Radler-Bande treibt ihr Unwesen

Wasserburg – Im April 2016 hat eine dreiköpfige Bande den nördlichen Landkreis heimgesucht.

Wie vor Jahren im Stile eines Schinderhannes zogen sie nachts von Haus zu Haus und von Gehöft zu Gehöft, um zu stehlen, was nicht niet- und nagelfest war.

Weil sie ohne Pkw unterwegs waren, entwendeten sie unter anderem Fahrräder. Jetzt stand ein Mitglied der sogenannten „Radler-Bande“ vor dem Schöffengericht in Rosenheim.

Weil sie in einem Fall nur zwei Fahrräder erbeuteten, setzte sich kurzerhand einer der drei in einen Fahrrad-Kinderanhänger und ließ sich von einem Kumpan transportieren. Das ist belegt, weil die beiden dabei von einer Überwachungskamera auf Video gebannt wurden.

Eine aufgebrochene Scheune und zwei weitere Lagerplätze im Wald waren die Stützpunkte der drei, die aufgrund des Fahndungsdrucks der Polizei schließlich entflohen. Dabei mussten sie den größten Teil der Beute zurücklassen.

Zunächst unerkannt entkommen, identifizierte die Polizei zwei von ihnen mittels der aufgefundenen DNA, welche in Österreich registriert war. Dort war die Bande nicht nur ebenfalls stehlend aktiv gewesen, sondern auch gefasst und verurteilt worden.

Auch den dritten Täter offenbart

Der erste Täter, ein damals 28-Jähriger, wurde im Juli 2017 in Konstanz bei der Einreise festgenommen und im November 2017 zu drei Jahren Haft verurteilt und zwischenzeitlich nach Moldawien abgeschoben (wir berichteten). Der zweite Täter war ebenfalls mit internationalem Haftbefehl gesucht worden, aber erst im März dieses Jahres in Frankreich aufgefallen, als er von England kommend dort einreisen wollte. Im Juni nach Deutschland ausgeliefert, stand nun auch er, ein 26-jähriger Bauarbeiter, ebenfalls aus Moldawien, vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Christian Merkel.

Das Gericht wollte den Sachverhalt und dessen Beurteilung mit dem vorher ergangenen Urteil aus 2017 ins Verhältnis setzen und lud zu einem Rechtsgespräch. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Gérald Esswein-Bielauskas, war bemüht, wegen des zeitlichen Abstandes und weil sein Mandant im Nachhinein auch in keiner Weise mehr straffällig geworden war, eine Bewährungsstrafe zu erreichen.

Die Staatsanwaltschaft machte dabei zur Bedingung, dass der Angeklagte den bislang unbekannten dritten Täter offenbare. Das geschah auch und wegen der langen Untersuchungshaft im Zusammenhang mit der nun erfolgten Aufklärungshilfe war der Staatsanwalt bereit, einer Verständigung mit dem Ziel einer Bewährungsstrafe zuzustimmen.

Entsprechend den Vorgaben plädierte er auf das vorgegebene Höchstmaß von zwei Jahren Haft, wohingegen der Verteidiger lediglich um eine angemessene Strafe mit der Aussetzung zur Bewährung bat.

Das Schöffengericht in Rosenheim verhängte die in der Verständigung vorgegebenen zwei Jahre Gefängnis und setzte diese zur Bewährung aus. Der Richter erklärte in der Begründung, dass die relativ milde Strafe nur möglich gewesen sei, weil der Angeklagte sichtlich den Weg der Kriminalität verlassen habe.

Sollte die Staatsanwaltschaft nun auch des dritten Täters habhaft werden, wird man sich wohl noch einmal vor dem Gericht in Rosenheim treffen.

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