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Tag des offenen Denkmals

Auf den Spuren der Geschichte: Warum Restauratoren in Wasserburg Detektivarbeit leisten

Am „Tag des offenen Denkmals“ erklärt Restauratorin Petra Schwaerzel die geplanten Restaurierungsarbeiten an den Seitenaltären von St. Achatz
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Am „Tag des offenen Denkmals“ erklärt Restauratorin Petra Schwaerzel die geplanten Restaurierungsarbeiten an den Seitenaltären von St. Achatz
  • VonRegine Falk
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Restauratoren auf den Spuren der Geschichte erlebten die Gäste heuer beim „Tag des offenen Denkmals“. Fachleute erklärten, wie sie arbeiten – und warum die Vorgehensweise an Detektivarbeit erinnert.

Wasserburg – Das Wasserburger Museum hatte zum „Tag des offenen Denkmals“ ein ansprechendes Programm zusammengestellt: Neben Angeboten im eigenen Haus gab es unter anderem eine historische Wanderung entlang des Mühl- und Wuhrbaches, kunsthistorische Führungen durch die Wasserburger Rathaussäale und das Alte Stadtarchiv.

Und es gab Führungen durch das Bürgerhaus in der Bruckgasse, durch die Stadtpfarrkirche St. Jakob und durch die Kirche St. Achatz, jeweils mit fachlichem Einblick in die laufenden Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten.

Kirche St. Achatz wird seit sieben Jahren saniert

Viele Neugierige nutzten die Gelegenheit einer ersten öffentlichen Baustellenbesichtigung der Kirche von St. Achatz, die seit sieben Jahren saniert wird. Wie wird diese von innen wohl später aussehen? In 2023 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun: Nach Trockenlegung des Gebäudes, Beseitigung der Schäden am Dachstuhl und der Sanierung der Wände stehen jetzt die Restaurierungsarbeiten der Kirchenausstattung an.

„Man arbeitet da immer mit Herzblut“, versichert Petra Schwaerzel, die an dem Vormittag zweimal durch die Baustelle führte. Sie ist Restauratorin für Gemälde und Skulpturen. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen wird Schwaerzel die Restaurierungsarbeiten an den gefassten Teilen durchführen, also Hochaltar und die beiden Seitenaltäre, das Eingangsportal, die gefasste Sakristeitüre und das Orgelgehäuse. Sie stammen jeweils aus dem 19. Jahrhundert (1853). Schwaerzels Aufgabe und die der Kolleginnen ist es, das Vorhandene zu erhalten, Holzschäden auszubessern und zur optischen Aufwertung ästhetische Maßnahmen umzusetzen – „wenn erforderlich“, so die gebürtige Rheinländerin.

Ziel der Restaurierungsarbeiten sei es, den „historisch gewachsenen Zustand wiederherzustellen“, also das Erscheinungsbild der Kirche aus dem 19. Jahrhundert, als sie zum letzten Mal umgestaltet wurde. Wie zeitintensiv und aufwändig die anstehenden Arbeiten vor allem im Vorfeld sind, erklärte die Restauratorin anhand der neugotischen Seitenaltäre, die derzeit in einem eigenen kleinen Depot innerhalb der Kirche gelagert sind und zu einem späteren Zeitpunkt auf die steinernen Sockel an den Seitenwänden gesetzt werden.

Notwendig sind akribische Voruntersuchungen

Mit den wichtigen Vorarbeiten hat man schon 2004 begonnen. Es brauche eine „akribische Voruntersuchung, um zu einem sinnvollen Konzept zu kommen“, so Schwaerzel. Dabei gehe es zunächst darum, den Bestand zu sichten, zu erfassen und zu verstehen. Und auch den unterschiedlichen historischen Zeitphasen zuzuordnen. Über Arbeitsproben versuche man zu ermitteln, was konservierungstechnisch möglich sei und wünschenswert.

„Von jeder Farbschicht wird eine Probe genommen, um die Möglichkeit der Reinigung zu ermitteln. Erst dann kann man sich über das Maßnahmenkonzept Gedanken machen“, so die Restauratorin.

Für die Fassungsrestaurierung wurden etwa 2000 Stunden angesetzt. „Wir gehen davon aus, dass wir die Oberfläche aus dem 19. Jahrhundert in unrestaurierter Form vorliegen haben. Das ist selten“, freut sich die Expertin. Deswegen würden sich die Maßnahmen überwiegend auf die Konservierung beziehen. Mit ästhetischen Eingriffen würde man sich eher zurückhalten.

Im 19. Jahrhundert zum letzten Mal umgestaltet

Im 19. Jahrhundert wurde die 1483 bis 85 erbaute Kirche vermutlich zum letzten Mal umgestaltet, im Stil der Neugotik: Der Eingang wurde von der Nord- auf die Westseite verlegt, auch das Holzgitter wurde vermutlich eingebaut und die Fensteröffnungen vergrößert. In jener Zeit wurden auch Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert zerstört. Diese stammen aus der Frühphase des Barocks (1621 bis 1625), als Wand und Ausstattung der Kirche St. Achatz neu gestaltet wurden.

Mehrfach verweist Schwaerzel auf deren hohe historische Qualität, welche die „Feinheit wie in der Tafelmalerei“ aufwiesen. Die Malereien sollen jetzt in so genannten „archäologischen Fenstern“ sichtbar bleiben.

Der erste Blick auf die bisherigen Arbeiten lässt erahnen, dass am Ende ein „optisch ansprechendes Gesamtensemble“ das Ergebnis sein wird, das die Restauratorinnen und Restauratoren vor Ort anstreben. .

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