Randale in einer Wirtschaft

Wasserburg/Traunstein/Altötting - In einem Gasthof in Altötting gab es in den ersten Stunden des 14. Februar 2013 Ärger mit einem betrunkenen Gast, der angeblich ein Messer hatte. Letztlich war kein Messer im Spiel. Vier Beamte der Polizeiinspektion Altötting hatten jedoch große Mühe, den Randalierer vorläufig festzunehmen. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Diebstahls stand der Täter, ein 23-jähriger Mann aus Wasserburg, diese Woche vor dem Landgericht Traunstein.

Die Sechste Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Dr.Jürgen Zenkel riet dem teilgeständigen Angeklagten dringend, seine Berufung gegen das Ersturteil des Amtsgerichts Altötting mit einer achtmonatigen Freiheitsstrafe anzunehmen. Nach einem Gespräch mit seinem Verteidiger, Christoph Joachimbauer aus Altötting, folgte der Angeklagte der Empfehlung.

Drei Deko-Zwerge und einen Deko-Hasen mit einem Gesamtwert von 20 Euro aus dem Hausgang des Lokals, in dem er Mitte Februar 2013 kurzzeitig wohnte, gestohlen zu haben - das räumte der 13-fach vorgeahndete, zur Tatzeit arbeitslose 23-Jährige vor Gericht unumwunden ein. Zwei Jacken des Wirts und dessen Handy im Wert von 150 Euro wollte er allerdings nicht entwendet haben. Der Angeklagte mit abgebrochener Ausbildung zum Fitnesscoach beteuerte gestern, er habe die Jacken beim Kartenspielen gewonnen.

Das wies jedoch der 59-jährige Wirt im Zeugenstand mit entrüsteter Stimme zurück. Er habe nie mit dem 23-Jährigen Karten oder ein anderes Glücksspiel gespielt. Ein Polizeibeamter schilderte dazu, der Angeklagte habe früher noch nie etwas von Kartenspielen erwähnt.

Die übrigen vier als Zeugen nach Traunstein angereisten Polizeibeamten konnten dank des Geständnisses umgehend wieder die Rückfahrt antreten.

Durch die Berufungsbeschränkung wurde der "Widerstand"-Teil des Ersturteils rechtskräftig. Demnach hatte der 23-Jährige in jener Nacht um die zwei Promille Alkohol im Blut. Zwei Polizeibeamte trafen ihn in der Wohnung im Gasthaus an und nahmen ihn wegen seiner Aggressivität und seines offensichtlich hohen Alkoholpegels "zur Gefahrenabwehr" mit auf die Dienststelle. Weil er nicht in die Arrestzelle wollte, setzte sich der Mann heftig zur Wehr. Er versuchte, sich den beiden Beamten durch Drehen, Winden und Tritte zu entziehen. Erst mit Unterstützung von zwei Kollegen und mit erheblichem Kraftaufwand konnte der Widerspenstige überwältigt und gefesselt werden. Der 23-Jährige überschüttete die vier Polizisten dabei mit Ausdrücken wie "Wichser", "Bullen", "Hurensöhne" und "Motherfucker". Als Motiv nannte der 23-Jährige gestern in dem Prozess: "Ich wollte nicht in die Zelle."

Nach dem Ziel der Berufung fragte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte erklärte: "Die acht Monate sind hart. Im Gefängnis macht man nichts." Er wolle die Zeit "sinnvoller nutzen" und eine neunmonatige Therapie wegen seiner Drogen- und Alkoholprobleme absolvieren. Als dann im Laufe der Verhandlung herauskam, dass es gegen den 23-Jährigen ein bislang nicht bekanntes Urteil des Amtsgerichts München vom Dezember 2013 über eine weitere Freiheitsstrafe von acht Monaten gibt, stellte der Vorsitzende Richter zu den von Staatsanwalt Thilo Schmidt vorgeworfenen Vorfällen in Altötting keine andere oder mildere Strafe in Aussicht. Stattdessen riet Dr.Jürgen Zenkel: "Es wird eine Gesamtstrafe mit dem Münchener Urteil zu bilden sein. Dann können Sie um den Zweidrittel-Termin kämpfen."

Dazu Dr.Zenkel: "Ob das allerdings klappt, das wissen wir nicht." Der Zweidrittel-Termin bedeutet in der Praxis: Ist die Haftstrafe zu zwei Dritteln verbüßt, wäre theoretisch Bewährung für die Reststrafe möglich. kd

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