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Porträt der Woche: Hermann Kühn

Mit Eseln und Schweinen: Ein Leben wie im Paradies hoch über Wasserburg

Mächtig stolz auf seinen Esel Merlot, der aus der Schweiz stammt: Biobauer Hermann Kühn.
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Mächtig stolz auf seinen Esel Merlot, der aus der Schweiz stammt: Biobauer Hermann Kühn.
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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Ein Leben wie im Paradies lebt Hermann Kühn hoch über Wasserburg mit Schweinen, Puten, Hühner, Rindern und Schafen. Eine in sich stimmige, intakte Welt, abgerundet von sanften Wiesen, dutzenden Obstbäumen und Weinreben. Viel Arbeit – aber sein Lebensmotto heißt: „Hier und jetzt genießen“.

Wasserburg – Da sage noch einer, dass das nicht geht: Berufstätig zu sein, einen Bauernhof mit viel Getier zu betreiben, Hobbys zu pflegen und dazu noch in den Urlaub zu fahren, wenigstens einmal im Jahr. Hermann Kühn schafft das – ganz unangestrengt. So jedenfalls wirkt er auf den Besucher, der sich auf seinem lauschigen Anwesen umschaut. „Ich bin eben ein sehr geerdeter Mensch“, sagt der 49-Jährige.

Ein Leben wie im Paradies

Der Ausdruck Paradies mag manchmal überstrapaziert sein, auf den Burgstallhof trifft er bestimmt zu. Hoch über Wasserburg lebt Kühn mit seiner Frau Angela in tierischer Gesellschaft: Schweine, Puten, Hühner, Rinder und Schafe haben hier ein artgerechtes Zuhause. Eine in sich stimmige, intakte Welt, abgerundet von sanften Wiesen, dutzenden Obstbäumen und Weinreben.

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Vier Bienenvölker gibt es auch noch. Vor Corona hat der Biobauer oft genug Schulkinder zu Gast gehabt, er konnte ihnen die Augen öffnen dafür, was das Paradies ausmacht, das er sich erschaffen hat. Kühn ist einer, der sein Wissen gerne mit anderen teilt.

Kein anderes Leben vorstellbar

Ob er sich überhaupt noch ein Leben in einer anderen Umgebung vorstellen könnte? „Nein“, sagt er. „Das ist mein Heimatort, hier bin ich verwurzelt, hier habe ich meinen Halt gefunden.“ Eine kleine Wohnung in der Stadt wäre bestimmt nichts für ihn.

Auf dem Burgstallhof kann sich Kühn dagegen ausbreiten: „Was ich habe, ist die Grundlage meines Lebens. Wir bewirtschaften vier Hektar, es ist ein reiner Grünlandbetrieb ohne Ackerland.“ Und ein erfolgreicher: Das Fleisch aus dem Burgstallhof findet reißenden Absatz.

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In einem kleinen Gehege vor dem Wohnhaus stehen die beiden Esel Merlot und Myrto. Kühn holt weit aus und seine Augen funkeln, als er die Geschichte erzählt, wie er Merlot nach Bayern überführt hat. Kurz zusammengefasst: Die Umsiedlung geht auf eine Freundin im Wallis zurück, bei der er auf einem Bergbauernhof untergebracht war. „Da hab ich mitgearbeitet – und als Lohn den Esel bekommen, den ich auf dem Viehanhänger heimtransportiert habe.“

Eselvater Merlot

Merlot ist jetzt 20 Jahre alt und aus dem Burgstallhof gar nicht mehr wegzudenken. „Der Vater von vielen kleinen Fohlen in der Umgebung von Wasserburg“, erzählt Kühn mit einem Schmunzeln. „Auch die Esel in Attl stammen von ihm ab.“

Auf dem Burgstallhof wuchs Hermann Kühn auf, er ging in Wasserburg zur Schule und machte eine Lehre in einer Zimmerei in Kerschdorf. Als Zimmermann brachte er den Burgstallhof auf Vordermann, sanierte die Gebäude und baute aus. Nach einem schweren Motorradunfall musste sich der damals 20-Jährige allerdings umorientieren.

Arbeit als Heilerziehungspfleger

Über den Zivildienst, den er in Brannenburg ableistete, fand er aber schnell eine neue Aufgabe – und zwar als Heilerziehungspfleger. Diese pädagogische Tätigkeit übt er bis heute aus – in der Stiftung Attl. Seit einigen Jahren arbeitet er als Gruppenleiter. „Mir macht es unheimlich viel Spaß, mich mit den Menschen dort zu beschäftigen“, sagt er.

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Wie er mit der ganzen Arbeit – auf dem Hof und in der Stiftung - über die Runden kommt? „Das funktioniert nur, weil meine Familie – meine Frau, meine 3 Kinder und meine Eltern – mit anpacken.“ Kühn weiß mittlerweile aber auch, wie er den Hof „sehr zeitsparend“ bewirtschaften kann. „Ich arbeite sehr strukturiert, habe einen festen Organisationsplan“, erklärt er. Aber das gemeinsame Frühstück mit seiner Frau lässt er sich nicht nehmen: „Das ist das Schönste am Tag.“

Auch als Bergwachtler im Einsatz

Mehrfach betont er, wie wichtig es ihm sei, vielseitig beschäftigt zu sein. „Es ist schön für mich, wenn ich in Attl mit Menschen mit Beeinträchtigung arbeiten und zu Hause für mich selbst Hand anlegen darf.“ Die Zimmerei will er sich als Hobby erhalten: „Nur Landwirtschaft wäre mir zu wenig.“ Auch die Einsätze für die Bergwacht sind im wichtig. „Wenn ich im Dienstplan stehe, hat das erste Priorität.“

Unverzichtbar sind für ihn die Reisen – hoffentlich bald nach Griechenland – die Skitouren und das Bergsteigen. Kürzlich hat er sich ein Rennrad gekauft. Das Leben „hier und jetzt“ genießen – lautet seine Devise.

Steckbrief

Name: Hermann Kühn

Geburtstag:

1. Februar 1972

Geburtsort: Wasserburg

Berufsausbildung:

Zimmermann und Heilerziehungspfleger

Kurz und bündig

Worauf sind Sie stolz?

Auf meine Familie. Die ist ein tragender Teil von mir.

Was sind Ihre Träume?

Ich bin einer, der immer neue Ideen entwickelt. Man darf nicht stehenbleiben. Zum Beispiel verkaufen wir unsere Schafwolle jetzt als Dünger. Das ist so eine neue Idee.

Was für ein Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?

Der Wal und das Ende der Welt. Ein Roman von John Ironmonger. Am liebsten aber lese ich Sachbücher.

Was würden Sie noch einmal tun?

Ganz, ganz viele Dinge. Darunter auch gern eine schöne Skiabfahrt von einem tollen Gipfel.

Wann sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

Ich habe in meinem Leben ein paar Unfälle gehabt.

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