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Aus Mangel an ÖPNV

Rasende Reporterin der Wasserburger Zeitung unter Strom: Andrea Klemm ist vom E-Carsharing elektrisiert

Wer die E-Mobilität neu für sich entdeckt, fühlt sich plötzlich wieder wie damals mit 18. Wie endlich den Führerschein haben und selbst fahren dürfen. So geht es auch der OVB-Reporterin Andrea Klemm, die von der „Zoe“ des Mümo-Carsharings ganz elektrisiert ist.
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Wer die E-Mobilität neu für sich entdeckt, fühlt sich plötzlich wieder wie damals mit 18. Wie endlich den Führerschein haben und selbst fahren dürfen. So geht es auch der OVB-Reporterin Andrea Klemm, die von der „Zoe“ des Mümo-Carsharings ganz elektrisiert ist.
  • Andrea Klemm
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Rennsemmel und rasende Reporterin: So kennt man Andrea Klemm, OVB-Redakteurin. Was tut eine Journalistin im ländlichen Raum, die keinen fahrbaren Untersatz hat und nicht auf das mickrige ÖPNV-Angebot zurückgreifen kann? Sie entdeckt das E-Carsharing Mümo des Landkreises Mühldorf und ist sofort elektrisiert.

Wasserburg/Haag/Kraiburg – Landkinder kennen diese Frage: Wo bitte bekomme ich jetzt dieses ÖPNV her? Als OVB-Reporterin ohne fahrbaren Untersatz, die zwischen Kraiburg und Wasserburg pendelt, beschäftigt mich diese Frage derzeit intensiv.

Auf der Vespa bei 3 Grad am Morgen

Die kaum vorhandene Busverbindung eignet sich bei meinen Arbeitszeiten nicht. Mit der Südostbayernbahn wird es dann noch komplizierter, die Bahnhöfe sind zu weit weg. Und bei diesen Temperaturen frier ich mir der Vespa vor allem morgens den Allerwertesten ab. Ich hab es ausprobiert. Sechs Schichten Klamotten übereinander machen die 3 Grad am morgen nicht wett. Per Anhalter fahren ist auch so 90er.

Mümo zur Überbrückung

Wie gut, dass der Landkreis Mühldorf seit einem Jahr „ Mümo “ anbietet – ein Carsharing-Projekt der Elektromobilität.

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Für mich als Rennsemmel mit Spaß an Pferdestärken war das Thema E-Auto stets weit weg. Zu teuer, zu unausgereift, zu löchrige Ladenetzabdeckung, vor allem im ländlichen Raum.

„Ich bin elektrisiert“

Und überhaupt: Unter 120 Diesel-PS verdient ein Fahrzeug nicht den Namen „Auto“ – dachte ich bisher. Aber jetzt, jetzt bin ich elektrisiert. Und das bei 110 E-PS.

Buchung via App

Die Mümo-Vehikel, darunter auch Roller und Lastenräder stehen in verschiedenen Gemeinden zur Verfügung. Mit der App Moqo bucht man das gewünschte Modell am nächst gelegenen Standort. In meinem Fall wäre das Ampfing. Dort ist der Kleinwagen „Zoe “ so beliebt, dass ich kaum eine Chance habe. Ich brauche das E-Schnauferl nämlich eine Woche. Eine Stunde oder bis zu sieben Tage kann man elektrisch Mümo fahren. In Haag ist was frei. Meine Schwester fährt mich die 25 Kilometer weite Strecke. So bin ich wieder mobil und unabhängig. Zumindest eine Woche.

Der Wagen ist nicht kaputt - nur leise

Die App führt mich in kurzen Schritten zur Inbetriebnahme. Mein Fehler, dass ich denke, der Wagen ist kaputt. „Der tut nix, der springt nicht an“, ärgere ich mich. Dabei läuft die „Zoe“ längst – gespenstisch lautlos. Daran muss sich wohl erst jeder „Konvertierte“ gewöhnen.

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Ebenso an das eingebaute Tempolimit bei diesem Renault-Modell. Bei 140 Stundenkilometer ist Schluss.

„Ich geb zu gerne richtig Gas“

Ein Punkt, an dem ich knabbere, denn auf der Autobahn geb ich gern Gas. Mit der Giulietta von Alfa, die mich zwar viel Geld und Nerven gekostet hat, verband mich eine innige Liebe zum schnellen Fahren. Jetzt hat der Alfa Romeo ausgedient, ein Totalschaden durch den jüngsten Hagelsturm gab ihm den Rest.

Zeit zum Umdenken

Zeit, umzudenken. Das sagte mir eine leise Stimme schon länger. Jetzt bin ich gezwungen dazu. Mein neuer fahrbarer Untersatz soll sparsam sein, die Umwelt weniger strapazieren und nicht gleich ein Vermögen kosten. Viel Geld in einem Fortbewegungsmittel zu binden, ist unwirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß.

Lieber günstiger Gebrauchtwagen?

Während ich eine Woche in der Region – auch auf der A 94 – hervorragend und erstaunlich zügig – mit dem Elektro-Auto unterwegs bin, verliebe ich mich immer mehr in das Ding. Ja, eine kleine Probefahrt beim Gebrauchtwagenhändler mit einem günstigen Benziner (ein schnuckeliger Adam mit etwa 90.000 Kilometern auf der Mühle und einem Durchschnittsverbrauch von 5,4 Litern/100 Kilometer) zeigt mir eine Alternative mit einem agilen Kleinwagen auf, der Spaß macht. Das behalte ich im Hinterkopf.

Verrückte Schrauber-Brüder um Rat gefragt

Nachgefragt bei den Autoschraubern meines Vertrauens, Florian und Markus Rauscheder aus Kraiburg, die für das verrückte Waldkäfer-Projekt bekannt sind, sei der „Adam“ mit seinen hinteren Trommelbremsen ideal für meine Vielfahrerei und meinen rasanten Fahrstil. „Anderl, am besten kaufst du dir einen Lada Taiga, mit dem kannst du von Kraiburg querfeldein nach Wasserburg fahren, durch den Penzinger Weiher und das Ding fährt und fährt.“

Ruf als rasende Reporterin

Na Bravo, mein Ruf als rasende Reporterin eilt mir voraus. Den beiden Schrauber-Brüdern, die quasi Benzin im Blut haben, zu offenbaren, dass mich die elektrische „Zoe“ tatsächlich schon in ihrem Bann hat, bringe ich kaum übers Herz.Ich brauch `nen Wunderbaum, der nach Sprit stinkt!

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So angetan bin ich, dass ich zu recherchieren beginne, welche Möglichkeiten diverse Hersteller im Kleinwagen-Segment bieten, was ich mir leisten kann und will und ob das im Alltag praktikabel ist.

Damit fängt das Gefrett an.

Bummeln oder ins Eiscafé: Während man die Attraktivität des Mühldorfer Stadtplatzes genießt, lädt die „Zoe“ an der Ladesäule auf.

Was für ein Gefrett

Die Moqo-App zeigt alle Ladestationen an, an denen man deutschlandweit mit der EnBW-Karte aufladen kann – theoretisch. Bei Mümo ist das Laden inklusive. Man zahlt die Dauer des Sharings und die gefahrenen Kilometer. EnBW gilt als das größte Ladenetz. Auch in Wasserburg finde ich viele Stationen, unter anderem Am Gries oder bei den Stadtwerken. Doch nach einigen problemlosen Ladungen in anderen Städten, etwa am Mühldorfer Stadtplatz, mag keine der Wasserburger Stationen meine Lade-Karte. Auch die App und der QR-Code, die alternativ an den Säulen oder Wallboxen zu finden sind, funktionieren nicht.

Ratloser Tesla-Fahrer

Ratlos wende ich mich an einen Tesla-Fahrer, der neben mir hält. Der hat allerdings dasselbe Problem. Zu Hilfe eilt Franz Klein von den Stadtwerken, der mich aus Kulanz umsonst laden lässt. „Ja, astrein funktioniert das mit den Ladekarten nicht“, weiß er. „Es gibt da noch kein genormtes Abrechnungssystem. Auch EnBW wird über verschiedene Anbieter abgerechnet. Dazu kommen unterschiedliche Grundgebühren, Roaminganbieter und Telekommunikationsbetreiber“, so Klein über das Lade-Wirrwarr.

Es holpert mit den Ladekarten

Aha. Jetzt hab ich mehr offene Fragen als vorher. Dass das Laden mit verschiedenen Karten bundesweit noch holpert, hört man immer wieder. Franz Klein empfiehlt: Wer regelmäßig in Wasserburg an den E-Ladesäulen anzapfen will, kann sich für 15 Euro die Stadtwerke-Karte holen und bezahlt die Kilowattstunden (à 30 Cent) per Rechnung. „Derzeit haben wir 137 Karten ausgegeben – Tendenz steigend“, so Klein.

Stromer mit Nasenanschluss: Die „Zoe“ lädt sich mit 32 Ampere in drei Stunden vergleichsweise flott auf.

App meldet: vollgeladen

Die „Zoe“ meldet mir auf dem Smartphone, wenn sie vollständig geladen ist. Danach hat man als Stadtwerke-Kunde eine halbe Stunde Zeit, den „Tankplatz“ für den nächsten frei zu machen, sonst fallen pro Stunde 2 Euro „Strafzettel“ an, die auf der Ladekarte auflaufen.

Bundesrat entscheidet

Von anderen E-Auto-Fahrern, die ich in dieser Woche treffe, kommt der Tipp, sich alle bundesweit gängigen Ladenetzkarten zu besorgen und parat zu haben. So hat man locker fünf oder sechs Verschiedene bei sich und muss sich nicht ärgern.

Kürzlich entschied der Bundesrat, die Ladesäulenverordnung in Deutschland zu ändern, so dass man ab 2023 an jeder Station mit EC- oder Kreditkarte laden kann. Das soll für eine Erleichterung sorgen.

Ist das wirklich eine Erleichterung?

„Ja, das wäre ein genormtes Abrechnungssystem. Aber Vorsicht, das macht das Netz teurer“, bremst Franz Klein die Euphorie.

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Jeder Anbieter müsse fürs bargeldlose Zahlen ein EC-Terminal einbauen. Dazu brauche es eine verschlüsselte Datenübertragung und Prüfsysteme – was alles Extrakosten verursache, die der Verbraucher trage.

Wallbox empfohlen

Klein rät E-Auto-Freunden, sich daheim von einem zertifizierten Elektriker eine Wallbox mit FI-Schutzschalter installieren zu lassen – diese kommuniziere mit dem Wagen, wenn die Ladung abgeschlossen sei und stoppe. Das Elektro-Gefährt über Nacht einfach an ein Adapterkabel in der Garage zu hängen, sei nicht empfehlenswert. „Das mit der Dauerbelastung halte ich für gefährlich.“

Zuschuss von der KfW-Bank

Wallboxen mit 11 Kilowatt, die über 900 Euro in der Anschaffung kosten, werden von der KfW-Bank mit 900 Euro bezuschusst. Für die Leistung des Elektrikers sei mit 600 bis 1100 Euro zu rechnen.

Hans Urban aus Haag ist in der Region der Experte für E-Mobilität. In einem ausführlichen Gespräch erklärt er mir, warum sich ein Umstieg aufs E-Auto lohnt.

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Mein Fazit:

An 140 km/h Höchstgeschwindigkeit gewöhnt man sich. Auf der A 94 gibt es ohnehin zu wenige Abschnitte, auf denen man zwischen den Lastern einfach mal Gas geben kann. Außerdem kommt vermutlich in absehbarer Zeit Tempo-130 – wenn man sich mal die Europakarte ansieht. Vorausschauender und bewusster Fahren bedeutet auch weniger Blitzer-Tickets und damit eine Entlastung für den Geldbeutel.

Die „Zoe“ soll bis zu 395 Kilometer Reichweite haben. Wie weit man kommt, hängt am Ende vom eigenen Fahrstil ab. Rekuperation heißt hier das Zauberwort. Die Energierückgewinnung setzt beispielsweise beim Bremsen ein, oder wenn man den Fuß vom Gas nimmt. Auch lädt sich der kleine Stadtflitzer mit 32 Ampere in drei Stunden vergleichsweise flott satt.

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