Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Verkeimung sorgt für Ärger

Ramerberger Trinkwasser-Debakel: Hat das Gesundheitsamt geschlampt?

Die Kosten für Wasser müssen neu kalkuliert werden.
+
Trinkwasser: ein hohes Gut. Für die Überprüfung ist eigentlich das Gesundheitsamt zuständig.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
    schließen

Wer trägt die Verantwortung für das verkeimte Trinkwasser in Ramerberg? Während die Bürgermeister die Schuld auf ihre jeweiligen Vorgänger schieben, haben viele Ramerberger noch einen anderen Sündenbock im Blick: das Gesundheitsamt. Hat die Behörde geschlampt?

Ramerberg - Tatsache ist, das Gesundheitsamt ist die übergeordnete Instanz für das Trinkwasser. Es überprüft auf Keime und weist die Betreiber - im Fall von Ramerberg die Gemeinde - auf Mängel hin. Einige Bürgerinnen und Bürger stellten deshalb während der Infoveranstaltung im Gasthaus Bichler infrage, ob die Behörde ihrer Pflicht genügend nachgekommen sei. Die Antworten, damals eher ausweichend. Für die Wasserversorgung sei grundsätzlich die Gemeinde zuständig, das Gesundheitsamt kontrolliere nur und weise auf Mängel hin. Dieser Pflicht sei die Behörde nachgekommen, hieß es. Die Antwort auf eine Presseanfrage der Wasserburger Zeitung klingt aber anders.

Keine Beprobung vor 2018

Denn wie Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamts Rosenheim, gegenüber der Wasserburger Zeitung bestätigt, sei eine Beprobung durch das Gesundheitsamt vor 2018 nicht erfolgt. Der Grund: Ramerberg wurde und wird durch Edling mitversorgt. „Das damalige Überwachungspersonal des Gesundheitsamts Rosenheim entschied, die stets den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entsprechenden Untersuchungsergebnisse des Edlinger Trinkwassers anzuerkennen und auf die Vorlage eigener Untersuchungsergebnisse zu verzichten“, erklärt Fischer. Erst nach Wechsel des zuständigen Überwachungsbeamten und der Leitung des Gesundheitsamts im Jahr 2018 seien dieses Verfahren eingestellt und die Durchführung eigener Beprobungen durch die Gemeinde Ramerberg gefordert worden.

Ebenfalls erst nach 2018 eingeführt: die Begehungen des Wassernetzes. Diese sind eigentlich laut Trinkwasserverordnung einmal im Jahr vorgesehen, haben in Ramerberg aber „aus Gründen der personellen Kapazitäten“ nicht regelmäßig stattgefunden, wie Fischer einräumt. „Die ersten Begehungen in der jüngeren Vergangenheit erfolgten ab 2018“, so Fischer.

„Keine Gefährdung der Gesundheit“

Trotz der Versäumnisse ist sich die Behörde sicher: „Die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger war zu keinem Zeitpunkt gefährdet“. Die nach 2018 vorgelegten Wasserbefunde hätten eine Einhaltung der mikrobiologischen und chemischen Grenzwerte belegt, erklärt Fischer. Allerdings seien bei den Begehungen regelmäßig bauliche Defizite festgestellt worden. So seien am 27. September 2018 bauliche Mängel an den Hochbehältern Eich und Ramerberg aufgefallen, deren Behebung bis zum 31. Mai 2019 angeordnet worden sei. „Bei einer Besichtigung der Wasserversorgung durch das Gesundheitsamt am 11. November 2019 zeigte sich, dass die im Vorjahr angeordnete Mängelbeseitigung nicht oder nur teilweise umgesetzt worden war und dass weitere Mängel zu Tage traten“, so Fischer weiter. Der Umfang der baulich-technischen Defizite sei insgesamt als „erheblich“ bewertet worden.

„Eine Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung durch das Trinkwasser wurde aber nicht gesehen und eine Mängelbeseitigung bis spätestens 30. Juni 2020 angeordnet“, so Fischer weiter. „Nach Abschluss waren diese dem Gesundheitsamt zu melden. Dies ist nicht erfolgt.“ Eine Überprüfung der geforderten Sanierungsmaßnahmen wäre im Herbst 2020 bei einer routinemäßigen Begehung von Seiten des Gesundheitsamtes geplant gewesen, so der Pressesprecher. Bevor es dazu kommen konnte, wurde dem Gesundheitsamt aber im Juli 2020 die Verkeimung des Trinkwassers durch den bei der Gemeinde neu angestellten Wasserwart gemeldet, so die Pressestelle des Landratsamtes weiter. Nach Informationen des Gesundheitsamts seien Bauarbeiten der Auslöser gewesen, eine mögliche fehlerhafte Schieberbetätigung sei der Behörde nicht gemeldet worden. Daraufhin sei unter anderem eine Desinfektion des Leitungsnetzes mittels Chlor angeordnet worden. „Am Folgetag fand eine Vor-Ort-Begehung des Gesundheitsamts zusammen mit dem Wasserwart statt. Diese zeigte erhebliche Mängel der Wasserversorgungsanlage, die nicht mehr den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprach“, so Fischer.

Überprüfung vor 2018 „nicht in notwendigem Umfang“

Zusammenfassend ließe sich sagen: „Trinkwasser ist ein hohes Gut, dessen Qualität rechtlich detailliert geregelt ist“, erklärt Fischer, „Das Gesundheitsamt hat die Pflicht, die zeitgerechte Umsetzung der geforderten Maßnahmen genau zu überwachen und gegebenenfalls zu sanktionieren. Dies ist vor 2018 nicht im notwendigen Umfang erfolgt.“ Seitdem sei das Gesundheitsamt aber mit der Gemeindeverwaltung in einem wiederkehrenden Austausch. Die angeordneten Maßnahmen würden zuverlässig und gewissenhaft umgesetzt. So habe die Gemeinde in den vergangenen zwei Jahren bereits schrittweise viele Sanierungsarbeiten durchgeführt und abgeschlossen. Zudem werde die Kommune, in Absprache mit dem Gesundheitsamt, eine Risikobewertung durchführen lassen, um eventuell vorhandene weitere Schwachstellen in der Trinkwasserversorgung aufzuzeigen und bereits präventiv Maßnahmen umzusetzen. Damit solle die Wasserversorgung von Ramerberg zukünftig gesichert werden.

„Einwandfreie Beprobung“ laut ehemaligen Bürgermeister

Der ehemaliger Bürgermeister Georg Gäch erklärte auf Anfrage der Wasserburger Zeitung, dass es „immer eine Beprobung“ gegeben habe. Dafür sei eine Fachfirma beauftragt worden, „die Ergebnisse waren immer einwandfrei“, so Gäch. „Sie wurden nur nicht ans Gesundheitsamt übermittelt. Die Firma hat das vergessen, das haben wir im Nachhinein festgestellt.“

Kommentare