4000 Kubikmeter Schlamm kommen weg

Renaturierung am Laimbach in Eiselfing: Gute Aussichten für Nase und Neunauge

Der Laimbach wird von Schlick befreit: (von links) Georg Linner von der ausführenden Firma Schlammsaug aus Rechtmehring, Franz Göpfert, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Wasserburg, und Hans Weiderer, Betriebsmeister vom Verbund Innkraftwerke.
+
Der Laimbach wird von Schlick befreit: (von links) Georg Linner von der ausführenden Firma Schlammsaug aus Rechtmehring, Franz Göpfert, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Wasserburg, und Hans Weiderer, Betriebsmeister vom Verbund Innkraftwerke.
  • vonPetra Maier
    schließen

Schweres Gerät ist seit Mitte Dezember am Laimbach in Eiselfing im Einsatz: Rund 4000 Kubikmeter Schlamm sollen aus dem rechten Zufluss des Inns entfernt werden, damit vom aussterben bedrohte Flussfische wie die Nase und das Neunauge im Altwasser weiterhin gute Laichmöglichkeiten finden.

Wasserburg/Eiselfing – Maßnahmenträger ist die Verbund Innkraftwerke GmbH. Unterstützt wird das Unternehmen von den Kreisfischereivereinen Wasserburg und Rosenheim.

Franz Göpfert ist Vorsitzender der Wasserburger Fischer und seit mehr als 20 Jahren für den Naturschutz im Einsatz. Er war es auch, der vor etwa zehn Jahren die Notwendigkeit zur Renaturierung des Altwassers am Inn anmahnte und schließlich erreichte. Obwohl seine Forderungen auf offene Ohren trafen, gab es damals ein großes Hindernis: Im europäischen Vogelschutzgebiet Freiham ist das Arbeiten mit schwerem Gerät eigentlich verboten. Saugbagger waren jedoch vonnöten, um Altarme wieder zu öffnen, Anbindungen zum Inn zu beleben. 2010 gab es dann endlich die ersehnte Genehmigung für die Maßnahme.

Die Arbeit am Fluss hört nie auf

Göpfert erinnert sich noch genau, an ein erstes Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde: „Die damals zuständige Dame fragte mich vor Ort: ‚Können Sie mit garantieren, dass hier kein Frosch schläft?‘“ Er habe geantwortet: „Das kann ich nicht, aber wenn wir hier nicht bald entsanden, dann schläft dort bald garantiert kein Frosch mehr.“

Vereinbarung zwischen Verbund und Umweltministerium

Inzwischen ist viel Wasser den Inn hinuntergeflossen und die Verbund Innkraftwerke GmbH hat für die Öffnung der Altarme und deren Anbindung an den Inn viel Geld in die Hand genommen. Hans Weiderer, seit 37 Jahren Betriebsmeister der Verbund Innkraftwerke in Wasserburg hat diese Maßnahmen von Anfang an begleitet. Grundlage sei eine Vereinbarung zwischen dem Verbund und dem bayerischen Staatsministerium für Umwelt gewesen. Diese war Teil der Konzessionsverlängerung für die Nutzung der Wasserkraft am Inn. Bis 2015 sollten ökologische Defizite abgebaut und wertvolle Teile der Flusslandschaft verbessert werden. „Das ist auch gut gelungen“, erklärt Weiderer, „doch die Arbeit hört nie auf.“

Das könnte Sie auch interessieren:

„Bachauskehr“ im Priener Mühlbach rettet 10.000 Fischen das Leben

Und so beginnt auch das Jahr 2021 mit der Entfernung von Schlick, der sich über Jahre im Laimbach angesammelt hat und jetzt wieder in den Inn zurückgeleitet wird. „Das war jetzt höchste Zeit,“ verrät Franz Göpfert. Die Fischer hätten im Vorfeld der Maßnahme nach Muscheln im Schlick gesucht, um sie vor dem Bagger zu schützen, doch es seien leider nur tote Muscheln zu finden gewesen.

Kosten in Höhe von 50 000 Euro

Für knapp 50 000 Euro wird jetzt der Laimbach auf 250 bis 300 Meter Länge entsandet und auch im seitlichen Altwasserbereich wird gebaggert. „4000 Kubikmeter Schlick werden entfernt“, schätzt Weiderer. Damit soll erreicht werden, dass der Wasserpegel von derzeit 20 bis 30 Zentimeter wieder auf 1,20 Meter Wassertiefe steigt. „Das ist wichtig, damit das Wasser im Winter nicht komplett zufriert und die Fische den Bach wieder als Wintereinstand nutzen können“, sind sich Fischereivorsitzender und Betriebsmeister einig.

Mehr zum Thema:

Immer mehr Müll in der Mangfall: Seltener Fisch erstickt qualvoll an Gegenstand im Maul

Fischarten wie Nase und und Neunauge sollen hier wieder einen Rückzugsort bekommen, indem ihre Brut in Ruhe aufwachsen kann. „Ohne unsere Maßnahmen würden die Fische bei Hochwasser im Inn gleich im Schwarzen Meer landen“, macht Weiderer deutlich. So aber können sie sich dank der vielen durchgeführten Maßnahmen in den vergangenen Jahren wieder ansiedeln.

Erfolge der Renaturierungsmaßnahmen

Hans Weiderer sieht die Erfolge der Renaturierungsmaßnahmen nicht nur im Fischbestand, sondern auch bei den Vögeln und Insekten, die hier neuen Lebensraum finden. Darüber hinaus profitieren auch verschiedenste Pflanzen, die wieder an den Deichen blühen. „Monitorings verschiedener Universitäten und Institute bescheinigen durchwegs Erfolge für das Ökosystem am Inn“, freut er sich. Das Altwasser erfülle wieder seine Funktion.

Natürlich sei jede Maßnahme auch ein Eingriff in die Natur, wissen Weiderer und Göpfert, aber „sie seien auch immer der Beginn von etwas Gutem“, ergänzt Göpfert.

Das Stichwort „gut“ nimmt Weiderer gleich auf und lobt die Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde. „Inzwischen“, so bestätigt er, „ist es eine bewährte, gute Zusammenarbeit. Wir arbeiten miteinander am selben Ziel, einem intakten Ökosystem.“

Umweltbundesamt bestätigt „messbare Erfolge“

So bewertet das Umweltbundesamt die Maßnahmen: „Die Ziele der Renaturierungsmaßnahmen am Inn stehen im Einklang mit den Erhaltungszielen der vorhandenen FFH- und Vogelschutzgebiete“, heißt es auf der Internetseite der Behörde. Demnach werden die Renaturierungsmaßnahmen am Inn unter anderem durch die Technische Universität München mit einem umfangreichen Monitoring im Gewässer und in der Aue begleitet. Ein zehnjähriges Forschungsprojekt zu den Habitatansprüchen der Innfische begleitet die Maßnahmen im Inn und den Umgehungsgewässern. Und weiter: „Wesentlich war, dass die positiven Erfahrungen aus dem Monitoring nach anfänglicher Skepsis eine solide Vertrauensgrundlage für weitere Maßnahmen geschaffen haben.“

Kommentare