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Serie zu 50 Jahre Gebietsreform – Teil 2

Pfiat di Altlandkreis Wasserburg: Aus Vier mach Eins, hieß es in Gars

Der erste Garser Gemeinderat nach der Ortszusammenlegung im Jahr 1971 mit dem Garser Bürgermeister Heinrich Himmel (vorne links).
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Der erste Garser Gemeinderat nach der Ortszusammenlegung im Jahr 1971 mit dem Garser Bürgermeister Heinrich Himmel (vorne links).
  • VonAnja Leitner
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Aus Vier mach Eins: Der Markt Gars wurde 1971 mit den Gemeinden Au, Mittergars und Lengmoos zusammengeschlossen. Danach wurde der damalige Landkreis Wasserburg aufgelöst. Im zweiten Teil unserer Serie „Pfiad di Altlandkreis“ – 50 Jahre Gebietsreform“ erinnern sich Zeitzeugen an die Auswirkungen auf Gars.

Gars – Der Markt Gars in seinem heutigen Gebietsumfang entstand in zwei Schritten. Nachdem sich im Jahr 1967 Gars und Klostergars zusammenschlossen, folgte 1971 die Zusammenlegung der Gemeinden Lengmoos, Au und Mittergars mit der Marktgemeinde Gars – und das mit vielen Diskussionen der betroffenen Bürger.

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Markus „Max“ Voglmaier erinnert sich: „Damals waren wir in Mittergars von der Zusammenlegung erst einmal nicht begeistert. Im Nachhinein betrachtet, war es aber eine gute Entscheidung“, resümiert der 78-Jährige. „Mittergars war früher ein Selbstversorgerdorf. Wir hatten Lebensmittelgeschäfte, Wirtschaften und eine Schule. Nach und nach sind die Strukturen weggebrochen. Auch der Verwaltungsaufwand ist für eine kleine Kommune sehr groß. Es hat schon Sinn gemacht, dass Mittergars mit Gars zusammengeschlossen wurde“, erzählt Voglmaier.

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Auf die Frage, ob er sich heute mehr als Mittergarser oder Garser sieht, antwortet der Rentner: „In erster Linie bin ich Mittergarser. Wir haben einen starken Gemeinschaftssinn entwickelt, auch durch die Dorferneuerung. Trotzdem bin ich auch Garser. Als die Marktgemeinde die 1250-Jahr-Feier begangen hat, habe ich genauso mitgefeiert“, so Voglmaier.

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Anton Greißl aus Lengmoos blickt gelassen auf die Zusammenlegung zurück: „Damals habe ich gedacht, es ist keine schlechte Idee. Heute sage ich, es war eine sehr gute Idee“, erzählt das 71-jährige ehemalige Gemeinderatsmitglied und der frühere Zweite Bürgermeister. „Mit der Verwaltungsgemeinschaft funktioniert es hervorragend, wir haben kompetentes Personal, das sich um alles kümmert. Es hat sich seitdem wirklich alles gut entwickelt“, resümiert Greißl.

Lange Debatten – wenig Einfluss

Im Endeffekt war es für den Rentner mehr eine Formalität: „In Lengmoos hat sich ja deswegen nicht viel verändert, nur weil wir auf einmal zu Gars gehörten“, erklärt er ganz pragmatisch.

So sieht das auch Schwester Roswitha aus dem Kloster in Au. Die Nonne lebt dort seit über 50 Jahren. Über die Ortszusammenlegung sagt sie: „Mei, war halt so. Für mich hat sich nicht viel verändert.“ Viel intensiver sei ihr der Kirchenbrand im Jahr 1969 in Erinnerung geblieben. „Nach dem Feuer ist die ganze Pfarrgemeinde zu uns ins Kloster zum Gottesdienst gekommen. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern“, blickt die 77-Jährige zurück.

Die Gemeinderäte waren im Zwiespalt

Auch die gebürtige Mittergarserin Brigitte Sebald, die seit über 50 Jahren in Gars wohnt, erinnert sich: „Natürlich wollten die Gemeinden für sich bleiben und haben sich gewehrt. Ich weiß noch, dass es damals im Mittergarser Gemeinderat große Diskussionen gab – die Räte waren sehr im Zwiespalt. Aber im Endeffekt ist es von der Regierung von Oberbayern einfach beschlossen worden“, weiß die 75-Jährige.

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Peter Deisböck zog 1945 nach dem Krieg mit seiner Familie von Schwabing nach Gars. Er erinnert sich noch daran, dass die Ortszusammenlegung relativ unspektakulär vonstatten ging. Anders die Auflösung des Landkreises Wasserburg, da gab es viel Aufschrei. Als dann auch noch die Idee aufkam, die Feuerwehren Gars, Au, Lengmoos und Mittergars zu einer zentralen Feuerwehr zusammenzuschließen, war es bei den Feuerwehlern ganz vorbei. „Viele haben gesagt, da treten sie lieber aus, bevor es nur noch eine Feuerwehr in Gars gibt“, erzählt der 82-Jährige, der selbst damals aktiver Feuerwehrler war.

Feuerwehren protestierten

Lebhaft erinnert sich der Rentner auch noch an den Protest in Haag. „Damals sind die Feuerwehren aus dem Landkreis Wasserburg in Haag zusammengekommen, um gegen die Zusammenlegung zu protestieren“, erzählt er. „Im Nachhinein hat es ja geklappt. Auch heute hat die Marktgemeinde noch vier Feuerwehren“, resümiert Deisböck.

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