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Anekdoten aus turbulenten Zeiten

Barfuß und mit Mist am Ball: Fußball-Senioren erinnern sich an Anfangszeit des SV Ramerberg

Stolz posiert hier die erste Mannschaft des SV Ramerberg zusammen mit dem Gründer und ersten Vorsitzenden Alois Hörtreiter (rechts).
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Stolz posiert hier die erste Mannschaft des SV Ramerberg zusammen mit dem Gründer und ersten Vorsitzenden Alois Hörtreiter (rechts).
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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Vor 70 Jahren wurde in Ramerberg einer der ersten offiziell eingetragenen Sportvereine in der Region gegründet. Zeitzeugen erinnern sich, was ein Bahnhofsvorsteher, ein Misthaufen, ein Pfarrer und der Kabarettist Dieter Hildebrand mit den turbulenten Startjahren zu tun haben.

Ramerberg – „Griesstätt hatte damals noch keinen offiziellen Sportverein, Edling nicht, Forsting und Emmering auch nicht“, erinnert sich Prälat Günther Lipok im Gespräch mit unserer Zeitung. Der erste weit und breit in der Region war der Sportverein Ramerberg. Er wurde im Jahr 1952 im Gasthaus Esterer in Zellerreit gegründet. Damals war der heutige Prälat und Ruhestandspfarrer Günther Lipok aus Ramerberg erst 16 Jahre jung – und fußballbegeistert.

Bahnhofsvorsteher Alois Hörtreiter war der Gründervater

„Die Vorbereitungen hat damals Alois Hörtreiter getroffen. Er war Bahnhofsvorsteher und Schrankenwärter und hat uns Buben animiert, in dem Verein dabei zu sein. Wir mussten nach der Gründungsversammlung die schriftliche Erklärung unserer Eltern vorlegen, dass wir im Verein spielen dürfen. Über 20 Absichtserklärungen wurden benötigt, dann hat der Bayerische Fußballverband den SV Ramerberg anerkannt.“ Der Verein war geboren.

Franz Blattenberger, inzwischen 97,5 Jahre alt, war auch dabei. Er erinnert sich gut an sein allererstes Spiel. „Es fand neben der Straße von Ramerberg nach Lehen in der Filzen statt. Wir spielten damals gegen Rott und haben haushoch verloren“, lacht er heute beim Gespräch mit unserer Zeitung.

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Josef Dasch ist heute 89 Jahre alt und erinnert sich ebenfalls gut an die sportlichen Anfänge in Ramerberg. „Unsere Spiele am Sportplatz hinter dem Stadl vom Gasthaus Bichler mussten immer unterbrochen werden, wenn ein Fuhrwerk die kleine Straße befuhr oder Fußgänger durchgingen. Dann gab‘s für einen Moment eine Zwangspause.“

Auch an den Ball erinnert er sich noch gut. „Es war schon ein Lederball, aber der hatte furchtbar harte Nähte und wenn der Ball nass war und man ihn an den Kopf bekam, dann hat’s einen direkten umgehauen, so schwer war der“, beschreibt er. Er selbst habe als Verteidiger oder im Mittelfeld gespielt. Eine Liga habe es damals noch nicht gegeben. „Wir waren wie ein blinder Haufen, fuhren mit dem großen Bus der Bundesbahn mal in Richtung Kiefersfelden und mal in Richtung Ebersberg“, erinnert er sich, je nachdem mit welcher Mannschaft der Trainer David Turner, ein Schullehrer von Attel, ein Spiel ausgemacht hatte.

David Turner, ein Schullehrer aus Attel, war der erste Trainer beim SV Ramerberg.

„Fußballschuhe hatte auch längst nicht jeder von uns. Manche von uns spielten mit Segelturnschuhen, aber die waren natürlich schnell kaputt und dann ging‘s barfuß weiter“, erzählt er. Gewaschen habe man sich nach dem Spiel im Kuhstall, eine Umkleidekabine gab es keine. „Und im Winter war das Wasser dann eingefroren“, führt Dasch aus.

Als junge Männer waren diese fünf Herren vor 70 Jahren die ersten aktiven Fußballspieler beim SV Ramerberg (von links): Günther Lipok, Sebastian Leonard, Josef Dasch, Franz Blattenberger und Franz Maier.

Lipok erinnert sich ebenfalls gut an den Fußballplatz beim Gasthaus Bichler. „Direkt neben dem Spielfeld war ein Misthaufen, auf dem unser Fußball immer mal wieder landete. Den mussten wir dann vor dem Einwurf erst wieder abwaschen, das hat keiner gern gemacht.“

1953 trat er offiziell dem Verein bei, als die Jugendmannschaft gegründet wurde. „Das war eine bunt gemischte Truppe, aus Einheimischen und Heimatvertriebenen, die sich da gefunden hatte“, beschreibt er. Wegen einer Verletzung aus Kriegstagen war er nicht der schnellste Spieler und so ließ er sich zum Schiedsrichter ausbilden. „Da kam ich ganz schön rum“, beschreibt Lipok. „Bis zu meinem Abitur habe ich wohl über 100 Spiele gepfiffen – auch Erwachsenenspiele.“ Sein Amt als Schiedsrichter habe ihm sehr gefallen und auch eine kleine Nebeneinkunft bedeutet, denn für jedes gepfiffene Jugendspiel habe er 1,50 Mark bekommen.

Prälat Günther Lipok hat noch seinen Mitgliedsausweis mit der Nummer 77 vom SV Ramerberg. Im Jahr 1953 wurde er ausgestellt, als Lipok offiziell dem Verein beitrat, weil da die Jugendmannschaft gegründet wurde.

Umsicht und Gerechtigkeit seien wichtig gewesen und er habe gelernt, schnell zu reagieren und Konflikte zu lösen. Diese Fähigkeiten seien ihm auch außerhalb des Spielfeldes sehr hilfreich im Leben gewesen, so Lipok.

Dieter Hildebrand tanzte nach der Pfeife der Kirche

Unvergessen ist ihm auch ein Freundschaftsspiel des SV Ramerberg gegen die Münchener Prominentenmannschaft „FC Schmiere“. Er habe das Spiel gepfiffen, bei dem unter anderem auch der Sportreporter Sammy Drechsel und der Kabarettist Dieter Hildebrand mitspielten. Anschließend beim Wirt habe er zum Hildebrand gesagt: „Es ist schön, einen Mann wie Sie nach der Pfeife der Kirche tanzen zu sehen.“ Der erstaunte Mitbegründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft habe daraufhin erstaunt ausgerufen: „Das ist ja ein richtiger Pfarrer, ein Schwarzer, der da gepfiffen hat.“

Sein Sportskollege Dasch erinnert sich zudem noch gut an die zahlreichen weiblichen Fans aus Ramerberg, die „ihre“ Fußballer regelmäßig vom Spielfeldrand aus verbal und manchmal auch handgreiflich unterstützten. „Die waren hübsch aggressiv“, schmunzelt er.

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