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Zeitraum verdichtet sich

Rätsel um Fresko am Chor St. Jakob in Wasserburg (fast) gelöst

Auf dem Bild zu sehen ist die Stifterfamilie Pienzenauer/Freyberg-Eisenberg und die drei Wappen, die nun zugeordnet werden konnten.
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Auf dem Bild zu sehen ist die Stifterfamilie Pienzenauer/Freyberg-Eisenberg und die drei Wappen, die nun zugeordnet werden konnten.

Das große Lebensbaum-Fresko am Chor St. Jakob gab lange Rätsel auf - jetzt konnten drei Wappen neu zugeordnet werden.

Von Ferdinand Steffan

Wasserburg – Noch ist das große Lebensbaum-Fresko am Chor von St. Jakob verhüllt, aber wenn es wieder in die Erläuterungen durch die Stadtführer einbezogen werden kann, wird ein Detail genauere Angaben zur Datierung und den Stiftern liefern.

Bislang reicht die Zeitspanne seiner Entstehung von circa 1450 bis 1512 und von den Stifterwappen galten nur die beiden äußeren als gesichert, obwohl der Historienmaler Julius Schweizer bei seiner Restaurierung 1864 deren Tinkturen verfälscht hatte. Aufgrund der Figuren (drei goldene Kugeln auf schwarzem Querbalken bzw. in blauem Feld) ließen sich diese Wappen, die als Allianzwappen einander zugedreht sind, eindeutig einem Hans Flach von Pienzenau (gestorben 1440) und seiner Gattin Ursula von Freyberg-Eisenberg (gestorben 1431) zuordnen, die aber ihren Sitz in Kemnat bei Kaufbeuren und bislang keinen nachweislichen Bezug zu Wasserburg hatten.

Außerdem war das Ehepaar zum Zeitpunkt des Chorneubaus zwischen 1447 und 1452 schon verstorben, sodass ein anderes Familienmitglied als Vollstrecker von deren testamentarischer Verfügung in Frage kommt.

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Dabei könnte es sich um Ludwig von Pienzenau, den Bruder und Schwager von Hans Flach und Ursula handeln, der von 1445 bis 1447 Pfleger in Wasserburg war. Ungelöst war die Zuordnung des mittleren Wappens, das durch seine Position einen heraldischen Ehrenplatz einnimmt. Die gängigen dreigeteilten Wappen lieferten weder Bezüge zur Sippe der Pienzenauer noch zur Stadt Wasserburg, zumal man davon ausgehen musste, dass auch hier der Maler Julius Schweizer die Farben verfälscht hatte.

Erschwerend kam hinzu, dass sich in die Genealogie der Pienzenauer ein Fehler eingeschlichen hatte, weil die Namen Puchberg und Puchbeck verwechselt worden waren. Der Vater von Hans Flach und Ludwig von Pienzenau, der ebenfalls den Vornamen Ludwig trägt und 1431 verstorben war, hatte in zweiter Ehe eine „Agnes von Puechbeck zu Buechbach“ (gestorben 1439) geheiratet, deren Wappen dreigeteilt, in den Farben schwarz-silber-rot, ist. Die Puchberg würden dagegen drei Halbmonde im Schild führen. Somit konzentrieren sich alle interpretierbaren Details auf Ludwig von Pienzenau d.Ä. mit Agnes von Puchbeck sowie deren Söhne Ludwig von Pienzenau d. J. und Hans Flach mit Ursula von Freyberg- Eisenberg, wobei möglicherweise Agnes von Puchbeck „nur“ die Stiefmutter zu den Söhnen war.

Der Zeitraum verdichtet sich also um die Jahre des Chorneubaus, sodass spätere Datierungen hinfällig erscheinen. So hatte man aufgrund der Darstellung eines Geistlichen unter den Votanten angenommen, der Stifter könnte Johann von Pienzenau sein, ab 1435 Domherr zu Augsburg, 1436 Kanonikus am Dom zu Freising und schließlich 1465 Propst des Stifts Moosburg, der 1479 gestorben ist und Sohn von Hans Flach und Ursula von Pienzenau war.

Wäre er der unmittelbare Stifter, so müsste man annehmen, dass er nicht nur in der ersten Reihe der Votanten, sondern auch in seiner Kleidung als Chorherr und Propst dargestellt wäre. Die sieben Votanten lassen sich nur allgemein der Familie des Hans Flach und der Ursula von Pienzenau, deren Eltern väterlicherseits sowie möglicherweise dem Bruder des Hans Flach, dem Pfleger Ludwig d. J. von Pienzenau, zuordnen. Den sieben Votanten des Freskos stünden sieben männliche und zwei weibliche Personen laut Stammbaum gegenüber.

Auch wenn nun ein weiteres Mosaiksteinchen zur Interpretation des Lebensbaum-Freskos gefunden wurde, bleibt die Frage nach dem ausführenden Künstler ungelöst. Das komplexe theologische Thema und die detailreichen Darstellungen mit ihren erläuternden Schriftbändern in bestem Latein weisen eher auf einen humanistisch gebildeten, auswärtigen, als auf einen ortsansässigen Maler hin.

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