Bürgerinitiative in Aktion

Ramerberg: 154 Flyer gegen die geplante Entwidmung des Obersendlinger Weges gesammelt

Bei der Bürgerinitiative „Pro Obersendlinger Weg“ gingen inzwischen 154 Flyer zur Unterstützung des Weges ein. Wer Einspruch gegen die geplante Entwidmung einlegen will, muss sich direkt an die Gemeinde wenden. Unser Foto zeigt (von links) den ehemaligen Bürgermeister Georg Gäch, die Initiatorin der Bürgerinitiative Gabriele Scherfler und Mitinitiatorin Gabi Ried.
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Bei der Bürgerinitiative „Pro Obersendlinger Weg“ gingen inzwischen 154 Flyer zur Unterstützung des Weges ein. Wer Einspruch gegen die geplante Entwidmung einlegen will, muss sich direkt an die Gemeinde wenden. Unser Foto zeigt (von links) den ehemaligen Bürgermeister Georg Gäch, die Initiatorin der Bürgerinitiative Gabriele Scherfler und Mitinitiatorin Gabi Ried.
  • vonPetra Maier
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Wer nutzt aktuell den Obersendlinger Weg in Ramerberg? Wer haftet bei Unfällen und wer pflegt ihn? Der Gemeinderat hat einen Beschluss gefasst, eine Bürgerinitiative hat sich gebildet. Bis zum 7. Januar 2021 können Bürger ihre Stellungnahmen bei der Gemeinde abgeben.

Ramerberg – „Seit vielen Jahren benutze ich den Obersendlinger Weg, um zum Ramerberger Bahnhof und in die Arbeit zu kommen, da ich auf der RO 43 wöchentlich mindestens einmal von einem Auto von der Straße geschnitten wurde. Den Weg würden auch noch viele andere nutzen, wenn es endlich mal ein Weg wäre, auf dem man trockenen und sauberen Fußes von A nach B kommen würde“, davon ist Gabriele Scherfler aus Ramerberg felsenfest überzeugt. Sie setzt sich deshalb vehement für den Verbindungsweg ein, dessen Weiterbestand seit Langem umstritten ist (wir berichteten). Um Unterstützer zu finden, hat sie die Bürgerinitiative „Pro Obersendlinger Weg“ gegründet und mehrere hundert Flyer drucken lassen, von denen sie 600 eigenhändig in Briefkästen im ganzen Gemeindegebiet verteilt hat. 154 Bürger schickten ihre Flyer bereits an die Bürgerinitiative zurück und bekundeten damit ihr großes Interesse am Fortbestand des Weges. Doch das reiche nicht, erklärt Scherfler. Sie will erfahren haben, dass die Einsprüche der Bürger direkt an die Gemeinde Ramerberg geschickt werden müssen.

Einspruchsfrist endet am 7. Januar 2021

Die Frist endet offiziell am 7. Januar. Scherfler empfiehlt jedoch, die Einsprüche weit früher zu schicken, „da die Gemeinde vom 23. Dezember bis 7. Januar geschlossen ist.“ Im aktuellen Gemeindeblatt wirbt auch die Gemeinde um Abgabe der Stellungnahmen

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Geklärt werden soll vor allem, ob der Weg überhaupt noch eine Bedeutung für Ramerberger Bürger hat. Gleichzeitig sucht die Gemeinde nach Alternativen zu dem Fuß- und Radweg.

Wie sehr sich die Bürger eine sichere Verbindung wünschen, zeigte bereits eine Unterschriftenaktion mit mehr als 100 Unterschriften im Jahr 2013. Manchem erscheint das Befahren der RO 43 mit dem Fahrrad zu gefährlich.

Auch Sonja Dorfmeister aus Sendling ist auf den Weg angewiesen. Sie ist stark sehbehindert und darf nicht Auto fahren, hat aber einen festen Arbeitsplatz in München, den sie früh morgens mit der Bahn erreicht. „Am liebsten fahre ich mit dem Rad über den Obersendlinger Weg zum Bahnhof in Ramerberg, die RO 43 erscheint mir bei dem starken Verkehr zu gefährlich und eng ist es dort auch“, erklärt sie. Sofern die Verhältnisse es zulassen, nutze sie den Weg. Manchmal sei das jedoch nach starken Regenfällen nicht möglich.

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Das sieht Bürgermeister Manfred Reithmeier ähnlich: Vier Eigentümer würden die Frage nach der Zuständigkeit für die Pflege und Erhaltung des Weges nicht einfacher machen. Wer haftet im Schadensfall, wer hält ihn instand? Ein weiteres Problem sei, dass der Weg inzwischen auch mit Mofas befahren würde, worunter der landwirtschaftlich genutzte Boden leiden würde, so der Bürgermeister. Seiner Meinung nach, müsse eine Alternative gefunden werden.

Scherfler sieht das wiederum anders: „Es wird ständig versucht, den Weg zu boykottieren. Anfangs wurde nicht gemäht, trotz der geschlossenen Vereinbarung, sodass sich das hüfthohe Gras in die Ritzel des Rades gezogen hat und Fahren unmöglich wurde. Dann wurde Gülle gespritzt oder es entstanden solche Furchen, dass ein Durchkommen mit dem Rad undenkbar war. Genauso sieht es im Moment aus, durch die Traktoren ist der Weg voller Schlammlöcher. Wenn es mal ein paar Tage regnet, stehen knöchelhohe Pfützen auf dem Weg.“

Die lange Vorgeschichte dauert bereits sieben Jahre

In den vergangenen sieben Jahren gab es viele Ortstermine, Schreiben zwischen Gemeinde, Anwälten, den Landwirten, die hier ihre Flächen bewirtschaften, und den Behörden, juristische Auseinandersetzungen, Schlichtungsversuche – und Beschwerden von Bürgern, die eine bessere Pflege des Weges wünschten, sowie von Grundeigentümern, die sich über Störungen durch die Wegenutzung ärgerten. Auch beim neuen Bürgermeister Manfred Reithmeier (Unabhängige Wähler Ramerberg, UWR) schlug das Thema auf. Er schlug nach anwaltlicher Beratung vor, den Knoten durchzuschlagen, indem ein Verfahren für eine Teileinziehung eingeleitet wird, also für eine Aufhebung der Widmung als öffentlichen Weg. Drei Monate lang hätten die Bürger Zeit, sich dazu zu äußern – in den Augen von Reithmeier „ein fairer Weg“, denn die Entscheidung, ob es tatsächlich zur Einziehung und Aufgabe komme, werde erst nach der Bürgerbeteiligung gefällt. Die neue Ramerberger Liste/Freie Wählergemeinschaft Ramerberg (NRL/FWGR) befürchtet jedoch, dass mit dem Start des Einziehungsverfahrens Fakten geschaffen werden. Dabei sei im Januar 2020 doch eine Einigung mit einem Grundeigentümer zur Freihaltung der Verbindung erreicht worden. Im September stimmte der Gemeinderat mit 7 zu 4 Stimmen für die Teileinziehung. duc

Die Adresse für Stellungnahmen

Stellungnahmen zur geplanten Entwidmung schicken Sie an: Verwaltungsgemeinschaft Rott , Kaiserhof 3, in 83543 Rott z.Hd. Frau Schwaiger, oder direkt an die Gemeinde Ramerberg, Rotterstraße 2, 83561 Ramerberg. Bei der Gemeinde Ramerberg liegen Vordrucke für Stellungnahmen aus, die nur ausgefüllt werden müssen. Die können abgeholt werden, unter Beachtung der Corona-Bestimmungen.

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