichte über die heikle Begegnung zwischen Kind und Hund in Rott an und gab uns als Fachfrau für Hundefragen Auskunft zu dem Thema „Wie funktioniert eine gute Begegnung zwischen Mensch und Hund?“

Sie stellt fest, dass der Hundehalter viel richtig gemacht hat. Er habe seinen freundlichen Hund offensichtlich richtig eingeschätzt und gewusst, dass er sich gern von einem fremden Kind füttern lassen würde. Das behutsame Heranführen des Kindes an den Hund habe sicher dazu beigetragen, so die Expertin. Es gebe viele sehr menschenfreundliche Hunde, weiß sie aus Erfahrung. Trotzdem zeigt sie auch Verständnis für das Verhalten der Frau.

„Sie hat möglicherweise schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht und aus Sorge um den Jungen so heftig reagiert.“ Auch das Abschlecken durch den Hund sein nicht jedermanns Sache. „Wer seinen Hund liebt und mit ihm das Haus teilt, der kümmert sich auch um eine regelmäßige Entwurmung“, glaubt sie, „und dann ist auch das Abschlecken nicht gleich krankheitserregend.“ Wer keinen so engen Bezug zu dem Tier habe, der könne den feuchten Hundekuss aber auch durchaus als „eklig“ empfinden. „Das muss man nicht unbedingt mögen“, wirbt sie für Verständnis.

Wichtig sei immer das beidseitige, vorsichtige Annähern – ohne Zwang für Hund oder Mensch.

In Hundeschulen könnte man das richtige Verhalten üben, wenn sie denn erst wieder öffnen dürften. Darauf wartet Doros Borowics-Lichtmannegger sehnsüchtig. „Erst waren wir Dienstleister“, jetzt sind wir „Bildungseinrichtung“ und manche möchten uns zu den Sportlern stecken“, wundert sie sich über immer neue Corona-Entscheidungen.

„Egal wohin sie uns platzieren, wichtig wäre, dass wir endlich wieder mit Hund und Mensch ein gutes Miteinander trainieren können. Die Anfragen hilfesuchender Hundehalter häufen sich. Sie könne momentan noch nicht einmal Einzelstunden buchen, erklärt die Hundetrainerin traurig.

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