„Corona-Übergangsgeschäft“

Konzerte weichen Kleidung: „Fichters Kulturladen“ in Ramsau macht Rolle rückwärts

Schon „Fichters Kolonialwarenladen“ verkaufte Kleidung. Nun verkauft sie Christian Wimmer erneut und vollzieht damit eine Rolle rückwärts mit seinem Unternehmen.
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Schon „Fichters Kolonialwarenladen“ verkaufte Kleidung. Nun verkauft sie Christian Wimmer erneut und vollzieht damit eine Rolle rückwärts mit seinem Unternehmen.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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„Back to the roots“ – „Zurück zu den Wurzeln“ heißt es für „Fichters Kulturladen“ in Ramsau (Reichertsheim), denn das Geschäft macht eine Rolle rückwärts und wird wieder ein Kramerladen. So nennt das Team zumindest im Scherz ihr Corona-Übergangsgeschäft.

Reichertsheim– Im Oktober vergangenen Jahres hat sich Inhaber Christian Wimmer seinen Traum erfüllt und den ehemaligen Kolonialwarenladen seiner Oma in ein Gasthaus mit Konzertsaal umgewandelt. Schon damals vor dem Hintergrund des „Wirtshaussterbens“ war dies ein risikoreicher Schritt. Doch Wimmer wollte gegen das Aussterben der Dorfmitte ankämpfen und ging ihn trotzdem.

Corona traf junge Kulturstätte hart

Und das zurecht, denn anfangs gab es großen Zuspruch aus der Bevölkerung, wie Mitarbeiterin Stefanie Kunzlmann berichtet. „Wir hatten hier regelmäßig Konzerte und jeden Sonntag ein Café.“

Dann kam der erste Lockdown. Als Kulturstätte traf es das junge Unternehmen besonders hart, denn auch nach dessen Ende blieben Konzerte und Veranstaltungen weiterhin verboten. Wimmer und sein Team wurden kreativ. „Im Frühjahr haben wir dann einen Biergarten eröffnet“, so Kunzlmann, der sei auch gut gelaufen. Doch trotz allem wird es für Wimmer finanziell langsam eng. Der zweite Lockdown und dessen Verlängerung machen dem Kulturladen zu schaffen. Außerdem lassen die angekündigten Novemberhilfen auf sich warten, erklärt der Jung-Unternehmer. Doch unterkriegen lassen will sich der Ramsauer auf keinen Fall.

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Ein Bild aus anderen Zeiten: Vor Corona gab es im Kulturladen jeden Sonntag ein Café.

Deshalb vollzog er nun eine Rolle rückwärts. Kurzerhand bauten Wimmer und sein Team das „Fichters“ um und eröffneten einen sogenannten „Pop-up-Store“ im leer stehenden Veranstaltungsraum. Aus dem Kramerladen wurde ein Kulturladen. Nun wird aus dem Kulturladen wieder ein Kramerladen.

Kleidung wurde schon früher verkauft

Allerdings handelt es sich nicht ganz um einen Kramer im herkömmlichen Sinn, denn Wimmer verkauft derzeit vor allem Kleidung sowie Geschenkartikel und selbstgemachte kulinarische Spezialitäten.

Das ist eine Übergangslösung, die passt, findet Fichter. Denn der frühere Kolonialwarenladen, den es seit der Jahrhundertwende in Ramsau gab und der seit jeher von Wimmers Familie geführt wurde, „hat schon damals neben allerhand Dingen des täglichen Bedarfs auch Kleidung geführt“, erzählt Wimmers mittlerweile 99-jährige Großmutter schmunzelnd.

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