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Was das Diskus-Format für eine Rolle spielt

Rattenfänger in Wasserburg unterwegs: So zahlreich sind die gefährlichen Nager

Obwohl Kanalsysteme nicht das hauptsächliche Habitat von Wanderratten im städtischen Bereich darstellen, ist ihre Bekämpfung dort von besonderer hygienischer Bedeutung, denn die Keimdichte ist in städtischen Abwassersystemen hoch, und die Gefahr der Keimverschleppung durch die Nager erheblich, so das Umwelt Bundesamt.
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Obwohl Kanalsysteme nicht das hauptsächliche Habitat von Wanderratten im städtischen Bereich darstellen, ist ihre Bekämpfung dort von besonderer hygienischer Bedeutung.
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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Aufmerksame Stadtbewohner konnten in den vergangenen Wochen wieder Schädlingsbekämpfer in Wasserburg beobachten. So groß ist das Ratten-Problem.

Wasserburg – Der Rattenfänger von Hameln ist vielen als deutsche Sage der Gebrüder Grimm bekannt: Mit seiner Pfeife spielte er im Jahre 1284 eine Melodie und lockte damit die lästigen Mäuse und Ratten in den Tod. Das ist aber tatsächlich nur eine Sage und moderne Rattenfänger gehen ganz anders vor. In Wasserburg sind momentan wieder Spezialisten der norddeutschen Firma Firma Hentschke und Sawatzki im Einsatz.

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Bautechniker Alexander Huber vom Wasserburger Bau- und Umweltamt erklärt im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung ihre Vorgehensweise.

Seit gut zwanzig Jahren wird in Wasserburg einmal jährlich aktiv Rattenbekämpfung durchgeführt, weiß Huber zu berichten. Diese Maßnahme soll das Vorkommen von frei lebenden Ratten möglichst klein halten. „Ganz wegbekommen wird man die kleinen Nager nie, aber wir setzen seit Jahren alles daran, ihre Population so gering wie möglich zu halten“, erklärt Huber. So will man einer Seuchengefahr, Schäden und Verschmutzungen durch die Tiere vorbeugen.

In jedem dritten Schacht wird „gefüttert“

Dabei gehen die Spezialisten Jahr für Jahr nach folgendem Plan vor: Zunächst wird etwa jeder dritte der rund 2800 Kanalschächte in Wasserburg mit einem Giftköder belegt (siehe Infokasten). „Man kann sagen, dass jeder Schacht von Ratten bewohnt wird, der eine mehr, der eine mehr, der andere weniger“, beschreibt Huber. Deshalb wurden im vergangenen Jahr auch 941 Schächte in Wasserburg mit Ködern bestückt. Sie sehen aus wie eine flache Scheibe, bestehen aus gepresstem Getreide und werden in der Fachsprache Kanal-Diskus genannt. An Kunststoffschnüren lassen die Spezialisten den handgefertigten Hartköderverbund in Diskusformat in den Kanal „und zwar genau so tief, dass die Köder über der Wasseroberfläche hängen“, erklärt Huber. Zwei Wochen später werden sie kontrolliert. Komplett abgefressene Diskusscheiben werden durch neue ersetzt. An Stellen, wo die Köder nur angeknabbert wurden, werden die Reste entfernt. Wieder zwei Wochen später erfolgt eine weitere Kontrolle. „Diese Prüfung läuft aktuell im Wasserburger Stadtgebiet“, bestätigt Huber.

Die letzten Jahre sei die Rattenpopulation in Wasserburg stabil, teilt er weiter mit. Das könne manchmal wechseln. „Wir haben hier in der Stadt ein Mischwassersystem. Das bedeutet, dass es die Ratten bei Starkregen auch schon mal wegspült. Sie werden dann bis in die Kläranlage geschwemmt.“ Und wenn es trocken ist, werden sie aktiver und wandern weiter umher“, beschreibt er.

Auf gar keinen Fall solle man Lebensmittelreste über die Toilette entsorgen, ruft Huber in Erinnerung. „Das wäre natürlich eine super Futterquelle für die Ratten, da würden sie sich besonders stark vermehren, wenn die Nahrungszufuhr für sie so gut funktioniert.“

Ziel sei es aber, so wenig Ratten wie möglich in der Stadt zu haben. Örtliche Schädlingsbekämpfer kämen für die Durchführung dieser Maßnahmen nicht in Frage. „Wir benötigen da tatsächlich große Fachfirmen“, erklärt Huber. Deshalb werde die Aktion auch ausgeschrieben und mit der norddeutschen Firma habe man gute Erfahrungen gemacht. „Und der Erfolg gibt uns recht, die Ratten haben wir gut unter Kontrolle.“

Hundehalter müssen übrigens nicht um ihre vierbeinigen Lieblinge fürchten. Sie kommen gar nicht an die giftigen Köder dran, da sie unter dem Kanaldeckel verschlusssicher angebracht sind, beruhigt Huber.

Im vergangenen Jahr haben die Rattenbekämpfer 941 Schächte erstbelegt, zwei Wochen später wurde bei der Kontrolle deutlich, dass die Hälfte der Schächte stark befallen war und so wurden noch einmal 470 giftige Köder angebracht. Weitere zwei Wochen später wiesen bei der zweiten Begutachtung nur noch neun Prozent der Lockmittel geringe Fressspuren auf. „Wir gehen heuer von ähnlichen Zahlen aus“, so Huber, „bisher läuft alles wie gehabt.“

26 000 Euro kostete die Bekämpfung im vergangenen Jahr

Die Sage über den Rattenfänger vom Hameln endet tragisch, denn der Mann wird für seine erfolgreiche Arbeit nicht bezahlt und lockt deshalb mit seinem faszinierenden Flötenspiel Mädchen und Buben aus der Stadt. Das steht in Wasserburg nicht zu befürchten, denn die Kosten für diese umfangreichen Bekämpfungsmaßnahmen zahlt die Stadt ordnungsgemäß. Sie beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 26 000 Euro.

„Die Ratten merken ihren Tod kaum, sie werden einfach immer schlapper“

Dr. Marcus Tensfeldt, wissenschaftlicher Leiter der Firma hentschke + sawatzki, erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung die Vorgehensweise seiner Firma bei der Rattenbekämpfung. Das Unternehmen aus Neumünster setzt bei seiner Arbeit auf den Wirkstoff Difenacoum. Dieses spezielle Wirkstoff verhindert die Blutgerinnung, sodass nach der Aufnahme der wirkstoffhaltigen Köder die Ratten an inneren Blutungen sterben. Ist das nicht qualvoll, wollten wir wissen. Doch Dr. Tensfeldt beruhigt: Die Ratten merken ihren Tod kaum, sie werden einfach immer schlapper, bis sie nach zwei, drei Tagen sterben.

Diese Einschätzung bestätigt auch der Wasserburger Tierarzt Dr. Claus Funke. „Seit Jahrzehnten setzt man bei der Rattenbekämpfung auf Blutgerinnungsmittel. Früher hießen die Wirkstoffe anders, aber tatsächlich ist es so, dass der Kreislauf der Tiere durch die Blutungen immer schwächer wird und sie schließlich einschlafen“, so der Veterinär.

Dr. Tensfeldt fügt hinzu, dass es gerade bei der Rattenbekämpfung wichtig sei, dass die Tiere keinen Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme und Tod feststellen können. Ansonsten würden nämlich die anderen Ratten eine sogenannte „Akutscheu“ entwickeln und den Köder nicht mehr anrühren. „Wir müssen unseren Köder außerdem so gestalten, dass ihn die Ratten in dem reichhaltigen Nahrungsangebot im Kanalsystem bevorzugt konsumieren. Hochwertige Cerealien werden deshalb hart gepresst, damit die Ratten sie gern annagen und anderem Futter vorziehen“, erklärt Dr. Tensfeldt weiter. Sollte das Gift einmal in die falschen Hände geraten, „würde ein Mensch es sofort wieder ausspucken, weil es sehr, sehr bitter schmeckt“, beschreibt der Wissenschaftler. Positiv ist, dass es ein Gegenmittel gibt: das Vitamin K 1. Darauf greift auch Tierarzt Dr. Funke immer mal wieder zurück, wenn beispielsweise ein Hund oder eine Katze ein vergiftetes Tier fressen und dann selbst Vergiftungserscheinungen bekommen.

Ratten sind Überträger von Krankheiten

Das Umweltbundesamt schreibt zum Thema Ratten: Wanderratten können über 100 verschiedene Krankheiten auf den Menschen übertragen. Darüber hinaus spielen Wanderratten eine bedeutende Rolle als Überträger von Tierseuchen. Ratten können Lebens- und Futtermittel durch ihren Kot und Urin verunreinigen, da diese oftmals Krankheitskeime enthalten und daher eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen und seiner Haustiere darstellen.

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