Gespräch mit dem Chef der Integrierten Leitstelle

Aufsehen erregender Einsatz in Evenshausen: Wann der Rettungshubschrauber fliegt

Rettungshubschrauber „Christoph 14“ im Einsatz.
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Rettungshubschrauber „Christoph 14“ im Einsatz.
  • vonPetra Maier
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Wenn der Rettungshubschrauber „Christoph 14“ im Anflug ist, dann heben die meisten Leute auf der Straße ihre Köpfe – so wie jüngst in Evenhausen. Nicht immer bedeute der Einsatz eines Hubschraubers gleich eine Katastrophe, erklärt Stefan Ertl, Leiter der Integrierten Rettungsleitstelle in Rosenheim.

Amerang –  Wenn der Rettungshubschrauber „Christoph 14“ im Anflug ist, dann heben die meisten Leute auf der Straße ihre Köpfe und blicken sorgenvoll gen Himmel – so wie jüngst in Evenhausen. „Was wird wieder Schlimmes passiert sein“, denkt sich mancher Beobachter – doch nicht immer bedeute der Einsatz eines Hubschraubers auch gleich eine Katastrophe, erklärt Stefan Ertl, Leiter der Integrierten Rettungsleitstelle (ILS) in Rosenheim.

Erst kürzlich kam es aufgrund eines medizinischen Notfalls, der einen Notarzt erforderte, zu einem Rettungshubschraubereinsatz in Evenhausen. Die Pressemitteilung der Polizeiinspektion Wasserburg führte aus, dass zum Anforderungszeitpunkt des Arztes kein Notarztfahrzeug zur Verfügung gestanden habe. Deshalb sei ein Arzt per Hubschrauber zum Einsatzort eingeflogen worden. Die betroffene Anwohnerin wurde nach der Erstbehandlung per Krankenwagen in ein naheliegendes Krankenhaus gebracht, so hieß es in der Polizeimeldung.

Notrufe erfolgen rund um die Uhr

„So ein Einsatz gehört zu unserem Arbeitsalltag“, erklärt der Leitstellenleiter. Die ILS befindet sich in Rosenheim auf dem Gelände der Hauptfeuerwache. Rund um die Uhr werden dort alle Notrufe für Rettungsdienst und Feuerwehr über die Notrufnummer 112 angenommen, die erforderlichen Einsatzmittel alarmiert und alle Einsätze begleitend unterstützt. „Innerhalb von 60 bis 90 Sekunden müssen unsere Mitarbeiter sicher sein, welche Maßnahmen sie ergreifen,“ betont Ertl. Das sei eine schwere Arbeit, die von den Mitarbeitern eine sehr hohe Qualifikation, ständige Weiterbildung und außerordentlich gute Menschenkenntnis verlange.

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Die Mitarbeiter koordinieren und lenken die Einsätze der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes, des Rettungsdienstes (mobiler Landrettungsdienst, Notarztdienst, Luftrettungsdienst und First Responder/Helfer vor Ort, Bergwacht, Wasserwacht, Schnelleinsatzgruppen), des Technischen Hilfswerkes und der weiteren Einsatzdienste der Hilfsorganisationen. Wenn der Mitarbeiter am Telefon der Rettungsleitstelle nicht die richtigen Maßnahmen einleitet, kann es zu einer verhängnisvollen Verkettung unglücklicher Umstände kommen, weiß Ertl und schätzt seine bestens geschulten Kollegen an den sieben Einsatzleitplätzen und den bis zu sechs Abfrageplätzen deshalb sehr.

Hubschrauber schneller als der Notarztwagen

Doch zurück zum Hubschraubereinsatz in Evenhausen: Ertl legt Wert auf die Feststellung, dass die Bevölkerung in unserer Region notfallmäßig gut versorgt ist. „Wir sind hier gut aufgestellt“, sagt er; „Ich sehe kein Problem.“ Etwa acht Notärzte sind über den gesamten Zuständigkeitsbereich der ILS verteilt. Er umfasst die Landkreise Rosenheim und Miesbach und die kreisfreie Stadt Rosenheim, inklusive Berge, Autobahnen und Seen. „Sollte einmal kein Notarzt verfügbar sein, weil er gerade einen anderen Einsatz hat, dann helfen aber auch beispielsweise die Kollegen der Traunsteiner Leitstelle aus – über die Verwaltungsgrenzen hinaus.“

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Und manchmal könne es eben auch sinnvoll sein, so wie beim Einsatz in Evenhausen, statt einen Notarztwagen den Rettungshubschrauber zu schicken, „weil er schneller vor Ort sein kann als ein Auto, weil er beispielsweise den Patienten nach einem schweren Unfall eventuell in eine weiter entfernte Spezialkliniken fliegen kann oder weil er einfach von oben den besseren Überblick über die Lage hat“, zählt Ertl auf. Die möglichen Gründe für einen Hubschraubereinsatz seien (fast) so vielfältig wie die Menschen, die ihn möglicherweise benötigen würden.

112 ist die Nummer – nur für den Notfall

Dieser Aspekt, veranlasst Ertl zu einem Appell in eigener Sache: „Bitte, rufen Sie nicht wegen einem Schnupfen oder einem aufgeschlagenen Knie in der Rettungsleitstelle an. Die 112 ist eine Notfallnummer! Sie ist wichtig, um jedem Hilfesuchenden im Notfall die jeweils passende Unterstützung geben zu können – nicht um Impftermine abzusprechen oder leichte Kopfschmerzen zu behandeln.“

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