„HAAGER KULTURHERBST“

Potpourri des „Riesenblödsinns“

Potpourri des „Riesenblödsinns“:Schauspieler Hansi Anzenberger brachte das Münchener Original Karl Valentin auf die Haager Bühne. Bauer
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Potpourri des „Riesenblödsinns“:Schauspieler Hansi Anzenberger brachte das Münchener Original Karl Valentin auf die Haager Bühne. Bauer

Der Schauspieler Hansi Anzenberger brachte das Münchener Original Karl Valentin auf die Haager Bühne. Im Bauernmarkt begeisterte er das Publikum mit einem eigens dafür zusammengestellten Programm. Aufgrund der großen Resonanz wird diese „Welturaufführung“ zum Auftakt des Haager Kulturherbstes wohl wiederholt werden.

Haag– Die Idee zu diesem Auftakt für den „Haager Kulturherbst“ hatte Bauernmarktchef Josef Hederer. Daraufhin ergründete Hansi Anzenberger auf den Spuren Karl Valentins einen originalen Werdegang. Zehn Bücher arbeitete er über „Valentin Ludwig Fey“ alias Karl Valentin durch und folgerte: „Das war nicht immer lustig. Er hatte eine schwere Zeit erlebt.“

Das historische Gewölbe des Bauernmarktes war in Kerzenlicht getaucht. Selbst die Speisekarte war auf das Münchener Original mit Entenragout und „Semmelknödeln“, Schwammerl und Brotsuppe abgestimmt. Schon eine halbe Stunde vor Beginn war der Saal gefüllt. Hansi Anzenberger dazu: „Das werd‘ ich wohl wiederholen dürfen.“

Nach einem Gruß an die „hochgeehrte Versammlung“ und einem „Habe die Ehre!“ im Namen Karl Valentins zog Hansi Anzenberger in einer sich emotional stets steigernden Darbietung alle Register seines schauspielerischen Talents. Er mimte Männer- wie Frauenstimmen, jonglierte mit den Dialogen und versetzte die Zuhörer mit zungenbrecherischen Zitaten in Staunen. Dazu gehörten „Rembremerdeng“, „Hiagl wmpft“ und das Spezialmedikament aus der Apotheke. Für die Gesangsstücke wie die „Lorelei“, den „Maskenball der Tiere“ und die „Alten Rittersleit“ hatte er seine Ukulele gestimmt. Die Stimme strapazierte er mit den sich beschimpfenden Hausmeisterinnen, die sich mit „Du zammagschneckerlter Hausmoastatrampe“ und „Rinnsaugade Hausmoastadrecksdrossl“ an den Kragen gingen.

Hansi Anzenberger hatte den Auftritt in Haag zwischen den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel und seinem nächsten Engagement am Landestheater Niederbayern eingeplant, wo er im „Azzurro-Pop-Menü“ in 15 Rollen zu sehen ist. Der gebürtige Haager stand schon als Kind unter dem damaligen Theaterchef Erwin Wohl auf der Bürgersaalbühne und hat seitdem seine Haager Fans.

Neben Stücken und Liedern des Karl Valentin zeichnete er das anstrengende Leben dieses Künstlers nach, der schon als Bub in der Münchener Au seine Streiche plante, die Volksschule „Zuchthaus“ nannte und Mädchen mit Zöpfen schikanierte. Diese waren nämlich „leichter zu packen“ als die, mit den damals neumodischen Bubiköpfen.

„Ich habe die Frau in meinem Leben noch nie gesehen“ Karl Valentin

Zum Repertoire gehörte aber auch der „ganz exotische Traum“, aus dem Valentin geweckt wurde, als er gerade als Ente einen langen, gelben Wurm verspeisen wollte. Sein Humor soll ja schon bei der Geburt begonnen habe: Er habe nicht das Licht der Welt erblickt, da er in der Nacht geboren sei. Die erste Überraschung seines Lebens hatte er dann mit der Hebamme: „Ich habe die Frau in meinem Leben noch nie gesehen.“

Im Potpourri des „Riesenblödsinns“ tischte Hansi Anzenberger natürlich auch Liesl Karlstadt auf, bevor ihn die Haager mit großem Applaus wieder in die weite Welt schickten.

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