Rost, Keime und Verschmutzung

Gesundheitsamt warnt vor erheblichen hygienischen Mängeln im Ramerberger Wasserhochbehälter

Blick ins Pumpwerk Eich: Hier besteht aufgrund veralterter Technik hoher Sanierungsbedarf.
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Blick ins Pumpwerk Eich: Hier besteht aufgrund veralterter Technik hoher Sanierungsbedarf.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Verrostete Rohre, undichte Stellen, veraltete Technik: Die Trinkwasseranlagen in Ramerberg sind sanierungsbedürftig, wie aus einem von der Gemeinde veröffentlichten Prüfbericht des Gesundheitsamtes hervorgeht. Bis auf Weiteres muss das Wasser gechlort werden. Das ist nicht die einzige schlechte Nachricht.

Ramerberg – Ramerbergs neuer Wasserwart Thomas Weinberger zeigt Galgenhumor: „Einfach kann jeder“, sagt er mit Blick auf die Tatsache, dass sich nur zwei Wochen nach seinem Amtsantritt das dramatische Ausmaß der Probleme in Ramerberg zeigte. Mehrfach war es zu einer Verkeimung des Wassers gekommen. Die Gründe wurden bei einer Begehung mit dem Gesundheitssamt deutlich: Die beiden Hochbehälter in Eich und Ramerberg sind technisch veraltet.

Derzeit Notsanierung

Im Bericht des Gesundheitsamtes wird zum 40 Jahre alten Hochbehälter in Eich vermerkt, die Belüftungsgitter und der Ablass seien verrostet, Wände seien rissig. „Insgesamt ist der Behälter in einem maroden Zustand und weist erhebliche hygienische Mängel auf. Ein dauerhaft unbedenkliches Betreiben der Wasserreserve kann hier nicht bestätigt werden“, so die Behörde in ihrem Bericht. Die Gemeinde sei schon in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen worden, tätig zu werden. Für den Hochbehälter müsse umgehend ein Sanierungskonzept erstellt werden.

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„Unhygienischer Eintrag“

Auch die Anlage in Ramerberg-Sendling entspricht laut Prüfbericht des Gesundheitsamtes nicht den hygienisch unbedenklichen Mindeststandards und werde nicht nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik betrieben. Auch ein Betriebstagebuch könne nicht vorgelegt werden. Die Belüftung sei unzureichend, der Behälter weise starkes Schwitzwasser auf. „Es werden Einspeisungen mittels Rohrsystemen oberhalb der Tropfdecke ausgeführt, die augenscheinlich zu unhygienischem Eintrag führen.“ Die Verrohrung sei zum Teil verrostet.

Probleme gibt es laut Prüfbericht vom 2. Oktober auch beim Übergabeschacht: Er habe Ungeziefereintrag aufgewiesen. Ramerberg bekommt das Trinkwasser aus Edling. Von dort wird es laut Bürgermeister Manfred Reithmeier zu 100 Prozent sauber an die Nachbargemeinde übergeben. Die Probleme entstehen also in Ramerberg. Die Kommune, die mit Rott eine Verwaltungsgemeinschaft hat, wird nach Angaben des Wasserwarts nun zuerst eine Notsanierung des Hochbehälters Eich durchführen. Zahlreiche weitere kleinere Verbesserungsmaßnahmen am Netz und den Einrichtungen hat Weinberger schon durchgeführt.

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Trotzdem wird laut Reithmeier kein Weg an einer Generalsanierung vorbeigehen. Ein Planungsbüro sei mit einer Analyse des Handlungsbedarfs und Vorschlägen für Maßnahmen beauftragt worden. Das Konzept werde dann dem Gesundheitsamt Rosenheim vorgelegt, anschließend im Gemeinderat beraten und die Vorgehensweise beschlossen. Anfang 2021 könnte das Gutachten eventuell vorliegen. Nicht ausgeschlossen sei, dass Sanierungen nicht ausreichend, sondern Neubauten der Hochbehälter effizienter sind.

Fest stehe auf jeden Fall: „Da kommen massive Kosten auf uns zu“, sagt der Bürgermeister. Die Zuschussfrage wird nach seinen Angaben derzeit geklärt. Die Sanierung der Trinkwasserversorgung werde sich vermutlich auch auf den Wasserpreis auswirken, bedauert Reithmeier.

Dosierung wird regelmäßig geprüft

„Wir schauen nach vorne und werden die Mängel Punkt für Punkt abarbeiten“, betont der Rathauschef. Vorerst müsse das Wasser weiter gechlort werden – stets nach Anweisung des Gesundheitsamtes. Der Wasserwart schließt nicht aus, dass die Chlorung in einigen Ortsteilen bis Ende 2021 weitergeht.

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In der Bürgerschaft stößt dies großteils auf Verständnis, sagt Reithmeier. Doch es gebe auch viele Nachfragen und Sorgen. Das Trinkwasser rieche außerdem deutlich nach Chlor, dies sei gesundheitlich unbedenklich, erklärt Reitmeier. Regelmäßig werde die richtige Dosierung des Chlors überprüft, täglich würden Proben genommen, ergänzt Weinberger. „Die Lösung der Probleme rund um die Trinkwasserversorgung hat die höchste Priorität in Ramerberg“, betont Reithmeier abschließend.

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