Nahversorgung im Dorf

Reichertsheim atmet auf: Tante-Emma-Laden „Beck z‘ Reischam“ macht weiter

Zwei Generationen: Thomas und Rosemarie Radlmair und Thomas mit Sabine Radlmair (von links).
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Zwei Generationen: Thomas und Rosemarie Radlmair und Thomas mit Sabine Radlmair (von links).
  • vonKarlheinz Günster
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Für Reichertsheim ist das eine gute Nachricht: Der „Beck z‘ Reischam“ wird in der nächsten Generation weitergeführt. Den Tante-Emma-Laden gibt es seit Jahrzehnten an der Kirche, eine Schließung wäre nicht nur ein großer Verlust für die Nahversorgung des Dorfes gewesen wäre.

Reichertsheim – Thomas Radlmair senior führte den Laden zusammen mit seiner Frau Rosemarie seit 1968. Davor hatte ihn dessen gleichnamiger Vater mit seiner Frau Anna. Die Wurzeln des Geschäftes gehen sogar noch weiter bis in die 1880er Jahre zurück. Im Laufe der Zeit wechselte das Sortiment, es gab sogar einmal Kleidung neben den Lebensmitteln. Jahrzehnte ist gebacken worden, und zwar so gut, dass drei Filialen und 15 Abnahmestellen zu beliefern waren.

Nächste Generation übernimmt doch

Gebacken wird seit zwei Jahren nicht mehr, das Alter der Radlmairs senior bewegt sich um die 80 Jahre. Deren Sohn Thomas ist Kaufmann, aber hatte mit einer Nachfolge eigentlich wenig im Sinn. Sein Interesse galt hauptsächlich Taschen aus recyceltem Material. Doch weil er im Ort lebt, bekam er auch das sich anbahnenden Defizit im Dorfleben mit, das entstanden wäre, wenn es nicht weitergegangen wäre mit dem elterlichen Geschäft. Denn das Angebot der Nahversorgung ist überschaubar, zumal auch die Metzgerei geschlossen hat. Dafür nahmen ermutigende Hinweise der Bürger bezüglich einer Fortführung des Ladens zu. „Wenn’s immer an dich hinreden, dann machst es halt“, fasste Sohn Thomas Radlmaier für sich schmunzelnd zusammen. Kann man davon leben? „Ja, es bleibt schon was hängen.“

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Anfang des Jahres war die Übergabe, nun ist eine sanfte Modernisierung abgeschlossen. Der Laden ist heller und übersichtlicher geworden, auch die Kühlung ist neu. Zum Sortiment hinzugekommen ist eine Bioecke, etwa mit Mehl von der Drax-Mühle und mit regionalen Produkten wie Kaffee aus der Martermühle. Die Backwaren kommen weiterhin aus Gars. Mittags ist jetzt auch Warmes im Angebot, etwa Leberkäse oder Pizza. Neu ist auch eine Kaffeebar mit Zeitschriften zum Stöbern. Das Grundsortiment liefert weiterhin Edeka. Die Öffnungszeiten orientieren sich an den frühaufstehenden Reichertsheimern: Montag bis Freitag von 6.15 Uhr bis 18.30 Uhr, Samstag bis 12 Uhr, am Mittwochnachmittag ist zu. Zu Fünft sei das gut zu leisten, fasst Thomas Radlmair junior zusammen, ihm hilft auch seine Frau Sabine.

Edeka hilft mit Beratung

„Unsere Kleinflächenmärkte sind von wichtig für den Edeka Südbayern Verbund“, erklärt Edeka-Pressesprecher Christian Strauß. Innerhalb der sieben Regionalgesellschaften in Deutschland betreut die hiesige in Südbayern über 1400 Märkte in diesem ländlich geprägten Gebiet. Etwa 300 davon zählen zu den kleineren Läden. Die müssen sich bei kleinen Sortimenten einem hohen Kostenpotenzial gegenüber behaupten.

Jeder Händler ist vor allem ein selbstständiger Kaufmann, den Edeka nach dem genossenschaftlichen Prinzip so gut es gehe unterstütze.

Das geschiehe durch Beratung hinsichtlich der Betriebswirtschaft, aber auch zur Logistik und zum Sortiment. Das Beratungsangebot stehe auch Gemeinden offen, die sich mit dem Gedanken eines Dorfladens beschäftigen würden. Faktoren wie die zu erwartende Kundschaft, die Alters- und Einkommensstruktur, das Lebensmittelangebot vor Ort und das Einzugsgebiet und anderes würden dabei eine Rolle spielen, so Strauß.

Bürgermeister Franz Stein: „Auch ein wichtiger Ort der Begegnung“

Bürgermeister Franz Stein

Was bedeutet der Beck z‘ Reischam für den Ort?

Franz Stein: So ein Laden ist extrem wichtig, denn er stellt die Nahversorgung, also das Angebot von Gütern des täglichen Bedarfs, sicher und ist zudem auch ein Ort der Begegnung. Ich bin sehr froh, dass die Bäckerei Radlmair mit den neuen Inhabern weitergeführt wird und möchte an alle Gemeindebürger appellieren, diese Einkaufsmöglichkeiten möglichst umfangreich und oft zu nutzen, damit das Angebot auch in Zukunft bestehen bleibt.

Für wie viele Menschen ohne Auto, schätzen Sie, ist der kleine Laden eine Hilfe?

Stein: Exakte Zahlen über Haushalte ohne Auto haben wir nicht, neben Bürgern ohne Auto gibt es auch ältere Menschen, die nicht mit dem Auto fahren können oder wollen. Aber auch für die Haushalte mit Auto ist es oft schöner und bequemer, zu Fuß oder mit dem Rad den täglichen Einkauf zu erledigen.

Kann die Gemeinde kleinere Läden in irgendeiner Form unterstützen?

Stein: Ja, wir sind im Gemeinderat Erweiterungen oder anderen baulichen Veränderungen beim Gewerbe grundsätzlich aufgeschlossen. Auch was die Stellplätze oder Auflagen betrifft, kommen wir, soweit es möglich ist, entgegen. Ich möchte alle Gemeindebürger und insbesondere die Dorfbewohner ermuntern, die beiden Einkaufsmöglichkeiten – in Ramsau ist es der Dorfladen – zu nutzen und hier nicht nur das Vergessene einzukaufen. Dann hat der Laden auch eine Zukunft und wir haben ein lebendiges Dorf.

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