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Energiekrise zwingt zum schnellen Handeln

Photovoltaik rauf auf die Dächer: Jetzt pressiert‘s auch in Wasserburg

Über den Dächern klettern bei der Mittelschule am Klosterweg die Traumtänzer, auf den Dächern oder an der Fassade hätten viele Stadträte gerne auf die Schnelle eine Photovoltaikanlage.
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Über den Dächern klettern bei der Mittelschule am Klosterweg die Traumtänzer, auf den Dächern oder an der Fassade hätten viele Stadträte gerne auf die Schnelle eine Photovoltaikanlage.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Jetzt pressiert‘s: Seitdem die Strompreise explodieren, wird allerorts mit Vollgas auf Photovoltaik gesetzt. Auch bei der Stadt: Doch lassen sich Anlagen auf die Schnelle installieren – etwa auf der Mittelschule? Der Bauausschuss drängte die Verwaltung, Tempo zu machen. So einfach ist es aber nicht.

Wasserburg – Gibt es noch Potenziale für Photovoltaikanlagen auf stadteigenen Gebäuden? Vor allem Möglichkeiten, zeitnah zu reagieren? Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann stellte im Bauausschuss einen zweistufigen Fahrplan vor: Maßnahmen, die sofort realisiert werden können und Vorhaben, die die Stadt anpacken will, aber die eine aufwendigere Planung benötigen. Egal ob zeitnah oder später: Ziel soll es jeweils sein, Strom per PV für den Eigenbedarf zu produzieren und nicht, um ihn ins Netz einzuspeisen, so Herrmann. Die Stadt wolle nicht als Stromverkäufer auftreten. Sie will sich nur unabhängig machen.

Nicht immer geht es schnell rauf aufs Dach

Schnell rauf aufs Dach: Das geht bei der Pumpstation nahe Meggle und beim Schöpfwerk am Inn. Die Planung laufe, die Ausschreibung werde noch heuer stattfinden, die Umsetzung 2023, gab Herrmann bekannt.

Außerdem hatte sich die Stadtbaumeisterin vier Objekte angeschaut, die ebenfalls in Frage kämen: die Mittelschule, die einen hohen Verbrauch hat unter anderem auch als Folge der zentralen Lüftungsanlage, ein Gebäude am Friedhof am Herder, den Kindergarten Reitmehring und die dortige Grundschule mit Schwimmbad.

Das Fazit nach einer Begehung mit Haustechnikern und Experten: Nicht geeignet ist laut Herrmann das Dach am Friedhof. Es ist 50 Jahre alt, besteht aus Eternitplatten. Das lässt die Alarmglocken klingeln: Denn es ist mit Asbest zu rechnen, warnte Herrmann davor, hier einzugreifen und „ein Fass aufzumachen“. Außerdem habe das Gebäude nur einen geringen Verbrauch, es bestehe also kaum Bedarf für die Photovoltaik.

Statik muss geprüft werden

Die Mittelschule hat bereits eine PV-Anlage. Geht noch mehr? Das Dach ist laut Herrmann verschachtelt und ausgereizt. Die Lüftungsanlage nimmt viel Platz weg. Eine zusätzliche Belastung könne das Dach nicht tragen. Eine Option sei lediglich der Foyerbereich. Hier ist noch Platz, weil keine Lüftungsanlage vorhanden. Eine Rechteckfläche könne für die PV generiert werden, so Herrmann. Jetzt müsse die Statik genau geprüft werden, dann könne die Stadt es nächstes Jahr eventuell angehen.

Potenzial gibt es möglicherweise auch auf der Grundschule Reitmehring mit Feuerwehr und Schwimmhalle. Auf dem Mittelbau wäre noch Platz, ob die Statik passe, werde zur Zeit geprüft, teilte die Stadtbaumeisterin mit. Auch diese Anlage soll für den Eigenverbrauch der Schule mit Schwimmbad geplant werden, die Stadt erwartet hier eine Entlastung.

Der Kindergarten Reitmehring hat ein Dach, das aufgrund von Holzträgern statisch keine Reserven mehr besitzt, so Herrmann. Die Stadt will prüfen, ob eine Verstärkung möglich ist. Die Untersuchungen würden laufen.

Bereits im Haushalt vorgesehen ist eine PV-Anlage auf dem Depotneubau, betrieben von den Stadtwerken.

Trotzdem war im Ausschuss eine gewisse Ungeduld zu spüren. Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen, ärgerte sich: Die Umsetzung müsse schneller gehen. Er findet, bei der Mittelschule sei mehr machbar. Es werde jedoch nach Gründen gesucht, es nicht zu tun, fand er. Stadler sieht die Möglichkeit, an der senkrechten Fassade PV-Elemente anzubringen. Keine optimale Position, aber immerhin, da gehe schon was in punkto Stromertrag, ist er überzeugt.

„Wir müssen in die Umsetzung kommen“, appellierte er, nicht nur Mittel in den Haushalt zu stellen, sondern Projekte durchzuziehen. Bürgermeister Michael Kölbl fand die Kritik nicht angebracht. Alle seien sich einig, dass mehr PV-Anlagen gewünscht würden. Doch Vorplanungen seien notwendig. Diese Zeit müsse sich die Stadt trotz der Dringlichkeit nehmen. Die Fraktionen könnten für den nächsten Haushalt weitere Vorschläge unterbreiten.

Appell: Grün und PV nicht gegeneinander ausspielen

Das Dach der Mittelschule ist außerdem begrünt. PV-Anlagen sind trotzdem möglich, so Herrmann auf Nachfrage. Die beiden Nachhaltigkeitsprojekte – mehr Grün, mehr PV – dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, warnte sie.

Stadler und Friederike Kayser-Büker, Fraktionsvorsitzende von SPD und Linker Liste, regten außerdem an, Parkplätze – etwa für die Lehrer an der Grundschule oder am Familienbad Badria – zu überdachen und hier Platz für PV zu schaffen. Eine Option, die diskutiert werden kann, so Herrmann.

Ungeduld auch bei Hauseigentümern in der Altstadt

Markus Pöhmerer (Wasserburger Block) dauert es generell viel zu lange – nicht nur bei den Liegenschaften der Stadt, die Gegenstand der Untersuchungen waren, sondern auch bei den Häusern der Privatleute in der Altstadt. „Wir stehen eventuell vor einem kalten Winter“, warnte er. „Es muss jetzt schnell gehen.“ Die Hausbesitzer und Mieter würden unter den explodierenden Nebenkosten leiden.

Kölbl warnte davor, die Bemühungen um PV auf kommunalen Gebäuden mit den Bestrebungen, Anlagen auf die Dächer von Privathäuser in der Altstadt zu bringen, in einem Topf zu werfen. Bei den geprüften städtischen Liegenschaften handele es sich ausschließlich um Standorte außerhalb des Denkmalschutzensembles.

In der Altstadt wartet die Stadt für die privaten Hauseigentümer auf die geplante Änderung des Denkmalschutzgesetzes. Wasserburg geht hier als Modellstadt mit Musterprojekten für PV auf historischen Dächern voran. Wenn die Gesetzessänderung durch ist, kann die Stadt die Gestaltungssatzung für die Altstadt ändern. Ohne die rechtlichen Grundlagen seien der Kommune die Hände gebunden, ergänzte Herrmann. „Wir müssen uns die Zeit geben.“ „Haben wir nicht“, entgegnete Pöhmerer.

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