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FACEBOOK-GRUPPE „CHIEMGAU – DO BIN I DAHOAM“

Plattform für und über den Chiemgau

Drei Jahre ist es her, dass Michael Inneberger die Facebook-Gruppe „Chiemgau – Do bin i dahoam“ gegründet hat. Dass diese auf über 5400 Mitglieder anwachsen würde, hätte er nicht zu träumen gewagt. kad

Nicht alle der 5423 Mitglieder sind im Chiemgau „dahoam“, aber sie alle fühlen sich der Region verbunden. Die Facebook-Gruppe „Chiemgau – Do bin i dahoam“ gibt ihnen eine Plattform, um Insider- und Veranstaltungstipps sowie Fotos auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Chiemgau– Oft wird nach einem Tipp gefragt. Etwa, wo es die besten Kaspressknödel rund um den See gibt, oder wo man schön frühstücken kann. Der eine ist auf der Suche nach einer Wander-Empfehlung, die andere forscht nach einer verschollenen Jugendfreundin. Kürzlich wurde ein Name für den neuen Kater gesucht. Häufig gibt es Bilder mit der Frage „Wer weiß, wie diese Blumen/Raupe heißt?“. Und Hobbyfotografen posten auf der Suche nach Anerkennung ihre schönsten Bilder – diesen Sommer vor allem Sonnenuntergänge am See. Für sie alle hat Michael Inneberger vor drei Jahren die „Chiemgau – Do bin i dahoam“-Gruppe ins Leben gerufen.

„Ich machte damals Urlaub dahoam und hatte Zeit“, erinnert sich der Nußdorfer. Sein Grundgedanke: Eine Gruppe für die Region sollte es sein, in der alte Erinnerungen, neue Impressionen, Geschichten, Neuigkeiten, Gemeinsamkeiten, Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten und die Liebe zur Natur geteilt werden können.

Damit traf Inneberger wohl einen Nerv. Mit 200 Freunden aus dem Chiemgau ging er an den Start. „Das wird sich nicht viel erhöhen“, dachte er damals. Doch die Gruppe wurde zum Selbstläufer. Nach dem ersten Jahr waren es schon 800 Mitglieder, nach dem zweiten Jahr 2500, nach dem dritten Jahr sind es nun 5300.

Nicht alle von ihnen leben im Chiemgau, wollen aber am Leben hier ein Stück weit teilhaben. So wie Achim Conradi. Er kam vor ein paar Wochen eigens aus dem mittelhessischen Limburg hergefahren, weil der Frasdorfer Christian Ertl eine Chiemsee-Umrundung zu Fuß geplant hatte und in der Gruppe „Mitläufer“ suchte.

Chiemsee umwandert

„Mit dem Radl machen die See-Umrundung alle“, hatte sich der 47-Jährige gedacht. Da er gerne und auch lange Strecken wandert, kam die Idee auf, den Chiemsee mit seinen rund 60 Kilometern an einem Wochenende zu umwandern. Ein paarmal rief er über das soziale Netzwerk auf, ob jemand zumindest ein Teilstück mitgehen möchte. Viele kommentierten und lobten das Vorhaben, aber eine fixe Zusage kam nur von Achim aus Limburg.

„Das ist wie ein Blind Date“, sagte Christian Ertl zu seiner Freundin, als sie ihn zum Startpunkt der Tour Prien fuhr. Gesehen hatten sich die beiden Männer noch nie, und dennoch: „Innerhalb von fünf Minuten hat es gepasst.“

Das tolle Wochenende, an dem der Frasdorfer und der Limburger den Chiemsee tatsächlich komplett umrundeten, die dabei gelaufenen Blasen und verdienten Einkehr-Pausen erlebten und feierten über Facebook viele mit. Und auch ihr nächstes Vorhaben werden die zwei mit der Öffentlichkeit teilen, sofern sie es denn wirklich tun: Zu Wintersonnwend wollen sie den See in einem Rutsch umwandern, von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang.

Wobei es „Öffentlichkeit“ nicht ganz trifft: „Chiemgau – Do bin i dahoam“ ist, wie Inneberger erklärt, eine geschlossene Gruppe. Das heißt, wer dabei sein will, schickt eine Anfrage an ihn. Abgelehnt wird keiner – ob aus München, Berlin, Wien, Österreich oder Australien. Doch „Fake-Profile“, die zu keiner realen Person gehören, lehnt Inneberger ab.

Da die Kontrolle bei rund 100 Anfragen im Monat viel Zeit kostet und der 50-Jährige auch noch einen Beruf hat – als Kundenbetreuer einer Firma für Carbontechnik in Salzburg – hat er sich Verstärkung geholt. Die Arbeit des Administrators teilt er sich inzwischen mit Jaqueline Regenfelder und Volker Eschenbach.

Inhaltlich sei eine große Bandbreite gewünscht, versichert der Nußdorfer. Was nicht gehe, seien rechtsradikale und sexistische Beiträge oder jede Art politischer Werbung. Und: Der Umgang miteinander soll angemessen sein. „Alle Beiträge und Antworten bitte in der Form, wie du auch angesprochen werden möchtest“, so seine Bitte an die Mitglieder.

Er persönlich, so verrät er, lese am liebsten die Beiträge, in denen Wanderwege und Almen vorgestellt werden. „Ich habe dafür selber keine Zeit mehr, und so bin ich wenigstens im Geiste ein bisschen dabei“, sagt er.

Regelmäßig schaut sich Inneberger die Statistiken der Gruppe an. So weiß er, dass sich hier mehr Frauen als Männer austauschen und die Masse zwischen 45 und 54 Jahre alt ist. Oder dass der beliebteste Beitrag 2880-mal gelesen und 181-mal kommentiert wurde. Spitzenreiter-Foto des Sommers ist übrigens der Blutmond, da hat es eines der Bilder auf 333 „Gefällt mir“-Angaben gebracht. Interessant auch: Die größte Aktivität in der Gruppe herrscht am Sonntag zwischen 19 und 20 Uhr.

Gruppentreffen im Strandbad

Wie viele Menschen sich dank der von ihm initiierten Facebook-Gruppe schon im echten Leben kennengelernt haben, weiß Michael Inneberger indes nicht. Ein offizielles Gruppentreffen gab es im Herbst 2017, damals im Überseer Strandbad. Das, so sagt er, sei wirklich super gewesen. Ob es nochmals eines geben soll, weiß er angesichts der steigenden Mitgliederzahl nicht so recht: „Du weißt nie im Vorfeld, ob kaum einer kommt. Und was mache ich, wenn über 5400 kommen?“

Doch auch so gibt es Neues: Das Gruppen-Logo, das sein Sohn entworfen hat, ist gerade eben als Profilbild an den Start gegangen. Und unter „Chiemwelt“ ist eine Homepage mitsamt Fan-Shop entstanden. Wenn sie wollen, können Christian und Achim auf ihre erfolgreiche Chiemsee-Umrundung zu Wintersonnwend mit Biergläsern anstoßen, auf denen draufsteht „Chiemgau – Do bin i dahoam“.

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